Abgeordnete stand im Lobby-Kreuzfeuer

CDU-Politikerin Strenz mit 53 Jahren auf Rückflug aus Kuba gestorben - Todesursache erst „in Wochen“ bekannt?

  • Florian Naumann
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Die CDU-Abgeordnete Karin Strenz ist laut einem Medienbericht überraschend verstorben - auf einem Rückflug aus Kuba. Strenz war Protagonistin in einem Lobby-Eklat.

Update vom 23. März, 11.30 Uhr: Mit einem Rechtshilfeersuchen will die Staatsanwaltschaft genauere Informationen zum plötzlichen Tod der 53-jährigen CDU-Politikerin Karin Strenz erhalten - bislang ist die genaue Todesursache von Strenz wohl noch unklar. Doch belastbare Erkenntnisse könnten offenbar noch einige Zeit auf sich warten lassen.

„Wir müssen aber den formellen Weg einhalten“, sagte ein Sprecher der Schweriner Staatsanwaltschaft am Dienstag. Dieser laufe über das Schweriner Justizministerium und das Bundesamt für Justiz in Berlin zum irischen Justizministerium. Deshalb sei mit einem Ergebnis erst in einigen Wochen zu rechnen.

Ein Problem dabei sei, dass Irland nicht allen europäischen Vereinbarungen beigetreten sei. Somit könne man nicht - wie in vielen anderen EU-Ländern - eine europäische Ermittlungsanordnung stellen, die unverzüglich ausgeführt werden würde. Die Staatsanwaltschaft rechnet damit, dass es eine Obduktion der Toten in Irland gibt.

Update vom 22. März, 14.00 Uhr: Die CDU-Abgeordnete Karin Strenz ist offenbar tatsächlich privat auf Kuba gewesen. Nachdem der Bundestag mitgeteilt hatte, dass die Politikerin nicht im Rahmen einer Dienstreise nach Kuba geflogen sei, gab nun auch die CDU/CSU-Fraktion bekannt, dass es sich um keine Fraktionsreise gehandelt habe. Neben vielen Parteifreunden bekundete auch Unionsfraktionchef Ralph Brinkhaus sein Beileid: „Der plötzliche Tod unserer Kollegin Karin Strenz trifft uns alle sehr. Unser tiefes Mitgefühl gilt in diesen schweren Stunden ihrer Familie.“

Tod von CDU-Politikerin Karin Strenz: Staatsanwalt schaltet sich ein

Update vom 22. März, 12.30 Uhr: Nach dem Tod der mecklenburgischen CDU-Bundestagsabgeordneten Karin Strenz will die Schweriner Staatsanwaltschaft die genauen Umstände über ein Rechtshilfeersuchen an Irland klären. Wie ein Sprecher der Schweriner Behörde am Montag der dpa sagte, wurde ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Nach den bisher vorliegenden Informationen sei die genaue Todesursache bei der 53-Jährigen noch unklar.

„Wir gehen davon aus, dass es dann eine Obduktion der Toten in Irland gibt“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Mit dem in solchen Fällen üblichen Todesermittlungsverfahren und dem Ersuchen wolle man an die nötigen Informationen aus Irland kommen.

CDU-Politikerin Karin Strenz tot - Abgeordnete war zuletzt privat auf Kuba

Update vom 22. März, 10.15 Uhr: Die überraschend verstorbene CDU-Politikerin Karin Strenz war mit ihrem Mann nicht im Auftrag des Bundestages, sondern privat auf Kuba. Ein Parlamentssprecher erklärte der dpa, es habe sich nicht um eine Dienstreise gehandelt. Die Todesursache ist indes noch nicht geklärt.

Die langjährige Bundestagsabgeordnete stand zuletzt im Fokus von Korruptionsermittlungen. Bereits im Januar 2020 wurde die Immunität der CDU-Politikerin aufgehoben. Am selben Tag durchsuchte die Staatsanwaltschaft Frankfurt die Privatwohnung und das Abgeordnetenbüro von Strenz sowie eines CSU-Politikers. Insgesamt wurden 16 Wohnungen in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Bayern und Belgien.

