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Der Schattenmann: Karl-Theodor zu Guttenberg ist wieder da, aber nur im Hintergrund.

Figur wieder beim Singspiel am Nockherberg dabei

Karl-Theodor zu Guttenberg: Will er wieder an die Macht?

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München - Karl-Theodor zu Guttenberg ist zurück. Hinter den Kulissen nähert er sich wieder der CSU an. Will er wieder an die Macht? Die Zeit der Entscheidung rückt näher.

Der Herr, von dem manche denken, er bade gern lau, landete neulich im kalten Wasser. Eiskalt sogar. Bei einer einwöchigen Antarktis-Expedition mit einem befreundeten Google-Manager vor rund zwei Wochen wagte Karl-Theodor zu Guttenberg den Sprung ins Eiswasser. Es ist eine Mutprobe, ein Ritual für Reisende in dieser Region. Guttenberg trug eine leichte Erkältung davon, jedenfalls eine heisere Stimme. Man weiß das, weil Guttenberg aus der Antarktis via New York nach München flog, um dort im Umfeld der Sicherheitskonferenz ein paar Termine zu absolvieren. Hinter verschlossenen Türen schilderte er die eisige Erfahrung.

Guttenberg ist derzeit so etwas wie das Ungeheuer von Loch Ness in der bayerischen Politik. Regelmäßig behaupten glaubwürdige Menschen, sie hätten ihn gesichtet. Doch wirklich in Erscheinung tritt er nicht. Der neue Guttenberg ist der Gegenentwurf zum alten: Früher ließ er keine Kamera, kaum eine Fernsehshow aus. Heute beantwortet er Interviewanfragen nicht einmal. Bei Auftritten macht er zur Bedingung, dass keine Journalisten dabei sind. Einmal wollte sich die Reporterin einer Boulevardzeitung einschleichen – wurde aber enttarnt und aufgehalten. Trotzdem wird inzwischen wieder viel Notiz von ihm genommen. Nicht zuletzt, weil ihn Horst Seehofer regelmäßig ins Spiel bringt. Das geht so weit, dass die Figur Guttenberg am Mittwoch Abend auch erstmals seit Jahren wieder im Singspiel des Nockherbergs auftaucht – nur das Originial im Publikum fehlt.

Karl-Theodor zu Guttenberg: Plant er ein Comeback bei der CSU?

Was treibt Guttenberg an? Plant er ein Comeback? Menschen, die ihn gut kennen, behaupten, er sei hin- und hergerissen. Hier die Wunden seines Abgangs wegen eines erschummelten Doktortitels, dort das politische Gen, das man offenbar nie los wird. Er wolle sich beide Optionen offen halten, heißt es. Der erste Comeback-Versuch 2011 mit dem nicht gerade von Demut geprägten Interview-Buch „Vorerst gescheitert“ schlug gründlich fehl. Später erlaubte Guttenberg noch dem „Spiegel“, ihn im neuen Leben als Investor und Berater von Internetfirmen zu begleiten. Die These: „Er jettet gern ohne Krawatte um die Welt, dafür wieder mit der alten Hybris.“

Heutzutage pflege der Verteidigungsminister a. D. bei seinen Auftritten gerne ein wenig Selbstironie einzustreuen, heißt es unter Konservativen, die ihn ein paar Mal erlebt haben. Etwa das Scherzchen, dass in seinen Vorträgen irgendwann der Begriff „Fußnoten“ fällt – „sie wissen, damit muss ich aufpassen“. So selbstkritisch, dass er je seine Dissertation seriös nachgeholt hätte, war Guttenberg aber nie. Wohlmeinende Parteifreunde hatten stets vermutet, er werde eines Tages promoviert aus Connecticut zurückkehren, womöglich an der örtlichen Elite-Uni Yale. Stattdessen gründete Guttenberg mit einem Bekannten von der Hanns-Seidel-Stiftung die Beratungsfirma „Spitzberg Partners“ mit Sitz im schicken Herzen Manhattans. Auch deshalb redet er nun am liebsten über Startups und den gewinnbringenden Einsatz von Venture Capital. Nur wenn es um die Rückkehr in die Politik geht, wird er einsilbig.

Dafür redet ein anderer darüber: Seehofer. Seit Monaten lässt er keine Gelegenheit aus, den Ex-Minister ins Spiel zu bringen. In Moskau orakelte der Ministerpräsident vor drei Wochen, er werde Guttenberg auf seine zweite Russland-Reise im Herbst mitnehmen. Bereits im Vorfeld des umstrittenen Staatsbesuchs hatte er beim Außenpolitischen Club der CSU mit Guttenberg über Außenpolitik diskutiert. Außer dem „Bayernkurier“ war keine Presse zugelassen. „Das Transatlantische Bündnis pflegen und zeitgleich einen Neuanfang der Beziehungen mit Russland starten“, lautete der Rat des amerikanisierten 44-Jährigen mit offenem Hemd und Drei-Tage-Bart.

Karl-Theodor zu Guttenberg soll Wahlkämpfe der CSU vorbereiten

Man habe in der Partei nicht viele mit einem solchen Kaliber, sagt der CSU-Chef gerne. In seinem Umfeld heißt es, es gebe regelmäßigen, aber nicht sehr häufigen Telefonkontakt. Guttenberg soll – anders als Markus Söder oder Ilse Aigner – als Gast auch jenem Strategiegremium angehören, das ab kommender Woche die anstehenden Wahlkämpfe vorbereitet.

Auch zu Politikern der jüngeren CSU-Generation hält Guttenberg Kontakt. Am Rande der Sicherheitskonferenz trat er erneut bei Manfred Webers Netzwerk „Neufahrner Kreis“ in einem Schlosshotel in Niederbayern auf, erkennbar Jetlag-geschädigt und heiser. Und im Fürstensalon des „Bayerischen Hofs“ in München sprach er beim kleinen „Aktionskreis für Wirtschaft, Politik und Wissenschaft“. Ehrenamtlich.

Bei einem der Termine bekam er übrigens als Geschenk eine DVD-Box von AC/DC geschenkt, unter anderem mit dem Video des Auftritts im Zirkus Krone 2003. Guttenberg dankte mit strahlenden Augen. Mit dabei der Hit: „It’s a Long Way to the Top“. Das gilt auch für Rückkehrer.

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