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Kardinal Reinhard Marx

Verdient Kirche an Flüchtlingskrise?

Kardinal Marx weist Miet-Vorwürfe zurück: "Völliger Unsinn"

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Freising - Mit deutlichen Worten hat sich der Münchner Kardinal Reinhard Marx gegen Vorwürfe gewehrt, die Kirche verdiene an der Flüchtlingskrise.

Zum Abschluss der Herbstvollversammlung der katholischen Bischöfe in Bayern hat sich Kardinal Reinhard Marx mit deutlichen Worten gegen den Vorwurf gewehrt, die Kirche verdiene an den Flüchtlingen. „Das ist abenteuerlich“, sagte er am Donnerstag in Freising, wo die bayerischen Bischöfe drei Tage darüber berieten, wie die Kirche weiterhin in der Flüchtlingskrise helfen kann.

Das Erzbistum München und Freising war in die Kritik geraten, weil es sich die Kosten für die Unterbringung von Flüchtlingen in ihren Einrichtungenweitgehend von den Kommunen erstatten lässt. „Sie glauben doch nicht, dass das an Mieteinnahmen wieder reinkommt, was wir für die Flüchtlingshilfe an Millionen aufbringen. Das ist doch völliger Unsinn“, sagte Marx. Auch der Leiter des Katholischen Büros Bayern, Prälat Lorenz Wolf, wehrte sich gegen den Vorwurf: „Wenn man den Querschnitt anschaut, sind die Kirchenstiftungen bemüht gewesen, das anständig zu regeln und nicht einen Reibach zu machen.“

Zehn Prozent unter der ortsüblichen Miete

Dennoch erließ das Erzbistum in der Folge eine sogenannte Ausführungsbestimmung, mit der die Vermietpraxis vereinheitlicht wurde. Die Miete soll künftig zehn Prozent unter der ortsüblichen Höhe liegen und ein Großteil der Einnahmen für die Flüchtlingsarbeit verwendet werden. Über diese Regelung hat Marx mit den anderen Bischöfen gesprochen. Sie könnte bald auch in den übrigen bayerischen Bistümern gelten. „Ich habe die Empfehlung an die Stiftungen weitergegeben und das werden auch die Bischöfe in ihren Bistümern tun“, sagte Marx. Diese neue Regelung sei auch mit dem Stiftungszweck vereinbar – denn das Geld bleibe in der Pfarrei.

"Die Miete dient der Barmherzigkeit"

Weil die kirchlichen Stiftungen in der Regel zweckgebunden sind, könne man die Unterkünfte nicht einfach kostenlos zur Verfügung stellen, sagte Marx weiter. Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) hatte zuvor mit dem Satz „Barmherzigkeit braucht keine Miete“ an die Kirchen appelliert, keine oder eine geringere Miete für Grundstücke und Gebäude für Flüchtlinge zu verlangen. Diese Forderung finde er „nicht in Ordnung“, sagte Marx und konterte mit dem Satz: „Die Miete dient der Barmherzigkeit.“ Weil das Geld für die Flüchtlingsarbeit eingesetzt werde. „Wenn wir auf die Miete verzichten, kommt das ja nicht automatisch den Flüchtlingen zu Gute, sondern erst einmal den Landkreisen.“

Marx betonte aber auch, dass Immobilien nicht das Hauptthema der Kirche seien – sondern die Integration von Flüchtlingen. „Wir sind nicht Immobilienvertreter, wir wollen Menschen helfen und sie begleiten.“ Das geht auch aus der Abschlusserklärung der Freisinger Bischofskonferenz hervor. Die Bischöfe danken darin den zahlreichen ehrenamtlichen Helfern und bitten darum, weiter engagiert zu bleiben. Gleichzeitig wollen auch die Diözesen ihr Engagement weiter intensivieren.

"Lasst uns sachlich diskutieren"

Mit Sorge beobachte man aber, wie sich die öffentliche Diskussion zunehmend polarisiert. Die Gesellschaft brauche eine „differenzierte und ehrliche Debatte“ über Integration, aber auch darüber, wie viele Menschen in Deutschland aufgenommen werden können. Dafür, so Marx, müssten aber „alle Verantwortlichen zusammenstehen“ und zudem „verbal herunterfahren“. Während die Bischöfe in Freising tagten, hatten 45 katholische Ordensleute aus Bayern in einem offenen Brief an Horst Seehofer (CSU) die Rhetorik der Staatsregierung kritisiert. Der Brief sei in der Bischofskonferenz kein Thema gewesen, sagte Marx. Er appellierte aber an alle Beteiligten: „Lasst uns sachlich diskutieren.“

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