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Der frühere afghanische Präsident Hamid Karzai bewertet den Nato-Einsatz in seinem Land negativ. Foto: Subel Bhandari

Karsai wertet Nato-Kampfeinsatz in Afghanistan als Misserfolg

Kabul (dpa) - Der Nato-Kampfeinsatz in Afghanistan mit Tausenden Toten ist nach Einschätzung des früheren Präsidenten Hamid Karsai ein Misserfolg gewesen.

Er trauere mit den Familien der Opfer, sagte Karsai in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa und der ARD in Kabul. "Aber ob diese Opfer für eine (gute) Sache waren, ob wir gewonnen haben, ob wir Ergebnisse gesehen haben - ich bin anderer Ansicht."

Zwar bewerte er den internationalen Kampfeinsatz "negativ", für die zivile Hilfe sei er aber sehr dankbar, sagte Karsai. Der heute 57-Jährige war nach dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 bis zum vergangenen September Staats- und Regierungschef Afghanistans.

Die USA und die Nato seien nach Afghanistan gekommen, um Terrorismus, Extremismus und Radikalismus zu bekämpfen, sagte Karsai. Sie hätten ihr Ziel verfehlt. "Radikalismus ist nicht verschwunden, er hat zugenommen. Es gibt mehr Probleme auf der Welt wegen Radikalismus als je zuvor in der Menschheitsgeschichte. Es gibt mehr Probleme in der Region wegen Radikalismus."

Inzwischen stelle nicht nur das Terrornetz Al-Kaida, sondern auch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) eine Bedrohung dar, sagte der Ex-Präsident. "Welche Fehler, welche Politik haben dazu geführt? Das sind alles Fragen, auf die die Amerikaner und der Westen eine Antwort geben müssen."

Die Nato hat ihren Kampfeinsatz in Afghanistan Ende 2014 nach 13 Jahren beendet. Mit der Folgemission "Resolute Support" sollen afghanische Sicherheitskräfte ausgebildet werden. US-Spezialkräfte bekämpfen allerdings auch weiterhin gezielt Terroristen. Karsai sagte, er unterstütze, dass ausländische Soldaten die afghanischen Sicherheitskräfte trainierten. "Aber ich unterstütze nicht, dass sie militärische Operationen innerhalb Afghanistans durchführen."

Karsai schloss eine Rückkehr als Präsident aus. "Ich habe meine Zeit abgeleistet", sagte er. "Wir sollten nicht in der Geschichte steckenbleiben. Ich bin Geschichte."

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