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Münchner Kardinal Marx überrascht: Priester sollen heiraten dürfen - „wäre besser für alle“

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Von: Felix Durach

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Kardinal Reinhard Marx spricht auf einer Pressekonferenz in München.
Kardinal Reinhard Marx hat sich für eine Abschaffung des Pflichtzölibats ausgesprochen. © Sven Hoppe/AFP

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat sich in einem Interview für eine verstärkte Diskussion über die Abschaffung des Pflichtzölibats ausgesprochen.

München - Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat sich in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung (Donnerstagsausgabe) für die Abschaffung des Pflichtzölibats in der katholischen Kirche ausgesprochen. „Es wäre besser für alle, die Möglichkeit für zölibatäre und verheiratete Priester zu schaffen“, sagte er. Der Erzbischof von München und Freising fordert auch mit Blick auf die Missbrauchsskandale, welche innerhalb der katholischen Kirche in den letzten Jahren für Entsetzen sorgten und zum Teil regelrechten Austritts-Wellen ausgelöst hatten, ein Umdenken.

Kardinal Marx über das Zölibat: Kirche erhält Rechnung für selbst erzeugte Verklemmungen

Auch wenn der 68-Jährige pauschal keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Zölibat und den Fällen von sexuellem Missbrauch in der Kirche sieht, bezeichnete er gerade die Lebensform von jungen Priestern als „prekär“. „Bei manchen Priestern wäre es besser, sie wären verheiratet. Nicht nur aus sexuellen Gründen, sondern weil es für ihr Leben besser wäre und sie nicht einsam wären. Diese Diskussionen müssen wir führen“, so Marx. Er sagte weiter: „Alleine zu leben, ist nicht so einfach. Wir haben Pfarrhäuser, die eigentlich für mehrere Leute gedacht waren. Und da wohnt jetzt einer alleine, das ist nicht gut“, führt Marx aus.

Diese Lebensform würde nach Ansicht des Kardinals dann auch Menschen anziehen, die nicht geeignet und sexuell unreif seien. „Die Sexualmoral hat viele Verklemmungen erzeugt“, so Marx über die Umstände in der katholischen Kirche weiter. Und für diese Verklemmungen bekomme man nun eine Rechnung, die sich über Generationen angehäuft habe.

Marx über das Pflichtzölibat: „Wie es jetzt ist, kann es nicht weitergehen“

Auch wenn Marx eine Abschaffung des Zölibats an sich ablehnt, fordert der 68-Jährige jungen Priestern in Zukunft selbst die Wahl zu überlassen, ob diese zölibatär oder verheiratet leben wollen. „Der Zölibat ist eine mögliche Lebensform in der Nachfolge Christi. Aber ob man das für jeden Priester als Grundvoraussetzung nehmen soll, da mache ich doch ein Fragezeichen“, erklärt Marx seine Position.

Auf die Frage, ob er denn für eine Abschaffung des Pflichtzölibats sei, entgegnete der Kardinal: „Ich denke, so wie es jetzt ist, kann es nicht weitergehen. Es ist falsch, die Möglichkeit, den Zölibat zu leben, einfach auf den Einzelnen abzuladen.“ Marx fordert in Zukunft also eine verstärkte Diskussion über genau diese Themen: das Pflichtzölibat und die Wahlmöglichkeiten von jungen Priesteranwärtern. (fd)

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