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Kamala Harris: Erste Frau als US-Vizepräsidentin - Biden wählte „furchtlose Kämpferin“

Die kalifornische US-Senatorin Kamala Harris hat es an der Seite von Joe Biden bis zur Vizepräsidentin geschafft. Man traut ihr zu, noch weiter zu kommen.

  • Kamala Harris wurde 1964 in Kalifornien geboren.
  • Seit 20. Januar ist die frühere Senatorin die Vizepräsidentin neben US-Präsident Joe Biden.
  • Sie ist die erste Schwarze mit afrokaribischen Wurzeln, die dieses Amt innehat.

Kamala Harris: Aufstrebende Hoffnungsträgerin der US-Demokraten

Washington, D.C. – Kamala Harris kam am 20. Oktober 1964 als Tochter einer indischen Tamilin und eines Jamaikaners in Oakland, Kalifornien zur Welt. Bis der Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei, Joe Biden, sie im August 2020 offiziell als seine „Running Mate“ – seine Vizepräsidentschaftskandidatin – vorstellte, hatte sie bereits eine bemerkenswerte politische Laufbahn hinter sich. Und die war deutlich geprägt von ihrer Herkunft. Nun scheint es nicht ausgeschlossen, dass Kamala Harris nach dem höchsten Amt der USA greift. Zur Vizepräsidentin unter Joe Biden hat sie es nach der US-Wahl im November 2020 bereits geschafft.

Kamala Harris: Herkunft und Familie

Kamala Harris‘ Mutter, die Brustkrebsforscherin Shyamala Gopalan, emigrierte 1960 aus Indien nach Amerika. Ihr Vater, der Wirtschaftsprofessor Donald J. Harris, kam aus Jamaika in die Vereinigten Staaten. In den 60ern, den Jahren der Studentenproteste, wurde Kamala Harris von den beiden im Kinderwagen über den Campus der Berkeley University geschoben.

Als sie sieben Jahre alt war, trennten sich ihre Eltern. Kamala und ihre Schwester Maya Harris wuchsen bei ihrer Mutter auf, zunächst in Montreal, Kanada, wo Shyamala Gopalan Harris einen Forschungsauftrag hatte. Später wurde Oakland erneut der Lebensmittelpunkt der Familie. Die religiöse Prägung der beiden Mädchen setzte sich aus baptistischen und hinduistischen Elementen zusammen.

Kamala Harris sagt, dass sie ihren Kampfgeist der Mutter, die als Bürgerrechtlerin aktiv war, zu verdanken habe: „Meine Mutter formte uns zu starken Frauen.“ Sie habe ihren Töchtern beigebracht: „Sitzt nicht nur herum und beschwert euch. Tut was!“

Seit 2014 ist Kamala Harris mit dem jüdischen Anwalt Douglas Emhoff verheiratet, er brachte zwei Kinder mit in die Ehe. Ihm zufolge beruht der berufliche Erfolg seiner Frau ebenso auf ihrem politischen Engagement wie auf ihrem multikulturellen Background. Damit ist sie auch beliebt bei der Wählerschaft, die nicht afroamerikanisch ist.

Kamala Harris: Studium und erste Position als Staatsanwältin

Kamala Harris studierte in Washington Politikwissenschaften und Wirtschaft, anschließend Rechtswissenschaft in San Francisco. 1990 erhielt sie ihre Zulassung als Anwältin und begann ihre Karriere als streitlustige Staatsanwältin.

2003 wurde Harris, die der Demokratischen Partei der USA angehört, zur ersten Bezirksstaatsanwältin in San Francisco gewählt. 2007 gelang ihr die einstimmige Wiederwahl.

Ihr Stil war nicht immer unumstritten: Im Wahlkampf hatte sie ausgeschlossen, jemals die Todesstrafe anzustreben. Als sie sich im Falle des Polizisten-Mörders Isaac Espinzo daran hielt, zog sie sich den Unmut der Polizeigewerkschaften zu.

Gleichzeitig brachte sie die Linken in ihrer eigenen Partei gegen sich auf. Ihre Law-and-Order-Politik kam im liberalen Kalifornien nicht gut an: So votierte Kamala Harris dafür, dass die Eltern chronischer Schulschwänzer mit bis zu einem Jahr Gefängnis zu bestrafen seien.

Kamala Harris: Karriere als Attorney General

Im Jahr 2010 kandidierte Kamala Harris für die frei werdende Position des Attorney General von Kalifornien und setzte sich erfolgreich gegen sechs Bewerber durch. Am 3. Januar 2011 wurde sie als Attorney General vereidigt. In den USA stellt dieses Amt eine Kombination aus Justizminister und Generalstaatsanwalt dar. Kamala Harris übernahm auch hier wieder die Rolle als Wegbereiterin: Sie war nicht nur die erste weibliche Besetzung dieser Position, sondern auch die erste Person mit indischem und afroamerikanischem Hintergrund.

2014 legte sie als Generalstaatsanwältin Berufung gegen ein Urteil ein, das die Todesstrafe für verfassungswidrig erklärte. Vor allem die Parteilinke macht sie noch heute dafür verantwortlich, dass ohne diesen Einspruch die Todesstrafe in Kalifornien nicht erst im März 2019, sondern schon 2014 abgeschafft worden wäre. Bemerkenswert ist dabei, dass Kamala Harris privat als Gegnerin der Todesstrafe gilt.

