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Lauterbach wird Gesundheitsminister: Überwältigende Zustimmung folgt - Merz düpiert

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Von: Patrick Mayer

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Neuer Gesundheitsminister Deutschlands: Karl Lauterbach (SPD, re.), hier neben dem künftigen Kanzler Olaf Scholz.
Neuer Gesundheitsminister Deutschlands: Karl Lauterbach (SPD, re.), hier neben dem künftigen Kanzler Olaf Scholz. © Michael Kappeler/dpa

SPD-Mann Karl Lauterbach wird in der Ampel-Bundesregierung neuer Gesundheitsminister. Bei Twitter überschlagen sich die Gratulanten für den Corona-Experten. Es gibt aber auch Kritik.

München/Berlin - Karl Lauterbach ist offensichtlich am Ziel seiner beruflichen Träume angelangt. Der Corona-Experte der SPD wird neuer Bundesgesundheitsminister Deutschlands. Das gab der designierte Kanzler Olaf Scholz (SPD) an diesem Montag (6. Dezember) bekannt, als die Sozialdemokraten in Berlin ihre sieben Minister (vier Frauen, drei Männer) vorstellten.

Karl Lauterbach (SPD) wird Gesundheitsminister: Paukenschlag in Ampel-Bundesregierung

„Nikolaus ist, wenn Wünsche erfüllt werden. Ihr wolltet ihn - ihr kriegt ihn. Gesundheitsminister Karl Lauterbach!“, schrieb der künftige SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert bei Twitter. Vorgänger Lars Klingbeil meinte im Gespräch mit WELT live: „Wir waren uns diesbezüglich schon seit längerem einig. Aber den entscheidenden Anruf, den hat Karl Lauterbach erst gestern bekommen.“

Damit lange nicht genug. Binnen kurzer Zeit häuften sich bei Social Media, in journalistischen Beiträgen und in Interviews die Reaktionen zur Auswahl Lauterbachs. Es gab vor allem viel Gratulation. Aber auch vereinzelt Kritik. Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister aus der Merkel-Regierung, Jens Spahn (CDU), gratulierte dem Rheinländer bei Twitter „zu dieser wichtigen und schwierigen, doch auch sehr schönen Aufgabe. Ich wünsche Ihnen dabei viel Erfolg und eine glückliche Hand. Denn es geht um unser Land“, schrieb Spahn in einem Posting mit Verweis auf die vierte Welle der Coronavirus-Pandemie.

Karl Lauterbach wird Ampel-Gesundheitsminister: Markus Söder (CSU) und Jens Spahn (CDU) gratulieren

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach über denselben Kanal von einer „guten Wahl“ und erwartete eine „gute Zusammenarbeit in ernsten Zeiten“. Der Kandidat für den CDU-Parteivorsitz, Norbert Röttgen, bescheinigte Lauterbach ein „unglaubliches Vertrauen in der Gesellschaft“ und, dass er sich mit dem Ministerposten nun „belohnt“ habe.

Die prominente Satire-Sendung „heute show“ des öffentlich-rechtlichen Senders ZDF kommentierte bei Twitter: „Ein Minister, der Ahnung von seinem Ressort hat? Jetzt dreht die Politik völlig durch!“

Im Video: SPD-Mann Karl Lauterbach dabei - Das sind die Minister der Ampel-Koalition

Kritisch bewertete dagegen der geschäftsführender Redakteur der Neuen Zürcher Zeitung in Deutschland, Jonas Hermann, die Entscheidung der SPD um Regierungschef Scholz. „Kein ernstzunehmender Kandidat griff nach dem Gesundheitsministerium. Schließlich bekam es Lauterbach, was wohl vor allem seiner Popularität geschuldet ist“, schrieb Hermann in einem journalistischen Kommentar für die Schweizer Tageszeitung. Dietmar Bartsch, Co-Vorsitzender der Linksfraktion im Deutschen Bundestag, meinte bei Social Media: „2019 wollte Karl Lauterbach jede zweite Klinik schließen. Sicher hat der neue Bundesgesundheitsminister in der Pandemie dazugelernt. Krankenhäuser sollen zuallererst Menschen gesund machen, nicht Profite.“

Regelrecht düpiert wurde durch den Entschluss dagegen CDU-Mann Friedrich Merz, der sich ebenfalls um den Vorsitz seiner Partei bewirbt. Am 3. Dezember hatte der konservative Politiker noch getwittert: „Bei der Ampel spielt Kompetenz offenbar fast keine Rolle mehr, nur noch Geschlecht. Man kann von Karl #Lauterbach halten, was man will. Aber dass er als Gesicht der SPD-Gesundheitspolitik nicht Minister wird, nur weil er nicht Karoline heißt, ist absurd.“

Jetzt wurde es also doch Karl Lauterbach. Kühnert reagierte nun auf Merz‘ Seitenhieb mit einem schlichten: „Düdüm“. Merkur.de fasst erste Reaktionen zum neuen Gesundheitsminister zusammen - aus der Politik und aus der Twitter-Community:

Karl Lauterbach (SPD) wird Gesundheitsminister der Ampel: Viel Lob bei Twitter

Jens Spahn (CDU), Vorgänger als Bundesgesundheitsminister

„Lieber Karl Lauterbach, herzlichen Glückwunsch zu dieser wichtigen und schwierigen, doch auch sehr schönen Aufgabe. Ich wünsche Ihnen dabei viel Erfolg und eine glückliche Hand. Denn es geht um unser Land. Die Bewältigung dieser Pandemie bleibt eine Gemeinschaftsaufgabe.“

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident Bayerns

„Das ist eine gute Wahl. Gratuliere Karl Lauterbach. Freue mich auf gute Zusammenarbeit in ernsten Zeiten. PS: Schade, dass in der gesamten Bundesregierung kein einziger bayerischer Bundesminister oder bayerische Bundesministerin ist.“

Norbert Röttgen, Kandidat für den CDU-Parteivorsitz

„Karl Lauterbach hat sich aus seiner Persönlichkeit, seinem Intellekt & Engagement heraus ein unglaubliches Vertrauen in der Gesellschaft erarbeitet. Ich freue mich für ihn, dass das belohnt wird und wünsche ihm bei seiner neuen Aufgabe als Gesundheitsminister viel Erfolg!“

ZDF heute-show (Satire) bei Twitter

„Lauterbach soll neuer Gesundheitsminister werden. Ein Minister, der Ahnung von seinem Ressort hat? Jetzt dreht die Politik völlig durch!“

extra3, ARD-Satire-Sendung bei Twitter

„+++ Eil +++ Hauptberuflicher Talkshow-Gast Karl Lauterbach nimmt Nebenjob als Bundesgesundheitsminister an!“

Journalist Jonas Hermann, Kommentar für Neue Zürcher Zeitung (Deutschland)

„Karl Lauterbach ist als Gesundheitsminister die falsche Wahl. Kein ernstzunehmender Kandidat griff nach dem Gesundheitsministerium. Schliesslich bekam es Lauterbach, was wohl vor allem seiner Popularität geschuldet ist. Für das Amt fehlt ihm aber nicht nur die Erfahrung, sondern auch der richtige Ton.“

(pm)

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