Armin Laschet und Annelena Baerbock in einer Bildmontage.
+
Laschet und Baerbock sind auch in ausländischen Medien Gesprächsthema Nummer ein.

22„Kontinentaler Gamechanger“?

Kanzlerfrage weckt im Ausland Emotionen: Blatt vergleicht Baerbock schon mit Merkel - Russland hofft auf Laschet

  • vonTanja Kipke
    schließen

Wie sieht das Ausland die deutschen Kanzlerkandidaten? Viele Blätter favorisieren Baerbock und vergleichen sie sogar mit Merkel. Russland hingegen ist klar für Laschet.

Berlin - Annalena Baerbock ist die erste Kanzlerkandidatin der Grünen und steht deshalb im Fokus des Interesses - teils sogar im Ausland. Ein Blick in die internationale Presse zeigt: Ein kleiner Baerbock-Hype ist entstanden. In fünf Monaten steht die Bundestagswahl 2021 an. Momentan liegen die Grünen in den Umfragewerten vorne.

Kanzler-Frage: Ausländische Zeitungen sind fasziniert von Baerbock - und vergleichen sie mit Merkel

So einige ausländischen Medien lieben die Geschichte der Grünen-Politikerin. Das US-Magazin Foreign Policy beschreibt Baerbock als „proeuropäisch, härter gegenüber autoritären Großmächten und mit Schwerpunkt auf Menschenrechts- und Klimaproblemen - alles mit einem pragmatischen Ton zu Themen wie NATO und Militärausgaben.“ Weiter heißt es: „Wenn die Welt vorher nicht auf Baerbock gehört hat, sollte sie es jetzt tun“.

Baerbocks außenpolitische Position werde in den USA begrüßt, berichtet auch das Handelsblatt. Auch im Konflikt um die Pipeline Nord-Stream-2 und in vielen Klimafragen stehen US-Demokraten und deutsche Grüne im Einklang.

Auch die französischen Medien scheinen fasziniert von der 40-Jährigen. Die Libertation schreibt: „Für die grüne Annalena Baerbock sind alle Lichter grün“. Die linksliberale Zeitung geht sogar so weit, sie direkt mit Angela Merkel zu vergleichen: „Annalena Baerbock hat ohne Zweifel die gleiche Qualität wie Angela Merkel, die immer unterschätzt wurde“.

Der ebenfalls liberal gesinnte britische Guardian sieht großes Potenzial in Baerbock: „Grün könnte zur neuen Normalität werden“. Wegen der guten Umfragewerte sei es „sehr wahrscheinlich, dass die nächste Bundesregierung eine wichtige grüne Komponente haben wird, und sie kann sogar von den Grünen geleitet werden“. Der jetzige Zeitpunkt könnte dies zu einem „kontinentalen Game-Changer“ machen.

Video: Auch Annalena Baerbock für Begrenzung der Kanzler-Amtszeit

Russland sieht Laschet als „besten Kandidaten“ - Baerbock könnte für Kreml unangenehm werden

Der Schweizer Tagesanzeiger vergleicht die Konkurrenten so: „Jung, Frau, strahlend, frisch gegen: alt, Mann, abgekämpft, müde.“ Der Kontrast könnte nach Ansicht der Schweizer Zeitung nicht größer sein. „Die Grünen stellten mit Baerbock eine Siegerin vor, die das Versprechen ‚endlich anders‘ mit Leben füllte“. Armin Laschet (CDU) hingegen sei ein 60-jähriger Ministerpräsident, der wie ein „Überlebender“ wirke, „der schon müde schien, bevor der Wahlkampf so richtig begonnen hat“.

Russland hingegen favorisiert klar Armin Laschet als Bundeskanzler. „Mit einer wahrscheinlichen Regierung von Union und Grünen ist zu erwarten, dass die kritische Komponente in den deutsch-russischen Beziehungen zunehmen wird“, prognostiziert der russische Deutschland-Experte Wladislaw Below im Handelsblatt. Laut Andrej Kortunow, Generaldirektor des russischen Rates für internationale Angelegenheiten ist Laschet „aus Sicht der russischen Führung wohl der beste Kandidat für den Posten des Bundeskanzlers.“

Laschet werde als Befürworter der Fortsetzung des deutsch-russischen Dialogs und der Suche nach Kompromissen wahrgenommen. Baerbock habe Anhänger unter russischen Oppositionellen, Umweltaktivisten und Menschenrechtsverteidigern, sagt Kortunow dem Handelsblatt. „Sie ist sicherlich ein unbequemer Partner für Russlands derzeitige Führung.“ Unter ihr als Bundeskanzlerin würde der Abschluss des Nord-Stream-2-Projekts schwierig. Die Menschenrechte würden zu einem Dauerthema in den Verhandlungen mit dem Kreml werden. Tatsächlich hatte sich Baerbock zuletzt schon für einen härteren Russland-Kurs ausgesprochen.

Vom 11. bis 13. Juni beraten die Grünen über ihr Programm - jetzt auch mit Mietendeckel? (tkip)

Mit unserem brandneuen Politik-Newsletter bleiben Sie stets informiert über das nationale und internationale politische Geschehen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare