Die Grünen könnten vom Kanzler-Streit der Union profitieren, kommentiert Georg Anastasiadis.
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Die Grünen könnten vom Kanzler-Streit der Union profitieren, kommentiert Georg Anastasiadis.

Kommentar zur K-Frage

Die Union zerlegt sich - und die Grünen fahren im Schlafwagen an die Macht

  • Georg Anastasiadis
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„Klare Linie“ fordert CSU-Chef Markus Söder von der Union - dabei waren die C-Parteien selten zerstrittener. Locker-Laschet gegen Lockdown-Söder: Das könnte ein böses Ende nehmen, meint Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

„Wechselstimmung“ in Deutschland diagnostiziert ebenso düster wie zutreffend der CSU-Chef – doch von der „klaren Linie“, die er den C-Parteien als Mittel dagegen empfiehlt, ist die Panik-Union so weit entfernt wie die Kuh von der Seiltanz-Meisterschaft: Söder will die Corona-Notbremse ziehen, doch die CDU-Ministerpräsidenten lockern lieber.

Einen kardinalen Fehler gibt die Kanzlerin zu – und merkelt nach ihrer „historischen“ Entschuldigung trotzdem weiter, als gäbe es in der Virus-Politik kein Führungsversagen auf allen Ebenen. Den Schein von Einigkeit wollen die möglichen Kanzlerkandidaten Markus Söder und Armin Laschet vermitteln – und treten sich täglich vors Schienbein, als wollten sie der ganzen Nation beweisen, wer der fieseste Schulhof-Rowdy ist. Dazu noch die immer neuen Raffke-Enthüllungen. Regierende Parteien sind von Wählern schon aus geringerem Grund davongejagt worden.

Laschet oder Söder? K-Frage zersetzt die Union - Grüne könnten als Merkels Lehrlinge ins Kanzleramt kommen

Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur.

Das Problem ist: Je unerbittlicher die Platzhirsche Laschet und Söder ihren Machtkampf austragen, je mehr Verletzungen entstehen, desto schwieriger wird es nach der Kür des gemeinsamen Kanzlerkandidaten, den Wählern die große Unions-Eintracht vorzugaukeln. Und, vielleicht noch wichtiger: die Parteibasis von CDU und CSU dazu zu bringen, für den Kanzlerkandidaten aus der anderen C-Partei fleißig Plakate zu kleben und sich bei Wind und Wetter den Beschimpfungen an den Wahlkampfständen zu stellen.

Da hilft Söder auch kein Red Bull mehr: Wie ein lähmendes Gift zersetzt die immer weiter aufgeschobene K-Frage die Union. Für die Grünen war es noch nie so leicht, sich „im Schlafwagen“ – noch so ein Söder-Apercu – an die Macht zu schleichen. Nur nicht anecken, niemanden ärgern, die Gegner demobilisieren. Sie sind die folgsamsten Lehrlinge von Angela Merkel.

Georg Anastasiadis

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