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Ein Soldat der Regierungstruppen in einer Stellung in der Provinz Helmand. Foto: Watan Yar

Taliban sichern sich in vielen Provinzen Gebietsgewinne

Alles schaut auf Sangin, den umkämpften Bezirk in der Südprovinz Helmand. Aber nicht nur hier erringen die Taliban militärische Erfolge. In vielen ländlichen Gebieten erobern sie Dorf nach Dorf - weitgehend unbeobachtet. Und unangefochten durch Sicherheitskräfte.

Kabul (dpa) - Nachdem erst am Mittwochmorgen die afghanischen Truppen in Helmand verstärkt worden waren, fiel am Nachmittag (Ortzeit) ein zentraler, tagelang umkämpfter Ort in die Hände der Taliban: eine Polizeistation in Sangin.

Das teilte ein Talibansprecher per Twitter mit. Ein Mitglied des Provinzrats bestätigte dies. Afghanische Truppen seien auf eine einzige Militärbasis im Süden des Bezirks zurückgetrieben worden. Dort werde noch gekämpft.

Damit bleibt Helmands Norden auch nach fünftägigen Gefechten und trotz der Unterstützung durch internationale Berater und Spezialkräfte der Mittelpunkt der Gefechte in Afghanistan.

Die Taliban hatten das Zentrum des Bezirks Sangin am Sonntag weitgehend eingenommen.

Gefechte finden aber auch in vielen anderen Provinzen statt. Ein Beispiel ist die Nordprovinz Sar-e Pul. Taliban-Kämpfer kommen dort in relativ kleinen Gruppen zum Einsatz. Aber sie halten die afghanischen Sicherheitskräfte in Atem und helfen, aus kleinen Geländegewinnen größere zu machen. Gleichzeitig tragen sie dazu bei, die afghanische Armee und Polizei weiter zu demoralisieren.

Ein Beispiel ist das vor zwei Tagen von Aufständischen eingenommene Dorf Akso Scharki in Sar-e Pul. Nur 20 Taliban-Kämpfer reichten aus, um den zentralen Posten der lokalen Miliz, die die Polizei unterstützt, auszuschalten. Acht Milizionäre wurden getötet. Daraufhin fiel das gesamte Dorf.

Zuvor hatten die Taliban das nahegelegene Dorf Lati erobert. Mittlerweile ist ein Bezirk von sieben in Sar-e Pul völlig in der Hand der Taliban. In zwei weiteren haben sie viele Dörfer unter Kontrolle.

Die Aufständischen kämpften sich so von Dorf zu Dorf weiter vor, warnte ein Sicherheitsanalyst am Mittwoch. Das könnten sie weitgehend unbeobachtet und unangefochten tun, weil die afghanische Regierung ihre Kräfte aus den ländlichen Gebieten in den Zentren der Bezirke zusammenziehe. Diese zu schützen, sei das Hauptanliegen geworden.

Nach Angaben der UN ist die Zahl der von Taliban eroberten Bezirkszentren in Afghanistan in 2015 sprunghaft gestiegen. Nicht alle Eroberungen waren dauerhaft. Bis Mitte Dezember hatten die Taliban 23 Bezirkszentren unter Kontrolle. 2014 waren es drei.

Unterdessen gehen die Planungen für Friedensgespräche mit den Aufständischen weiter. Bei einer Konferenz in Pakistan hatten sich jüngst Afghanistan, Pakistan, China und die USA auf eine Wiederaufnahme von Gesprächen geeinigt. Der pakistanische Armeechef Raheel Sharif soll innerhalb der kommenden sechs Tage nach Afghanistan reisen, heißt es aus pakistanischen Sicherheitskreisen. Gespräche könnten schon im Januar stattfinden.

Mit wem die Regierungen sprechen wollen, ist nicht klar. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid meldete sich vor einer Woche mit der Nachricht, dass die Aufständischen an allen Fronten gewönnen. Sie jetzt zur Aufgabe aufzufordern, sei reine Dummheit.

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