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„Das ist nicht sein Wunderwerk“: CSU attackiert Lauterbach - FDP warnt vor globalem Impf-Problem

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Von: Florian Naumann

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Deutscher Bundestag 233. Sitzung Plenum und Debatte Aktuell, 10.06.2021, Berlin, Jens Spahn der Bundesminister fuer Gesu
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Wer hat‘s bestellt? Die CSU wirft Karl Lauterbach „unseriöse“ Impf-Kommunikation vor. Die FDP sieht es ganz anders - und warnt auf Anfrage von Merkur.de vor einem Impf-Problem.

Berlin/München - Minister Karl Lauterbach (SPD) hat bereits Entwarnung gegeben. Doch so ganz sicher ist sich Deutschland immer noch nicht, wie der zwischenzeitliche Impfstoffalarm aus dem Gesundheitsressort zu bewerten ist - zumal am Freitag weitere Zweifel an den Corona-Planungen von Vorgänger Jens Spahn (CDU) laut wurden.

Auf Anfrage von Merkur.de sahen Gesundheitsexperten von FDP und CSU die Impfstoff-Ausgangslage für Lauterbach sehr unterschiedlich: Der Münchner CSU-Abgeordnete Stephan Pilsinger warf Lauterbach vor, die Bevölkerung unnötig verunsichert zu haben. Zugleich eröffnen sich weitere Fragen rund um die deutsche Impfkampagne. Etwa, ob eine Impfpflicht angesichts einer prekären Infrastruktur überhaupt sinnvoll scheint. Oder auch, inwieweit große Nachorderungen von Vakzin-Dosen den Impf-Fortschritt in anderen Teilen der Welt behindern. Das Entstehen der Omikron-Variante in Südafrika hatte zuletzt auch auf diese Problematik ein Schlaglicht geworfen.

Impf-Streit: CSU attackiert Lauterbach - „Bevölkerung völlig unnötigerweise verunsichert“

Pilsinger verteidigte jedenfalls Spahns Wirken - und rügte Lauterbachs Kommunikation als „unseriös“. Lauterbach habe die Bevölkerung „völlig unnötigerweise“ verunsichert, sagte der Bundestagsabgeordnete am Freitag (17. Dezember) Merkur.de. „Seriös wäre es gewesen zu sagen, dass in Deutschland aktuell 58,3 Millionen Erwachsene zwei Mal geimpft sind. Davon sind - Stand heute - 24,2 Millionen Menschen geboostert. Das sind immerhin 41,51 Prozent!“ Für die noch nicht drittgeimpften Personen stünden in den nächsten vier bis sechs Wochen noch einmal gut 34 Millionen Auffrisch-Dosen zur Verfügung. „Genug für alle“, konstatierte Pilsinger. 

Die aktuellen hohen Zahlen an Boosterimpfungen seien „nicht das Wunderwerk von Herrn Lauterbach, sondern nur möglich durch vorausschauende Planungen und Impfbestellungen“, betonte der CSU-Politiker. Vorgenommen habe die aber Spahn - ebenso wie die Sicherstellung eine Option über auf eine Verdoppelung der Biontech-Lieferungen in 2022. Angesichts von 160 Millionen Impfdosen allein des deutschen Unternehmens sollte Lauterbach „dankbar sein, dass er auf diesem guten Bestand weiterarbeiten kann“.

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FDP-Gesundheitsexperte Andrew Ullmann beurteilte die Lage anders. „Offenbar hat Jens Spahn nicht damit gerechnet, dass wir als Ampel-Koalition ein solch immenses Tempo bei den Boosterimpfungen umsetzen können“, sagte er Merkur.de. Es gehe darum, den Bedarf in den Praxen zu bedienen, nicht darum „theoretisch in einer Excel-Tabelle genügend Impfstoff“ zu haben.

Dafür könnte weitere Schritte nötig sein, ließ Ullmann durchblicken. „Ich bin sehr optimistisch, dass unser Gesundheitsminister Karl Lauterbach eine starke Impfkampagne organisieren kann. Ich hoffe zudem, dass er ausreichend Impfstoffe nachbestellen kann“, sagte der Liberale. Lauterbach hatte am Donnerstag betont, im ersten Quartal 2022 stehe zu wenig und teils auch zu spät Impfstoff zu Verfügung. Der SPD-Minister will Lieferungen vorziehen und weitere 12 Millionen Dosen beschaffen.

Karl Lauterbach am Donnerstag in der Bundespressekonferenz.
Karl Lauterbach am Donnerstag in der Bundespressekonferenz. © Bernd von Jutrczenka/dpa

Auch Pilsinger räumte zugleich ein, Lauterbachs Impfkurs sei „grundsätzlich“ korrekt. Bis zur Zulassung eines angepassten Impfstoffs müsse man sich auf die vorhandenen Mittel konzentrieren. Lauterbach solle „den Weg seines Vorgängers Spahn fortsetzen“ und eine vorausschauende Einkaufspolitik betreiben, lautete der etwas anders gewendete, aber im Kern gleichlautende Ratschlag des CSU-Politikers. Das gelte etwa mit Blick auf später zugelassene Impfstoffe und Medikamente.

Corona-Impfstoff: FDP-Politiker verteidigt Vorgehen - warnt aber vor Fehler: „Neue und möglicherweise tödlichere Varianten“

Ullmann, der bereits seit Monaten vor Impfstoffmangel in anderen Teilen der Welt warnt, sah zugleich kein Problem für die globale Impfkampagne durch die deutschen Nachbestellungen - vorerst jedenfalls. „Bei Biontech handelt es sich um eine Tranche, die nicht zustande gekommen wäre. Das gilt auch bei Lieferungen anderer Hersteller“, sagte er Merkur.de. Es dürfe aber auch weiterhin ärmeren Ländern kein Impfstoff weggekauft werden. „Klar ist: Wenn Covax Impfdosen weggenommen werden, dann wird unsere Exit-Strategie aus der Krise torpediert.“ Damit würde man „neue und möglicherweise noch tödlichere Varianten provozieren“.

Generell sei es aber möglich zu boostern und zugleich höhere Impfquoten in ärmeren Ländern zu erreichen. „Derzeit bestehen zwar noch großen Differenzen zwischen den Impfturbo-Ländern und den Schlusslichtern im Impfranking. Es steht aber außer Frage, dass wir diese Differenzen schnellstmöglich überwinden werden“, sagte Ullmann. „Dazu müssen wir alle Kräfte bündeln, Produktionskapazitäten ausbauen und die globale COVID-19-Impfkampagne Covax stärken.“ Nötig sei aber auch eine funktionierende Infrastruktur für die Verimpfung der Vakzine in den betroffenen Ländern. „Das ist ein gewaltiges Problem“, warnte der Infektiologe.

Pilsinger richtete den Blick unterdessen kritisch auf die Ampel-Koalition - und erteilte einen Seitenhieb auf die Debatte um den Nachtragshaushalt der Bundesregierung. SPD, Grüne und FDP sollten für die nötigen Impfstoff-Bestellungen „ordentlich Geld aus dem Corona-Sonderfonds nehmen“, forderte er. Das sei besser, als auf verfassungsrechtlich unzulässigem Wege „Milliarden Euro für linksgelbe Weihnachtswünsche auszugeben, die mit der Corona-Krise nichts zu tun haben“. (fn)

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