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Karl-Theodor zu Guttenberg stürzte 2011 über seine plagiierte Promotion.

Kein Polit-Comeback

Guttenberg ist Seehofers äußerstes Mittel, um Söder eins auszuwischen

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München - Mal wieder streut Seehofer seine Sehnsucht nach Ex-Minister Karl-Theodor zu Guttenberg. Der lässt ihn diesmal aber abblitzen.

Wer die Nachrichten über Karl-Theodor zu Guttenberg verstehen will, sollte etwas ganz Banales wissen: Horst Seehofer hat sich vergangene Woche zweimal richtig geärgert, und zwar wie so oft über seinen Finanzminister. Erst kündigte Markus Söder einen USA-Stammtisch an, eine verdeckte Kritik an Seehofers Russland-Nähe. Dann forderte Söder ein Sondertreffen der Vorstände von CDU und CSU, eine Einmischung in Seehofers Aufgaben. Man möchte meinen, all das sei nicht rasend wichtig – aber diese Woche schlägt der Parteichef zurück.

In einem Zeitungsgespräch und in TV-Statements orakelt er über eine Rückkehr des über seine Plagiatsaffäre gefallenen Ex-Ministers Guttenberg. Seehofer könne sich vorstellen, so wird gezielt gestreut, ihm frühzeitig den Parteivorsitz zu übergeben und ihn zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2017 zu machen. Die eigentliche Botschaft darin hat nichts mit dem adeligen Oberfranken zu tun, sondern mit Söder: Seehofer ist jeder recht, um seinen Finanzminister vom weiteren Aufstieg abzuhalten.

Seehofers Ziel: Möglichst viele Kronprinzen auf gleicher Höhe untereinander

Söder liegt in den meisten Umfragen vorn, nur nicht in Seehofers Gunst. Seit drei Jahren startet der Parteivorsitzende allerlei Versuche, andere CSUler aufzubauen. Aus Berlin kehrte Ilse Aigner nach München heim. Aus Brüssel rückte Manfred Weber mit Seehofers Hilfe zum CSU-Vize auf. Auch lobte der Parteichef mit Inbrunst die Minister Alexander Dobrindt und Joachim Herrmann hoch. Seehofers Ziel: Möglichst viele Kronprinzen auf gleicher Höhe untereinander, keiner zu weit oben. Eine Gefahr für Söders Ambitionen auf Ministerpräsidentenamt und Parteivorsitz wurden sie aber alle nicht. Guttenberg (44) ins Spiel zu bringen, ist immer Seehofers äußerstes Mittel, um dem Rivalen Söder (49) eins auszuwischen.

Medial funktioniert das gut, Seehofer hat es ja schon oft ausprobiert. Das Muster ist immer gleich: Er deutet etwas an, relativiert dann stets, noch nicht mit dem Duzfreund Karl-Theodor geredet zu haben. „Ohne, dass wir auch nur andeutungsweise über Kandidaturen gesprochen haben“, sagt er auch jetzt. Diesmal allerdings durchkreuzt Guttenberg selbst die Gedanken. In einer E-Mail an die „SZ“ dementiert der Ex-Minister. Er sei in den USA mit seiner Firma voll ausgelastet. „Unabhängig davon würden die berechtigten Gründe für meinen Rücktritt sowie mein lausiger Umgang damit eine Rückkehr nicht rechtfertigen.“

"Vielleicht hätte der Horst vorher fragen sollen"

Lausig? In der Partei dürften viele ihrem Ex-Minister recht geben. Guttenberg schielte viel zu früh, unreflektiert und ohne nachgeholte Promotion auf eine Rückkehr – und scheiterte. Eine Rehabilitation gelang ihm in Bayern nie. Eine Mehrheit auf einem Parteitag gegen Söder ist derzeit undenkbar. Wenngleich das Duell des Schlossherrn gegen den Handwerkersohn ein großes Spektakel wäre. Dass Seehofer nun in der Zeitung lesen muss, dass sein angeblicher Favorit Guttenberg gar keine Lust hat, alle paar Wochen ins Spiel gebracht zu werden, ist freilich ebenfalls unangenehm. „Vielleicht hätte der Horst vorher fragen sollen“, witzelt ein Minister.

Guttenberg erschien am Montag auch nicht zur ersten Sitzung der Strategierunde, die Seehofer in der Parteizentrale einberufen hatte, um die Wahljahre 2017/18 vorzubereiten. Weltbewegendes verhandelt wurde dort auch nicht. Man einigte sich darauf, die Direktkandidaten in den Wahlkreisen noch 2016 aufzustellen, die Listenkandidaten erst 2017 – ein bewährter Zeitplan. Das heißt auch: Bis dahin ist noch viel Zeit, um Guttenberg wieder und wieder hervorzuzaubern – und wieder verschwinden zu lassen.  

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