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Wilde Wahl-Spekulationen: Wird Söder doch noch Kanzler - durch die Hintertür?

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Von: Florian Naumann

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Klausur der Unionsspitzen im Juni 2021 in Berlin: Armin Laschet und Markus Söder verabschieden sich auf der Bühne mit Mundnasenschutz und Corona-Ellenbogengruß.
Armin Laschet und Markus Söder verabschieden sich mit Corona-Ellenbogengruß (Archivbild). © Kay Nietfeld/dpa

Die Bundestagswahl dürfte die politische Landschaft kräftig durcheinander wirbeln. Erste Spekulationen kursieren - wird Markus Söder doch noch Kanzler?

Berlin/München - Die Bundestagswahl naht - Zeit für letzte Spekulationen. Glaubt man den jüngsten Umfragen, dann könnte Deutschland ein Parteiwechsel im Kanzleramt ins Haus stehen. Angesichts dessen werden nun teils erstaunliche Szenarien gewälzt: Welche Koalitionen könnten möglich sein? Was passiert mit Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU), sollte die Union tatsächlich krachend abgestraft werden?

Die Kombination beider Gedankengänge hat nun unter anderem Spiegel Online zu einem pikanten Gedankenspiel angeregt: Tatsächlich scheint zumindest theoretisch denkbar, dass doch noch einmal CSU-Chef Markus Söder Kurs auf die Nachfolge Angela Merkels (CDU) nimmt. Allerdings gewissermaßen durch die Hintertür.

Bundestagswahl: Söder-Wende denkbar? Union könnte trotz Schlappe Kanzler stellen - doch Laschet wäre angeschlagen

Eine offizielle Kanzlerkandidatur hatte Söder zuletzt mehrfach ausgeschlossen: Zwar stichelt die CSU weiterhin teils unverhohlen gegen den im Wahlkampf weitgehend glücklosen Laschet - möglicherweise, um die eigene Haut im Falle eines Wahlflops zu retten. Einen Wechsel vor der Wahl wird es allerdings kaum noch geben. Nicht öffentlich gesprochen wurde bislang aber über die Zeit nach dem Urnengang am 26. September.

Denn auch wenn die Union den Nimbus der stärksten Bundestagsfraktion verlieren sollte, ist noch nicht ausgemacht, wer ins Kanzleramt einzieht: Sollte es CDU und CSU gelingen, eine Koalition ohne Beteiligung der stärksten Kraft (mutmaßlich der SPD) zu schmieden, das höchste deutsche Regierungsamt bliebe in ihren Händen. Die einzige Machtoption in diesem Falle wäre wohl schwarz-grün-gelb, vulgo: „Jamaika“.

Sicher keine Wunschkonstellation der Grünen, wohl aber eine für die FDP. Und sollte Rot-Rot-Grün als Variante ausfallen und die FDP sich einer „Ampel“ verweigern, könnte die verantwortungshungrige Öko-Partei plötzlich vor genau diesem Szenario stehen. Dann könnte es allerdings massive Zugeständnisse der gestrauchelten Union brauchen. Mit Sicherheit in Sachen Klimaschutz, Verkehrs- und Steuerpolitik sowie Kohleausstieg, zudem wohl bei der Ministerienverteilung. Vielleicht aber auch beim Amt des Regierungschefs.

Kanzler Söder? Grüne könnten ohnehin heiße Debatte um Laschet verschärfen

Ob den Grünen Markus Söder wirklich lieber wäre als Armin Laschet, es scheint offen. Undenkbar ist das aber nicht: Immerhin inszeniert sich Bayerns Ministerpräsident gerne als grün, pflegt den Schulterschluss mit Grünen-Amtskollege Winfried Kretschmann aus Baden-Württemberg - und lag im Freistaat zumindest in Sachen Corona ganz auf Linie mit der grünen Konkurrenz. Womöglich wäre der Partei in Koalitionsnotlage ein schwacher und bekannt „integrativer“ Kanzler Laschet aber auch lieber, als der vergleichsweise populäre Söder.

So oder so: Sollten die Grünen hier Offenheit oder Sympathien erkennen lassen, könnte eine brisante Debatte weitere Fahrt aufnehmen. Denn ob Laschet im Falle einer Niederlage überhaupt noch die Koalitionsverhandlungen anführt, es scheint nicht ausgemacht: Experten erwarten bei einem Scheitern bereits einen Umbruch bei der CDU. Zudem könnte der Nordrhein-Westfale am Ende ohne Bundestagsmandat dastehen und würde damit als möglicher Unions-Fraktionschef im Bundestag ausfallen.

Kanzler-Spiele: Söder statt Laschet? Die Union hat sich schon mal flexibel gezeigt

Denkbar, dass die gedemütigte Partei ihren Chef schasst - und so ganz neuen Konstellationen Tür und Tor öffnet. CDU- und Unionsfraktionschef könnte Söder freilich nicht werden. Womöglich aber doch noch den Moment sehen, an dem aus Bayern wieder ein „Angebot“ an Deutschland und die ganze Union ergehen muss.

Das wäre zwar ein Bruch mit den im Wahlkampf geschürten Erwartungen. Zumindest auf EU-Ebene hat sich die Union in dieser Frage aber schon flexibel gezeigt. Und zwar unter umgekehrten Vorzeichen: Vor der Europawahl trat Manfred Weber (CSU) als Spitzenkandidat an. Am Ende wurde Ursula von der Leyen (CDU) Kommissionspräsidentin. Rein rechtlich wäre ein Wechsel kein Problem - Wahlkampf-„Kanzlerkandidaten“ kennt das Grundgesetz ohnehin nicht. In ihrem Wahlprogramm spricht sich die Union nun übrigens für das „Spitzenkandidaten-Prinzip“ aus - in Europa freilich.

Vorerst bleibt all das eine ziemlich gewagte These. Sollte aber tatsächlich Laschet sein Amt als CDU-Chef nicht halten können: Sehr viel könnte ins Rutschen geraten. Indizien auf das weitere Vorgehen könnte es freilich schon am Wochenende beim CSU-Parteitag geben. Denn nicht nur der Spiegel weiß, dass der Weg ins Kanzleramt nur über eine - wenngleich geschwächte - CDU führen würde: „Nur wenn Söder jetzt den Eindruck erweckt, entschieden für Laschet zu kämpfen, kann er im Falle des Falles nach dessen Wahlniederlage wohl auch auf den CDU-Teil der Unionsfraktion setzen“, orakelt das Nachrichtenmagazin in seiner Online-Ausgabe. Die war Söder allerdings schon im Kanzlerkandidaten-Ringen zu größeren Teilen sehr zugetan. (fn)

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