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Großes Medieninteresse: Kardinal Reinhard Marx reagiert auf den Papst-Rücktritt.

„Wir dürfen als Bayern dankbar sein"

Marx: "Vater-Sohn-Beziehung" zum Papst

München - Kardinal Marx hat der Rücktritt von Papst Benedikt XVI. persönlich schwer getroffen. Sie verband eine "Vater-Sohn-Beziehung". Jetzt bereitet er sich auf seine erste Papst-Wahl vor.

Auch Kardinal Reinhard Marx hat die Nachricht aus dem Vatikan gestern unerwartet erreicht. Er sei gerade anlässlich des Welttages der Kranken in Altötting gewesen, als er vom Rücktritt des Papstes erfuhr. „Das war für mich außerordentlich bewegend und berührend“, sagte Marx am Nachmittag bei einer spontan einberufenen Pressekonferenz im Palais Holnstein an der Münchner Kardinal-Faulhaber-Straße. „Ich bin doch überrascht“, sagte er. Obwohl der Papst in seinen Büchern bereits angedeutet habe, dass er sich einen Rücktritt vorstellen könne, wenn ihm die Kraft für sein Amt fehle.

Der Rücktritt sei „ein mutiger Schritt“, den sich der Papst sicher gut überlegt habe. „Es ist ein großer Einschnitt auch in der Kirchengeschichte.“ Die Begründung des Papstes für seinen Rücktritt sei zu respektieren, sagte Marx. „Auch wenn ich es sehr bedaure.“

Ihn verbinde eine „fast freundschaftliche Beziehung – eine Vater-Sohn-Beziehung in gewisser Weise“ mit Papst Benedikt XVI., sagte der Kardinal. „Wir dürfen als Bayern dankbar sein für seine große, starke, theologisch geprägte geistliche Lebensleistung – gerade auch in den letzten acht Jahren.“

Die wichtigsten Antworten zum Papst-Rücktritt

Marx betonte die große Ausstrahlung von Papst Benedikt XVI. „Sein theologisches Profil war weiter stark da, nicht nur in Deutschland, auch in der Weltkirche.“ Es sei aber noch „zu früh, ein gesamtes Pontifikat zu würdigen“.

Er glaube nicht, dass sich der Papst bei seiner Entscheidung von aktuellen Turbulenzen der katholischen Kirche habe beeinflussen lassen. „Seine geistliche Gelassenheit spricht dafür, dass er sich nicht von aktuellen Stürmen aus der Bahn werfen lässt“, sagte Marx. „Das Schifflein Petri ist immer auf stürmischer See und braucht zu allen Zeiten eine starke Führung.“

Die wichtigsten Antworten zum Papst-Rücktritt

Marx wünschte dem Papst, dass sein Wunsch erfüllt werde, „im Gebet und im theologischen Nachdenken noch einige Jahre Dienst für die Kirche zu tun“. Die Kirche in Bayern bleibe natürlich auch nach dem Rücktritt eng mit ihm verbunden. „Wir beten für ihn und ich möchte auch alle Gläubigen bitten, für den Papst und für einen guten Nachfolger für Benedikt XVI. zu beten.“

Auf die Frage, ob er sich den Papst als ganz normalen Rentner in Bayern vorstellen könne, antwortete Marx mit einer Gegenfrage: „Können Sie sich das vorstellen? Schwerlich. Das gilt nicht nur für den Papst, sondern auch für andere Menschen, die im Mittelpunkt gestanden haben.“

Marx, der im November 2010 zum Kardinal ernannt wurde, darf nun erstmals einen Papst wählen. Es sei noch zu früh, um sich darüber Gedanken zu machen, sagte er. „Die beste Vorbereitung auf alles ist immer das Gebet.“

Von Philipp Vetter

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