Duin überraschend neuer Bayern-Chef

FDP: Der Kandidat kommt aus dem Nichts

Bamberg/München – Die FDP in Bayern hat einen neuen Chef – mit dem niemand gerechnet hatte. Der kaum bekannte Münchner Albert Duin entscheidet sich spontan zur Kandidatur und siegt.

Jetzt hat Albert Duin ein paar Minuten Zeit, dann muss der neue Chef der Bayern-FDP den Delegierten einen Kandidaten für den Posten des Generalsekretärs präsentieren. Er ist von seinen Vertrauten umringt, führt Gespräche. Lässig wirkt er, im karierten Hemd und mit Weste, während die meisten FDP-Verantwortlichen Anzüge tragen.

Dass er jetzt Chef der Liberalen im Freistaat ist, hat den 60-Jährigen selbst überrascht. „Meine Frau fällt vom Glauben ab, wenn sie das erfährt“, scherzt er. Viele Beobachter auch. Denn nach den verheerenden Wahlschlappen in Bund und Land und dem Rücktritt der Landeschefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger schien alles auf Ex-Fraktionschef Thomas Hacker zuzulaufen. Er fuhr seit sechs Wochen durch Bayern und stellte sich der Basis vor.

Hackers Rede aber rüttelt nicht auf. Die Delegierten in Bamberg entwickeln Zweifel, ob mit ihm ein echter Neuanfang gelänge. Schließlich hatte der Bayreuther fünf Jahre als Fraktionschef die CSU/FDP-Regierung im Freistaat mitgeprägt, gehört also zentral zu den Wahlverlierern. Delegierte kreiden ihm an, er sei der Wunschkandidat der alten Garde, das böse Wort „Marionette“ fällt am Rande.

Duin dagegen ist komplett neu – der Münchner Unternehmer ist seit sieben Jahren FDP-Mitglied, bisher nur lokal engagiert. Er leitet ein Unternehmen mit 80 Mitarbeitern in Deutschland und Ungarn. Familienvater ist er, drei Kinder, kam mit 16 aus Ostfriesland nach Bayern. Spontan entscheidet er sich zur Kandidatur gegen die FDP-Elite. Er wolle „die Partei wecken“, sagt Duin. Das gelingt: Mit 53,7 Prozent siegt er im ersten Anlauf. Hackers Personaltableau ist im Eimer.

Die prominenteren FDP-Mienen gefrieren. „Da ist eine Eigendynamik entstanden“, sagt Ex-Wirtschaftsminister Martin Zeil. Er akzeptiere die Entscheidung, sagt Hacker kurz und knapp. Als Duin ihn wortreich und freundlich bittet, als sein Stellvertreter zu kandidieren, lehnt Hacker kühl ab, berichten Delegierte. Auch der junge Finanzexperte Karsten Klein kehrt der FDP-Spitze den Rücken. Lediglich Horst Meierhofer als Vize und Tobias Thalhammer als Beisitzer wollen dem Duin-Vorstand für die nächsten zwei Jahre angehören.

Hacker hatte versprochen, die FDP zu öffnen und bei den nächsten Wahlen spätestens 2017/18 auch an Koalitionen jenseits der CSU zu denken. Duins Kurs ist noch nicht abgesteckt. Inhaltliche Pflöcke rammt er zunächst kaum ein. Viel zu überwältigt wirkt er. Er wolle die FDP wieder sympathischer machen. Programm und Ziele seien „toll“. „Jetzt müssen wir die Menschen auf der Straße wieder erreichen.“ Die FDP sei eine Marke, die in den vergangenen Jahren kaputt gemacht worden sei.

Einige Weggefährten trauen Duin viel zu. Als bayerischen „Kubicki“, wie den wortgewaltigen Kieler, beschreibt Vorstandsmitglied Matthias Fischbach den Chef: „Ein Mann von der Basis mit Charisma und Lebenserfahrung.“ Als erstes Signal bittet Duin den Parteitag am Sonntag, Leutheusser-Schnarrenberger, die er in seiner Rede noch kritisiert hatte, zur Ehrenvorsitzenden zu ernennen. Die Delegierten klatschen lang.

Der Schwerpunkt der neuen Bayern-FDP liegt nun klar in München. Als Europa-Spitzenkandidatin bestätigt der Parteitag Nadja Hirsch (35), die Münchnerin ist dann Bayerns letzte FDP-Berufspolitikerin. Und zum Generalsekretär macht Duin Daniel Föst, FDP-Chef in der Stadt. Der Parteitag folgt auch hier, 73 Prozent. Er wolle „selbstbewussten Liberalismus“, gelobt Föst. „Ich verspreche euch: Aufrichtigkeit, Loyalität und Geradlinigkeit sind mein Ding.“ Erste Etappenziele für beide: Die Kommunalwahl Mitte März in München und die Europawahl im Mai. Duin verspricht: „Wir werden das jetzt schon wuppen.“

Kathrin Zeilmann und Christian Deutschländer

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