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Georg Anastasiadis.

In anderen Sphären

Kommentar: Die Kanzlerin in der Flüchtlingskrise

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München - „Der Herrgott hat uns diese Aufgabe jetzt auf den Tisch gelegt“, sprach die Kanzlerin, den Münchner Kardinal Marx zitierend, bevor sie im Flieger Richtung Indien entschwand. Georg Anastasiadis' Kommentar zu Angela Merkels Flüchtlingspolitik.

Ob es nun der liebe Gott war, der Deutschland die Flüchtlingskatastrophe beschert hat, oder nicht doch eine Abfolge höchst irdischer politischer Fehler – darüber lohnt in der säkularen Demokratie kein Streit. Sehr wohl darf freilich vom Führungspersonal der Republik erwartet werden, dass sie nicht (nur) gottesfürchtig auf das Himmelreich auf Erden wartet. Sondern die Dinge ordnend in die Hand nimmt. Und da mutet das fast schon trotzige (Nicht-)Handeln der Kanzlerin befremdlich an angesichts immer neuer Hiobsbotschaften von der Flüchtlingsfront: Von 1,5 Millionen Zuwanderern allein heuer ist nun schon die Rede, von wachsender Gewalt in den Unterbringungseinrichtungen und von Städten und Gemeinden am Rande des Kollaps.

Schneller als gedacht droht die Kanzlerin von ihren eigenen Worten eingeholt zu werden. Ihr Diktum, das deutsche Asylrecht kenne keine Obergrenze, ist (wegen der dadurch ausgelösten Sogwirkung) in der Sache töricht und darüber hinaus zutiefst unpolitisch: Über allem steht bei uns noch immer die Aufrechterhaltung der staatlichen Ordnung. Und die ist, wenn man die verzweifelten Klagen der Gemeinden vernimmt und, hört, hört, den neuesten Reden führender SPD-Politiker lauscht, bereits bedroht.

Bestimmt hat Frau Merkel in Indien wichtige Regierungsgeschäfte zu erledigen. Doch was könnte wichtiger sein, als daheim Tag und Nacht an der Bewältigung der Fluchtkatastrophe zu arbeiten? Um die Kanzlerin wird es einsam, während sie scheinbar unbeirrt voranschreitet auf ihrem Weg. Sie ist lange genug im Geschäft, um zu wissen: Jedes Eingeständnis eines Fehlers könnte jetzt ihren Untergang heraufbeschwören. Doch selbst die Zuerkennung des Friedensnobelpreises am Freitag würde das zerrissene Band zu ihrem Wahlvolk nicht mehr heil machen. Und manche in der Union stellen sich schon halblaut die Frage, ob der – immerhin lernfähige – Innenminister Thomas de Maizière nicht der bessere Manager zur Lösung der Flüchtlingskrise wäre als eine in anderen Sphären schwebende Kanzlerin.

Sie erreichen den Autor unter Georg.Anastasiadis@merkur.de

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