Gibt die Richtung vor: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (li.) und Bundeskanzlerin Angela Merkel.
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Gibt die Richtung vor: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (li.) und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

K-Frage bei CSU und CDU

Merkel-Nachfolge: Söder als Kanzlerkandidat? Polit-Experten sehen Hürden - „Jemand aus Bayern ...“

  • Patrick Mayer
    vonPatrick Mayer
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Wird Bayerns Ministerpräsident Markus Söder Kanzlerkandidat der Union und damit möglicher Nachfolger von Angela Merkel (CDU)? Zwei Politikwissenschaftler liefern eine Einschätzung.

München - Franz-Josef Strauß ist einst krachend gescheitert. Edmund Stoiber ebenfalls. Immer dann, wenn die Union aus CDU und CSU auf einen Kanzlerkandidaten aus Bayern gesetzt hat, hat sie ihr Ziel klar verfehlt: das Kanzleramt in Berlin, respektive Bonn (unter Strauß).

Besagter Strauß, bayerischer Ministerpräsident von 1978 bis `88, gilt als großes Vorbild von Markus Söder, Regierungschef in der Münchner Staatskanzlei seit 2018 - und für viele politische Beobachter der potenzielle Kanzlerkandidat der Union für die Bundestagswahl 2021. Führt am 53-jährigen Franken kein Weg vorbei? Als Nachfolger von Kanzlerin Angela Merkel? Ist die K-Frage zwischen CSU und CDU, zwischen München und Berlin quasi schon entschieden?

Markus Söder als Kanzlerkandidat von CSU und CDU? Riesen-Hürden für Bayerns Ministerpräsident

Nein, sagen zwei bekannte deutsche Politikwissenschaftler im Gespräch mit Merkur.de - und sehen Riesen-Hürden. Wegen Söder selbst, der nun in der Talkshow „Maischberger“ eigene Ambitionen verneinte: „Man ist als bayerischer Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender ausbefördert - normalerweise. Mein Platz ist in Bayern, und da bleibt er auch.“ Und vor allem wegen der Schwesterpartei.

„Er traut es sich zu, ganz klar. Er weiß aber: Die Menschen in Deutschland außerhalb Bayerns fremdeln mit einem bayerischen Kanzlerkandidaten. Auch ein Teil der CDU fremdelt damit. Armin Laschet (Ministerpräsident von NRW, d. Red.) ist zudem der Vorsitzende des stärksten Landesverbandes, wenn es um die Wahl des Parteivorsitzenden und damit um die Vorwahl des Kanzlerkandidaten geht“, erklärt Prof. Dr. Oskar Niedermayer, Politik-Professor im Ruhestand, der jahrelang an der Freien Universität Berlin forschte und lehrte.

Kanzlerkandidat von CDU und CSU: Markus Söder, Armin Laschet und Friedrich gelten als Kandidaten

Neben Söder und Laschet gilt Friedrich Merz gemeinhin als aussichtsreicher Kandidat. Niedermayer glaubt indes, dass viele Bayern ihren Regierungschef gar nicht gen Berlin ziehen lassen wollen.

„Wenn man sich die Umfragen anschaut, zeigt sich: Die Bayern selbst sagen, dass Markus Söder ganz hervorragend zum Bundeskanzler geeignet wäre, sie wollen ihn aber behalten“, sagt der 68-Jährige und meint: „Söder weiß deshalb, welche Probleme die CSU bei der nächsten bayerischen Landtagswahl ohne ihn als Spitzenkandidaten hätte. Nach einer möglichen Niederlage gegen Grün-Rot-Rot bei der Bundestagswahl würde er zudem als Verlierer nach Bayern zurückkehren. Das wäre eine Schlappe für die CSU.“

Prof. Dr. Gabriele Abels von der Eberhard Karls Universität Tübingen sieht es ähnlich. „Die Union hat in der Vergangenheit mit bayerischen Kanzlerkandidaten keine guten Erfahrungen gemacht. Es gibt Vorbehalte in der CDU, jemanden aus der CSU nach vorne zu pushen“, sagt die Politikwissenschaftlerin im Gespräch mit Merkur.de.

Markus Söder aus Bayern: Könnte er auch Deutschland als Bundeskanzler vertreten?

Ihrer Meinung nach spielt auch die Mentalität eine Rolle, „dass die Bayern etwa stärker konservativ eingeschätzt werden. Zudem pocht die CSU immer wieder auf bayerische Sonderinteressen. Söder müsste erstmal unter Beweis stellen, dass er nicht nur für Bayern agieren kann, sondern auch für bundesdeutsche Interessen eintreten kann“, erklärt Abels.

Sie zieht einen Vergleich: „In der Politik von Bundesinnenminister Horst Seehofer (Vorgänger von Söder in Bayern, d. Red.) hat man in den vergangenen Jahren diesen Weitblick immer wieder vermisst. Deswegen gibt es Vorbehalte gegen jemanden aus Bayern.“

Abels geht noch einen Schritt weiter, sagt: „Gäbe es aktuell nicht das Corona-Krisenmanagement, würden sie innerhalb der Union über einen möglichen Kanzlerkandidaten aus den Reihen der CSU nicht mal reden.“

Geht es nach Niedermayer, geht Söder das Risiko einer innerparteilichen Schlappe oder eines nur knappen Sieges bei der Bundestagswahl 2021 oder gar einer unerwarteten Pleite deutschlandweit erst gar nicht ein.

CSU-Ministerpräsident aus Bayern: Will Markus Söder überhaupt Bundeskanzler werden?

Niedermayer: „Ich kann mir nicht vorstellen, warum Markus Söder seine extrem sichere Position in Bayern für eine unsichere Kanzlerkandidatur im Bund aufgeben sollte.“ Gäste bei „Maischberger. Die Woche“ versprechen hitzige Diskussionen. (pm) *Merkur.de ist Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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