Im Kanzleramt die "Chefin"

- "Einer, der so eine Frau hat, kann kein Verkehrter sein": Doris Schröder-Köpfs Beliebtheit beim kleinen Bürger auf der Straße wird immer wieder gerne zitiert. Sie ist ein Pfund, mit dem Gerhard Schröder, ja mit dem die ganze SPD wuchern kann.

<P>Laut einer Emnid-Umfrage für die Frauenzeitschrift Lisa ist Schröder-Köpf mit 39 Prozentpunkten populärer als die Frau des Herausforderers, Karin Stoiber (25 Prozent). Und Sympathiewerte, so glauben Politikwissenschaftler, können das Wahlverhalten zumindest der Unentschlossenen durchaus beeinflussen.</P><P>In den vier Jahren der Kanzlerschaft ihres Mannes hat Doris Schröder-Köpf einen bemerkenswerten Imagewandel vollzogen. Niemand spricht heute mehr von dem kleinen Blondchen, das 1998 mehr im Schatten als an der Seite Schröders stand. Die Kanzlergattin ist heute in der politischen Öffentlichkeit präsenter als jede ihrer Vorgängerinnen, sie tritt selbstbewusster auf, nicht als Anhängsel, sondern mit eigener Stimme.</P><P>Es ist in Berlin kein Geheimnis, dass Doris Schröder-Köpf zu den wichtigsten Beratern ihres Mannes gehört. Als erste Ehefrau eines Bundeskanzlers hat sie im Kanzleramt ein eigenes Büro samt Referentin. Bei den Mitarbeitern ist Schröder der Chef, sie ganz selbstverständlich die Chefin. Mehrmals am Tag tauschen sich die beiden übers Handy aus. "Dörchens" Meinung ist dem Kanzler wichtig.</P><P>Bei Benefizaktionen gütig in die Kameras zu lächeln, das allein reicht ihr nicht. Vor ihrer Ehe mit Schröder war die 39-jährige politische Journalistin unter anderem bei Bild und Focus. Eine, von der erzählt wird, sie habe immer in der Bundestags-Pressestelle angerufen und nach den neuesten "Schweinereien" gefragt. Sie kennt die Wechselwirkung von Politik und Medien, und sie weiß, wie Themen gesetzt und Stimmungen beeinflusst werden können.</P><P>Das war schon so, als sie auf dem Höhepunkt der BSE-Krise klagte, sie wisse nicht mehr, was sie ihrer Familie noch kochen solle. Auch, als sie im Mai 2001 forderte, Kinder sollten strenger erzogen werden, weniger Taschengeld bekommen und früh zu Bett gehen. Und das war auch so, als sie kürzlich in ihrer Kolumne auf des Kanzlers Webseite der Bild-Zeitung Schmutzjournalismus vorwarf, weil diese das Verhalten der Politiker bei der Flutkatastrophe gegeißelt hatte.</P><P>Polemisieren, emotionalisieren, den Menschen aus der Seele reden. Wenn es sein muss, auch auf Stammtischniveau. Doris Schröder-Köpf beherrscht das Spiel perfekt.<BR>Doch dann ist da auch die andere Seite der zierlichen Frau aus Tagmersheim bei Augsburg. Und in der ist sie Karin Stoiber gar nicht so unähnlich. Die Familie, so betont Doris Schröder-Köpf immer wieder, sei ihr am wichtigsten. Den Großteil der Zeit verbringt sie mit ihrer elfjährigen Tochter Klara im Reihenhäuschen in Hannover, geht bei Aldi einkaufen, wäscht und bügelt Schröders Hemden und hilft Klara bei den Hausaufgaben.</P><P>Doris Schröder-Köpf ist eine Kämpfernatur, ihr Sternzeichen ist Löwe. Nach der Trennung von ihrem Freund, dem sie nach New York gefolgt war, musste sie sich als allein erziehende Mutter durchbeißen, sie weiß, was es heißt, Beruf und Familie unter einen Hut bringen zu müssen. Die Brüche in ihrer Biografie und ihr durchaus umstrittener Anspruch, sich politisch zu äußern, auch auf die Gefahr hin anzuecken, tragen viel zu ihrer Popularität, vor allem bei jüngeren Frauen, bei. Genau wie ihre Neigung zum Tiefstapeln. Das Fädenziehen, so beteuert sie, liege ihr nicht: "Wahlkampf ist nicht meine Rolle, dafür gibt es Profis." Ihren Beruf als Journalistin möchte sie gerne wieder ausüben, später, wenn ihr Mann einmal nicht mehr Kanzler ist.</P><P>Sie macht keinen Hehl daraus, dass das nicht mehr allzu lange dauern sollte. "16 Jahre, das wäre mir echt zuviel", hat sie einmal gesagt.</P><P>Aber erst einmal müssen ihre eigenen Pläne hinten anstehen, hier ist sie ganz die traditionelle Kanzlergattin. In den letzten Wochen vor der Wahl ist sie da, wo es von ihr erwartet wird: an der Seite ihres Mannes. Auf Wahlkampfveranstaltungen klatscht sie artig in der ersten Reihe. Wenn seine Rede gut war, strahlt sie ihn an, dann blitzen ihre Augen schelmisch und fast noch ein bisschen verliebt. Alle zwölf Jahre wechsele er seine Frauen, beliebt der schon zum vierten Mal verheiratete Kanzler gelegentlich zu scherzen.</P><P>Doris Schröder-Köpf, die ihrem Gerd erstmals 1995 in der Bar des Mannheimer Hotels Maritim näher kam, hätte demnach noch fünf. Doch vielleicht kommt es ja diesmal anders. Große Liebe schwört Schröder ihr angeblich nach jedem Telefonat und zeigt sich in der Öffentlichkeit gern turtelnd. Und sein "Dörchen" beteuert: "Wir sind eine glückliche Familie."</P><P> </P>

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