Markus Söder und Armin Laschet im Gespräch
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Markus Söder und Armin Laschet - in der Corona-Krise oft Antagonisten, beim Kanzler-Zeitplan einig.

Hoffnung auf den Merz-Effekt?

Söder und Laschet ausgerechnet bei einer K-Frage einig - beide könnten dieselbe Hoffnung haben

  • Florian Naumann
    vonFlorian Naumann
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Wer wird der Kanzlerkandidat der Union? Die Antwort scheint völlig offen. Beim Zeitplan sind sich Markus Söder und Armin Laschet aber einig. Womöglich spekulieren sie auf denselben Effekt.

  • Auch zum Jahresanfang 2021 scheint die Kanzler-Frage in der Union noch völlig ungeklärt.
  • Markus Söder sieht das, ebenso wie Armin Laschet, völlig entspannt - und damit spürbar anders als Friedrich Merz.
  • Hinter den offiziell rein parteipolitischen Erwägungen könnte Kalkül stecken.

München - Das Wahljahr 2021 hat begonnen. Doch noch immer ist unklar, wer die Protagonisten im Ringen um Angela Merkels Erbe sein werden: Die Grünen lassen sich bei der Kür ihres Spitzenkandidaten (oder ihrer Spitzenkandidatin) weiter Zeit. Die CDU wählt zwar in einigen Tagen ihren Parteichef - doch bei der Kanzlerkandidatur hat auch die CSU ein Wörtchen mitzureden. Und Parteichef Markus Söder hat am Sonntag (3. Januar) seine Agenda für das Thema bekräftigt. Die dürfte neue Spekulationen über Söders eigene Ambitionen anfachen...

Söder bekräftigt seinen Kanzler-Zeitplan - Friedrich Merz dürfte er nicht gefallen

Denn Söder hat es nicht eilig. „Zunächst wird über den CDU-Vorsitz entschieden. Dann muss sich die CDU sortieren und für die wichtigen Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz Mitte März erfolgreich aufstellen“, erläuterte der CSU-Chef der Bild am Sonntag. „Danach werden die Parteivorsitzenden von CDU und CSU über die Kanzlerkandidatur sprechen. Wir werden dabei sicher sehr gut zusammenarbeiten.“

Ganz neu ist der Kurs nicht: CSU-Generalsekretär Markus Blume hatte bereits vor einigen Wochen klargestellt, aus Sicht der Christsozialen könne man gerne „bis März oder April“ mit der Kandidatenkür warten. Auch Konkurrent Armin Laschet sprach sich für eine Entscheidung nach den Landtagswahlen aus. Einem anderen will dieser Plan jedoch nicht so recht passen: Friedrich Merz. Er sei „eher der Meinung, wir sollten das bald entscheiden“, sagte er unlängst der dpa.

Söder und Laschet wollen sich mit der K-Frage Zeit lassen - spekulieren sie auf den selben Effekt?

Einige Beobachter vermuten schon seit Längerem Kalkül hinter der Abwartehaltung der CSU. Sollten nach der Wahl des neuen CDU-Chefs Mitte Januar die Umfragewerte für die Schwesterpartei einbrechen, könnte sich eine deutliche Kanzlerchance für Söder bieten, so die These. Passend dazu hat gerade erst ein FDP-Politiker Merz als „Fettnäpfchen-Suchmaschine“ ausgemacht.

Möglicherweise denkt auch Laschet ähnlich - der nordrhein-westfälische Ministerpräsident war zuletzt in den Umfragen weit abgeschlagen. Direkt vom Vorsitz-Verlierer zum Kanzlerkandidat gekürt zu werden scheint unwahrscheinlich. Mit etwas zeitlichem Puffer könnte es aber möglich sein. Das hat ausgerechnet Olaf Scholz bei der SPD bewiesen.

CDU-Vorsitz: Röttgen will Kanzlerkandidaten schnell bestimmen - zu Söder hat er sich schon klar geäußert

Merz steht mit seiner Skepsis allerdings nicht alleine da. Auch Norbert Röttgen - der Dritte im Bunde der ernsthaften Vorsitzanwärter - will schnell über einen Kanzlerkandidaten entscheiden. Im Falle eines Sieges will er schnell auf Söder zugehen, um die K-Frage zu klären, wie er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe am Wochenende sagte. „Die Verständigung über die Kanzlerkandidatur sollte sehr schnell nach unserem Parteitag beginnen“, forderte der Außenpolitiker.

Ein Foto aus dem Jahr 2011: Norbert Röttgen und Markus Söder (re.) kennen sich schon lange - ob sie bald stärker zusammenarbeiten?

Röttgen war zuletzt in den Umfragen auf Platz zwei hinter Merz vorgerückt. Doch sollte dem Außenseiter tatsächlich der Triumph glücken, könnten auch noch ganz andere Gedankenspiele Fahrt aufnehmen. Die von einer Ämterteilung. Röttgen selbst hatte solche Gedanken im Sommer befeuert. „Natürlich muss der CDU-Vorsitzende beide Rollen können und wollen“, sagte Röttgen im Bayerischen Rundfunk damals mit Blick auf Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur. „Aber genauso muss ein CDU-Vorsitzender notfalls auch die andere Rolle annehmen können und wollen.“ In derselben Sendung hatte er auch betont, er könne sich Söder als Unions-Kandidaten vorstellen.

CDU sucht den neuen Chef: Schäuble bringt neues Kanzlerszenario ins Gespräch - was macht Spahn?

Das ganze Gedankenspiel lässt sich aber auch noch eine Runde weiter treiben. Das zeigte zuletzt ausgerechnet CDU-Altmeister Wolfgang Schäuble. Auch er lieferte Futter für neue Spekulationen - offiziell wider Willen. Schäuble erklärte zum Jahresanfang eher en passant: Denkbar sei, dass die Union einen Kanzlerkandidaten aufstellt, der weder CDU- noch CSU-Chef ist. „Dass jemand zum Kanzlerkandidaten bestimmt wird, der kein Parteivorsitzender ist, ist grundsätzlich nicht ausgeschlossen“, sagte der Bundestagspräsident der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Ich gebe hier keine neue Nahrung für Personalspekulationen, lassen wir uns überraschen“, fügte Schäuble an.

Namen nannte Schäuble konsequenterweise nicht. Allerdings hatte sich im Zuge der Corona-Krise zuletzt ein CDU-Politiker ganz ohne Vorsitz-Ambitionen merklich in den Vordergrund gespielt. Und auch Jens Spahn bleibt im Gespräch: Das Vorsitz-Tandem mit Laschet hält zwar - doch nach der Wahl am 15. Januar könnten die Karten neu gemischt werden.

Eine möglicherweise vielsagende Eventualität hat unterdessen die CDU-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg verkündet. Bei der Jahresauftakt-Klausur zwei Tage vor der Vorsitzwahl der Gesamtpartei sollen Merz, Laschet und Röttgen je eine halbe Stunde zugeschaltet werden. Eventuell können die Parlamentarier aber auch mit Söder per Videoschalte sprechen, hieß es am Sonntag. (fn)

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