Die Vorwürfe: Laut der Staatsanwaltschaft Frankfurt sollen rund vier Millionen Euro zwischen 2008 und 2016 über britische Briefkastenfirmen und baltische Konten geflossen sein. Strenz soll als Mitglied der Parlamentarierversammlung des Europarats in Straßburg Bestechungsgelder in Höhe von mindestens 22.000 Euro von einer pro-aserbaidschanischen Lobbygruppe angenommen haben. Wie abgewordnetenwatch.de berichtete, hatte Strenz zwischen 2014 und 2015 einen Beratervertrag mit der Firma Line M-Trade. Diese wurde vom ehemaligen CSU-Staatssekretär Eduard Lintner gegründet, um „Gelder aus Aserbaidschan nach Deutschland zu transferieren, um Aktivitäten zu finanzieren.“

2017 war bekannt geworden, dass Strenz zwei Zahlungen in Höhe von 10.000 Euro von der Beraterfirma erhalten hat. Die CDU-Politikerin nannte nie den Grund für die Zahlungen. Besonders auffällig jedoch war ihr Einsatz für Aserbaidschan. Im Juni 2015 stimmte die CDU-Politikerin als einzige deutsche Abgeordnete im Europarat gegen die Forderung, politische Gefangene in Aserbaidschan freizulassen. Darüber hinaus war Strenz für den Europarat als Wahlbeobachter in dem autoritär regierten Staat im Einsatz. Die Berichte der CDU-Politikerin fielen dabei überraschend positiv aus.

Mittlerweile hat die Generalstaatsanwaltschaft München die Ermittlungen übernommen. Neben Strenz steht auch noch ihre Fraktionskollege Axel E. Fischer unter Korruptionsverdacht im Fall Aserbaidschan.

CDU-Politikerin Strenz mit 53 Jahren überraschend gestorben - Notlandung auf Rückflug aus Kuba

Erstmeldung vom 21. März, 22.25 Uhr: Dublin/München - Die CDU-Politikerin Karin Strenz ist im Alter von nur 53 Jahren überraschend verstorben. Die Bundestagsabgeordnete habe auf einem Flug von Kuba Richtung Deutschland das Bewusstsein verloren.

Bei einer Notfall-Zwischenlandung in der irischen Hauptstadt Dublin habe Strenz‘ Leben nicht mehr gerettet werden können. Die Hintergründe der Reise sind noch unklar. Der Sprecher der CDU*-Landesgruppe Mecklenburg-Vorpommern, Eckhardt Rehberg, bestätigte der dpa den Tod seiner Parteifreundin. Strenz sei mit ihrem Mann unterwegs gewesen. Rehberg zeigte sich tief betroffen und bestürzt. 

Karin Strenz: CDU-Politikerin offenbar mit nur 53 Jahren gestorben - Abgeordnete war Teil der Aserbaidschan-Affäre

Strenz stand zuletzt wieder heftig in der Kritik. Gegen die Politikerin aus Mecklenburg-Vorpommern war vom Bundestag 2019 eine Geldstrafe verhängt worden, weil sie als Mitglied der Parlamentarierversammlung des Europarats in einen Skandal um Bestechungsgelder aus Aserbaidschan verwickelt war. Im Zuge der Masken-Affäre und weiterer Verwicklungen von CDU-Politikern in mutmaßliche Geldflüsse aus dem vorderasiatischen Land rückte auch Strenz wieder in den Fokus der Öffentlichkeit.

Strenz blieb trotz der Vorwürfe Mitglied des Bundestags, bei der anstehenden Wahl im September wollte sie aber nicht mehr kandidieren. Die CDU-Politikerin war seit 2009 Mitglied des Bundestags. Bei den Wahlen 2009, 2013 und 2017 gewann sie jeweils eines der sechs Direktmandate in Mecklenburg-Vorpommern. Von 2002 bis 2006 sowie von 2007 bis 2009 war sie Landtagsabgeordnete im Nordosten. Im Bundestag saß sie zuletzt unter anderem im Verteidigungsausschuss. (fn mit Material von AFP und dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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