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„Das dürfte kein Geheimnis sein“: Warum Lauterbach der bessere Gesundheitsminister wäre

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Von: Patrick Mayer

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Gesundheitsminister und Gesundheitsexperte: Jens Spahn (CDU, li.) und Karl Lauterbach (SPD).
Gesundheitsminister und Gesundheitsexperte: Jens Spahn (CDU, li.) und Karl Lauterbach (SPD). © IMAGO / photothek

Twitter-User wünschen sich Karl Lauterbach (SPD) in der Coronavirus-Pandemie in Deutschland als Gesundheitsminister - anstelle von Jens Spahn. Warum das Sinn machen würde und was dagegen spricht. Eine subjektive Analyse.

München/Berlin - Krisenmanager, damit kennen sie sich aus bei der SPD. Im Februar 1962 suchte eine schlimme Sturmflut die Hansestadt Hamburg heim. Innensenator Helmut Schmidt übernahm die Einsatzleitung. Ohne die Sturmflut wäre er vielleicht nie Bundeskanzler (1974 - 1982) geworden, erklärte Schmidt einmal.

Karl Lauterbach als Nachfolger von Jens Spahn? Forderungen werden in der Corona-Pandemie laut

Viele Jahre früher, am 9. September 1948, hielt Oberbürgermeister Ernst Reuter während der Spaltung Berlins durch die Besatzungsmächte eine viel beachtete Rede: „Völker der Welt: Schaut auf diese Stadt!“ Es folgte die sogenannte Luftbrücke.

Jetzt hat Deutschland wieder eine Krise: die Coronavirus-Pandemie. Und wieder gibt es Stimmen, die einen SPD-Politiker als zentralen Problemlöser fordern: Karl Lauterbach. Nicht nur auf Twitter werden Rufe laut, der Sozialdemokrat solle anstelle von Jens Spahn (CDU) Bundesgesundheitsminister werden, um die Republik durch die dritte Corona-Welle zu lotsen. Lauterbach hat sich mit zahlreichen Corona-Vorhersagen Respekt verschafft.

Corona/Bundesgesundheitsminister: Jens Spahn bringt Karl Lauterbach selbst ins Spiel

Die Diskussionen gehen so weit, dass Spahn im Beisein von Lauterbach bei einer Pressekonferenz in Berlin (19. März) gefragt wurde, ob nicht der 58-jährige Kölner der bessere Ressortleiter wäre. Der 40-Jährige antwortete: „Wir arbeiten seit Jahren zusammen. Wir wussten bei der Regierungsbildung nicht, wie es kommt. Wer weiß, vielleicht wird er ja noch Gesundheitsminister.“

Warum es Lauterbach werden sollte. Weshalb es ganz einfach wäre. Was (und wer) aber dagegen spricht:

Karl Lauterbach: Wieso der SPD-Mann der bessere Gesundheitsminister als Jens Spahn wäre

Gesundheitsminister Karl Lauterbach unter Kanzlerin Angela Merkel? Wie schnell das gehen könnte

„Ein Minister ist ein Staatsdiener mit eintägiger Kündigungsfrist“, sagte einst Georg Leber, noch ein SPD-Politiker. Der Hesse war zwischen Mitte der 1960er und Ende der 1970er Bundesminister in drei Ressorts. Und machte sich keine Illusionen darüber, wie schnell er seinen Job los sein kann.

Bundesminister können, müssen aber noch nicht mal Mitglied des Bundestages sein. Fachleute sind gefragt. Seit 2005 ist Lauterbach Abgeordneter im Parlament, seit Jahren Berater der Bundesregierung. Er kennt die Abläufe. Lauterbach wäre in jeder Hinsicht startklar.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach? Eine Hürde namens Angela Merkel

Es gibt aber eine Hürde - namens: Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin schlägt dem Bundespräsidenten die Bestellung und Abberufung der Bundesminister vor. Der Bundespräsident muss dem Vorschlag nachkommen. In Artikel 64 des Grundgesetzes heißt es: „Die Bundesminister werden auf Vorschlag des Bundeskanzlers vom Bundespräsidenten ernannt und entlassen.“

Aber: Merkel will Spahn offensichtlich nicht entlassen. Trotz lautstarker Kritik steht sie zu ihrem Gesundheitsminister, mit dem sie in der Krise besser zusammenarbeiten konnte als viele vor ihrer vierten Amtszeit als Kanzlerin wohl gedacht hätten. Alles andere würde unnötige Unruhe verursachen - zumal im Wahljahr. Auch CSU-Chef Markus Söder hat sich mit Forderungen nach einer Kabinettsumbildung schon die Zähne ausgebissen.

In ihrer bald 16-jährigen Amtszeit entließ Merkel erst einen Minister: Norbert Röttgen 2012 (CDU, damals Umweltminister). In der sogenannten Flüchtlingskrise 2015/16 hielt die heute 66-jährige Regierungschefin dagegen lange zum seinerzeit umstrittenen Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU).

Und: Die Union (CDU/CSU) steckt vor der Bundestagswahl 2021 im Umfragetief. Und so passiert wohl das, was Lauterbach stets ablehnt: parteipolitische Interessen überwiegen. (pm)

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