Im September 2014 wurde Kamala Harris kurzzeitig als mögliche Nachfolgerin des US-Justizministers Eric Holders gehandelt. Präsident Barack Obama entschied sich jedoch für Loretta Lynch. Kamala Harris hingegen wurde in ihrem Amt als Attorney General bestätigt und begann im Januar 2015 ihre zweite Amtszeit.

Kamala Harris: US-Senatorin für den Staat Kalifornien

Anfang 2015 kündigte Kamala Harris ihre Kandidatur für den US-Senat an. Sie wurde dabei von einer breiten Basis der Demokraten unterstützt. Unter anderem sprachen sich der damalige US-Präsident Barack Obama – den sie wiederum bei seiner Präsidentschaftskandidatur unterstützt hatte – und sein Vizepräsident Joe Biden für sie als Senatorin aus.

Die Vorwahlen in Kalifornien entschieden die beiden Demokratinnen Loretta Sanchez, die der politischen Mitte zugeordnet wurde, und Kamala Harris als Vertreterin des progressiven Flügels für sich. Bei der Senatswahl im November 2016 konnte Kamala Harris 62,6 Prozent aller Wähler hinter sich versammeln. Als zweite Farbige zog sie im Januar 2017 in den US-Senat ein. Zum Zeitpunkt ihrer Vereidigung gab es insgesamt genau drei afroamerikanische US-Senatoren.

Analytisch, messerscharf, unnachgiebig

Gleich zu Beginn ihrer Karriere als Senatorin stellte sich Kamala Harris entschlossen an die Spitze der Opposition gegen die Einwanderungspolitik von Präsident Donald Trump. Auch machte sie durch ihre gnadenlosen und messerscharfen Auftritte bei Senatsanhörungen von sich reden:

  • Bei der Anhörung von Justizminister Rod Rosenstein 2017 bezüglich der Entlassung von FBI-Direktor James Comey durch Trump wurde sie von den Republikanern aufgefordert, höflicher zu fragen.
  • 2018 unterzog sie den von Trump favorisierten, umstrittenen Kandidaten für den Supreme Court, Brett Kavanaugh, einer präzisen, nahezu inquisitorischen Befragung. Mit diesem Verhör wurde sie einer breiten Öffentlichkeit bekannt.
  • 2019 wich Justizminister William Barr ihren Fragen zum Abschlussbericht des Sonderermittlers Robert Mueller im Rahmen der Russlandaffäre aus. Sie legte ihm daraufhin nahe, von seinem Amt zurückzutreten.

Kamala Harris: Präsidentschaftskandidatur 2020

Immer wieder wurde Kamala Harris als mögliche US-Präsidentschaftskandidatin der Demokraten gehandelt. Als sie 2019 schließlich ihre Kandidatur bekannt gab, galt sie zunächst als Favoritin gegenüber ihren Mitbewerbern Joe Biden, Bernie Sanders und Elizabeth Warren. Im Rahmen des Vorwahlkampfes geriet sie mehrfach mit Joe Biden aneinander, dem sie unter anderem vorwarf, als junger Senator gemeinsame Sache mit erklärten Rassisten gemacht zu haben. Noch im Mai 2019 bezeichnete sie Joe Biden als großartigen „Running Mate“ – sie hatte ihn als Vizekandidaten für ihre Präsidentschaft im Sinn.

Doch im Laufe des Jahres verlor sie an Zuspruch und gab im Dezember 2019 ihre Kandidatur wegen schlechter Umfrageergebnisse auf. Im März 2020 sprach sie sich ausdrücklich für Joe Biden als US-Präsidentschaftskandidat der Demokraten aus, der im August 2020 Kamala Harris als seine Vizekandidatin bekanntgab.

Kamala Harris: Vizepräsidentschaftskandidatin 2020

Joe Biden bezeichnete Kamala Harris bei der Bekanntgabe seiner Entscheidung als „furchtlose Kämpferin“. Ihr wurde zugetraut, vor allem afroamerikanische Wähler mobilisieren zu können – ein wichtiges Argument, vor allem vor dem Hintergrund der „Black Lives Matter“-Bewegung.

Doch nicht nur wegen ihrer Herkunft und ihres Geschlechts wählte Biden sie aus. Bei der Vorstellung seiner Vizepräsidentschaftskandidatin betonte er auch, dass sie dazu in der Lage sei, „den Job [der Präsidentin] sofort zu übernehmen.“ Das Kalkül des fast 78-jährigen Biden dabei: Menschen zu motivieren, zur Wahl zu gehen, die nicht zwingend ihn als Präsidenten sehen möchten, sondern auf Kamala Harris als potenzielle Nachrückerin spekulieren.

Beim traditionellen TV-Duell zwischen den Vizepräsidentschaftskandidaten stellten sich Kamala Harris und Mike Pence im Oktober 2020 den Fragen der Moderatorin. Anders als beim TV-Duell der beiden Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Joe Biden, das in weiten Teilen chaotisch und emotional verlief, bemühten sich die beiden Vizekandidaten um Argumente. Dabei sprach sich Kamala Harris für mehr wirtschaftliche Umverteilung, mehr Klimaschutz und mehr staatliche Regulierung aus.

Rubriklistenbild: © Saul Loeb/Pool AFP/AP/dpa

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