Porträts der Kanzlerkandidaten 2021: Armin Laschet, Annalena Baerbock, Olaf Scholz (Fotomontage)
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Kanzlerkandidaten 2021: Armin Laschet, Annalena Baerbock, Olaf Scholz (v.l.n.r.) (Fotomontage)

Bundestagswahl im September

Kanzlerkandidaten 2021: Wer sind Laschet, Baerbock und Scholz?

  • Cindy Boden
    vonCindy Boden
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Armin Laschet, Annalena Baerbock und Olaf Scholz: Sie wollen als Kanzlerkandidaten 2021 die Nachfolge von Angela Merkel antreten. Ein Kandidaten-Überblick.

Berlin - Kann sie oder er Kanzler:in? Nach 16 Jahren Angela Merkel (CDU) im Kanzleramt stellt sich diese Frage im Superwahljahr 2021 besonders laut. Denn die Amtsinhaberin verschwindet aus dem deutschen Regierungssitz, jemand Neues soll einziehen und die Regierungsgeschäfte Deutschlands leiten. Es ist daher ein besonderer Bundestagswahlkampf - bei dem sogar drei Parteien einen Kanzlerkandidaten in den Ring schicken: CDU/CSU, SPD und Grüne. Für die Grünen ist das eine Premiere.

Die Entscheidungen über den richtigen Kanzlerkandidaten 2021 haben die Bündnisse mit unterschiedlich viel medialem Krach vollzogen. Die SPD wollte besonders früh dran sein, schon im August 2020 wurde Olaf Scholz nominiert. Die Kanzlerkandidatin für die Grünen, Annalena Baerbock, bestimmten die beiden Parteivorsitzenden ohne viel Aufsehen um den Auswahlprozess Mitte April. Ganz anders bei der Union: Armin Laschet und Markus Söder lieferten sich zur gleichen Zeit ein hartes Machtduell - die Konflikte in CDU und CSU waren offen sichtbar.

Doch am Ende standen sie fest, die drei Machtwilligen: Laschet, Baerbock und Scholz. Ins Wahljahr starteten sie noch als Ministerpräsident, Parteivorsitzende und Vizekanzler. Drei Lebensläufe mit ganz unterschiedlichen politischen Erfahrungen.

Kanzlerkandidat 2021: Armin Laschet will weiter für die Union das Kanzleramt steuern

Armin Laschet (CDU), Kanzlerkandidat der Union

Armin Laschet bewies schon oft in seinem Leben Ausdauer und Zähigkeit. Vor allem in seinem Streit mit Markus Söder um die Position als Kanzlerkandidat für die Bundestagswahl 2021 musste der CDU-Politiker einiges einstecken: Parteigenossen, die nicht ihren eigenen Chef präferierten, haufenweise Sticheleien und das Absprechen seiner Fähigkeit, das Kanzleramt verteidigen zu können. Doch von außen betrachtet schien das an ihm abzuprallen. Statt auf Umfragewerte zu schauen (die zur Zeit seiner Ernennung sehr schlecht waren), versuchte er es mit dem Verweis auf seine inhaltlichen Stärken. Wie er als glühender Europäer den Kontinent nach Corona wieder fit machen will. Wie er Standpunkte versöhnen will.

Laschet festigte seinen Ruf als Stehaufmännchen. Bei der Landtagswahl in NRW 2017 löste er überraschend das rot-grüne Kabinett unter Hannelore Kraft (SPD) ab. Er leitet seitdem weitgehend geräuschlos in Düsseldorf eine schwarz-gelbe Koalition mit hauchdünner Mehrheit. Seine Erfahrung als Ministerpräsident im bevölkerungsreichsten Bundesland Deutschlands mit sehr unterschiedlichen Konfliktlinien führen Anhänger und er gern ins Feld auf die Frage, ob er das Zeug zum Kanzler hat.

1994 bis 1998 saß Laschet im Deutschen Bundestag, 1999 bis 2005 war er Mitglied im Europäischen Parlament. Seit 2010 hat er einen Platz im Landtag von Nordrhein-Westfalen. In seinem Heimatbundesland fungierte er auch schon als Minister für die Themen Familie, Frauen und Integration sowie zeitweise auch für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien. Anfang 2021 setzte er sich auf einem Online-Parteitag der CDU gegen Friedrich Merz und Norbert Röttgen als Parteichef durch.

Geburtsdatum und Geburtsort18. Februar 1961 in Aachen
FamilienlebenVerheiratet, drei Kinder
StudiumRechts- und Staatswissenschaften

Laschet wird gern als „Weiter so“-Kandidat nach Merkel gesehen. Er selbst betont lieber, dass es ein „Weiter so“ nicht geben darf. Aber er richtet sich nach dem Motto „Maß und Mitte“ aus. Vom Stil her, sagen Kenner, würde er im Kanzleramt mehr lenken als führen. Mit dem Polarisieren hat er es nicht so.

Kanzlerkandidat 2021: Annalena Baerbock will als erste grüne Kanzlerin Deutschland voranbringen

Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin der Grünen

Annalena Baerbock hat für die Grünen alle Stricke in der Hand. Sie setzte sich gegen ihren Kollegen Robert Habeck durch und plant nun, die Grünen als Kanzlerkandidatin an die Macht zu führen. Am Anfang ihrer Kandidatur nahm sie eine ordentliche Portion Schwung aus einer Partei mit, die mit Umfragewerten prahlen konnte und mit nie dagewesener Geschlossenheit glänzte. Baerbock, die gern angriffslustig auftritt und mit Detailwissen überzeugt, musste sich jedoch von Anfang an anhören, dass es ihr an Regierungserfahrung mangele. Ihr Konter: „Ich trete an für Erneuerung. Für den Status quo stehen andere.“ Außerdem setzt sie sehr auf den Teamgedanken, etwa im Zusammenspiel mit Kollege Habeck im Spitzenduo.

Der Klimaschutz ist ihr Thema - und natürlich das ihrer Partei. Seit 2018 ist sie Bundesvorsitzende der Grünen, seit 2013 sitzt sie als Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Zuvor war sie 2005 bis 2008 Büroleiterin einer Europaabgeordneten in Brüssel und 2008 bis 2009 Referentin für Außen- und Sicherheitspolitik der Bundestagsfraktion der Grünen.

Geburtsdatum und Geburtsort15. Dezember 1980 in Hannover
Familienlebenverheiratet, zwei Kinder
StudiumPolitikwissenschaft und Völkerrecht

Baerbock steht unter den drei Kanzlerkandidaten für Aufbruch. Sie scheint vor allem mehr junge Wähler begeistern zu können, auch weil sie rund 20 Jahre jünger als ihre Kontrahenten ist. Bei den Grünen ist sie eine „Realo“-Politikerin, die womöglich, je nach Ausgang der Wahl, wieder aufbrechende Flügelkämpfe unter Kontrolle bringen muss. Ihr wird nachgesagt, sehr akribisch zu arbeiten, bei Auftritten wirkt sie gut vorbereitet. In der Partei ist sie gut vernetzt.

Kanzlerkandidat 2021: Olaf Scholz will die SPD nach 16 Jahren zurück an die Regierungsspitze führen

Olaf Scholz, Kanzlerkandidat der SPD

Olaf Scholz ist zwar nicht SPD-Parteivorsitzender geworden, geht nun aber als Kanzlerkandidat 2021 für die Sozialdemokraten zur Bundestagswahl ins Rennen. Dabei kann er zwar auf viele Jahre voll politischer Erfahrungen zurückblicken, doch die nützen ihm für das Kanzleramt wenig, wenn seine Partei nicht stärkste Kraft wird. Rund um Ostern, als die Kontrahenten von Scholz nominiert wurden, blickte die SPD bei ihren Umfragewerten in einen tiefen Abgrund.

Wie Vorhaben im Bundestag ablaufen, weiß Scholz mittlerweile sehr genau: Der Politiker war 1998 bis 2001 und 2002 bis 2011 Mitglied des deutschen Parlaments. Zwischendurch wirkte er ein paar Monate als Innsenator in Hamburg. 2007 bis 2009 hatte Scholz das Amt als Bundesminister für Arbeit und Soziales inne, bevor er 2011 bis 2018 als Erster Bürgermeister nach Hamburg zurückging. Anschließend wechselte er erneut in den Bund und ist seitdem Finanzminister. Zudem agiert er in seiner Funktion als Vizekanzler.

Geburtsdatum und Geburtsort 14. Juni 1958 in Osnabrück
Familienlebenverheiratet
StudiumRechtswissenschaften

Scholz‘ Auftreten ist das eines ruhigen Menschen, der sich aber auch an große Ankündigungen wagt. In Erinnerung bleibt etwa die „Bazooka“- Formulierung für sein versprochenes Corona-Hilfsprogramm. Seine Parteivorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans stehen innerhalb der Partei deutlich linker als er. Seine Herausforderung ist es, das Wahlprogramm der SPD mit seiner Person zu verkörpern.

Bundestagswahl 2021: Welcher Kanzlerkandidat kann die Bewerber-Endung nach der Wahl streichen?

Die Bundestagswahl am 26. September könnte die derzeitigen Kräfteverhältnisse im Parlament ordentlich durcheinanderwürfeln. Dazu lesen Sie hier bei Merkur.de immer die aktuellen Umfragen zur Bundestagswahl. Spannend wird, in welcher Koalition Deutschland weiter regiert wird, denn auch davon hängt am Ende ab, welcher Kanzlerkandidat die Möglichkeit bekommt, mehrere Jahre die Geschicke Deutschlands zu bestimmen. (cibo)

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