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Konflikt in Kaschmir: Muslime demonstrieren für den Erhalt des Sonderstatus der Region.

Eskalation mit Pakistan

Kaschmir-Konflikt: In Indien kommt es zu Gefechten zwischen Regierungstruppen und Aufständischen

Der Kaschmir-Konflikt zwischen Indien und Pakistan eskaliert. Indien hat den Sonderstatus der Region aufgehoben. Nun gibt es erste Gefechte mit Aufständischen. 

  • Indien hat den Sonderstatus Kaschmirs eigenmächtig aufgehoben. 
  • Jetzt kommt es im indischen Teil Kaschmirs zu bewaffneten Auseinandersetzung mit Aufständischen. 

Update vom 21. August 2019: Erstmals nach dem Entzug des Autonomiestatus ist es im indischen Teil Kaschmirs zu Gefechten zwischen Aufständischen und Regierungstruppen gekommen. Ein mutmaßlicher Rebell und ein Polizist seien bei der Schießerei im Distrikt Baramulla gestorben, teilte ein Polizeisprecher am Mittwoch mit. Demnach stießen Sicherheitskräfte am späten Dienstag bei einem Sucheinsatz auf Aufständische. Vor Ort gefundenes Material deutete darauf hin, dass der tote Rebell zur pakistanischen Islamistengruppe Lashkar-e-Taiba gehört habe, hieß es.

Kaschmir-Konflikt: Indien will Kaschmirs Sonderstatus aufheben - Proteste und hunderte Festnahmen

Update vom 8. August 2019: Der indische Premierminister äußerte sich zur Aberkennung des Sonderstatus der indischen Kaschmir-Region. Narendra Modi verteidigte die Aufhebung des Autonomiestatus der Region  Jammu und Kaschmir mit der Begründung, es würde der Bevölkerung des Himalaya-Gebietes wirtschaftliche Entwicklung und Frieden bringen, wie die Deutsche Presse-Agentur mitteilte. Zudem erklärte der Premier, dass der bisherige Sonderstatus lediglich Separatismus, Terrorismus, Vetternwirtschaft und Korruption gefördert habe. 

Derzeit kontrollieren Zehntausende Soldaten die Kaschmir-Region und verhindern unter anderem Proteste gegen den Beschluss der Regierung in Neu-Delhi. In dem Himalaya-Gebiet gilt mittlerweile eine Ausgangssperre. Zudem sind Internet und Telefon seit Sonntagabend gesperrt. Aktivisten berichten von Hunderten Festnahmen von Lokalpolitikern und Separatistenführern und deren Helfern durch das indische Militär.

Indien will Kaschmirs Sonderstatus aufheben - Pakistan droht mit „Optionen“

Update vom 5. August 2019: Mit der Aufhebung des Sonderstatus der Region Jammu und Kaschmir in Indien, zieht die Regierung in Neu-Delhi die Empörung der pakistanischen Regierung in Islamabad auf sich. Die indische Regierung will die mehrheitlich von Muslimen bewohnte Region stärker in das mehrheitlich hinduistische Land integrieren. 

Der indische Innenminister Amit Shah sagte am Montag vor dem Parlament, dass der entsprechende Artikel 370 der indischen Verfassung gestrichen werde. Die Anordnung solle „sofort“ in Kraft treten, hieß es. Sie könnte zu neuen Spannungen führen. Pakistan stufte das Vorgehen als illegal ein. „Pakistan wird als Partei dieses internationalen Streits alle möglichen Optionen ausüben, um den illegalen Schritten entgegenzuwirken“, erklärte das pakistanische Außenministerium. 

Der per Dekret gestrichene Artikel 370 der indischen Verfassung garantierte dem indischen Teil Kaschmirs bisher unter anderem eine eigene Verfassung, eine eigenen Flagge und weitgehende Kompetenzen mit Ausnahme der Außen- und Verteidigungspolitik sowie der Telekommunikation. Nicht-Kaschmirern war es bislang verboten, permanent in der Region zu leben, Land zu kaufen oder für die Verwaltung zu arbeiten.

Touristen fliehen aus Kaschmir - nach Terrorwarnung herrscht Chaos an den Flughäfen

Erstmeldung vom 4. August 2019: Kaschmir - Der seit 1947 schwelende Konflikt zwischen Indien und Pakistan um das Grenzgebiet Kaschmir erreicht eine neue Spitze der Eskalationsstufe. Die indische Armee soll im Neelum-Tal, ein Teil Kaschmirs im pakistanischen Hoheitsgebiet Streumunition gegen unschuldige Zivilisten eingesetzt haben, erklärte die pakistanische Armee am Samstag. Kurz darauf wurde im indischen Teil Kaschmirs eine Terrorwarnung ausgerufen. Touristen und Anwohner flüchten derzeit in Massen aus der bedrohten Region. 

Die Regierung des Bundesstaates Jammu und Kaschmir in Indien hatte am Freitagabend Urlauber und Pilger aufgerufen, Kaschmir „umgehend“ zu verlassen. Es gebe neue Geheimdiensthinweise auf „Terrorgefahren“ für eine größere hinduistische Pilgerversammlung in der Region, hieß es zu Begründung. In einer weiteren Mitteilung wurde auch hunderten Studenten aus anderen indischen Bundesstaaten zur Ausreise geraten. Deutschland und Großbritannien haben Reisewarnungen für Jammu und Kaschmir ausgegeben. 

Kaschmir-Konflikt eskaliert: Touristen fliehen - Chaos an den Flughäfen

Verzweifelt versuchen jetzt zahlreiche Menschen, darunter vor allem Touristen, Pilger und Studenten, Plätze in Flugzeugen oder Bussen zu ergattern, um Kaschmir zu verlassen. Auf den Flughafen von Srinagar strömten am Samstag scharenweise Menschen die schnell ausreisen wollten. Die meisten hatten allerdings kein gültiges Flugticket. 

„Passagiere, die eigentlich erst in den kommenden Tagen abreisen sollten, sind in Panik zum Flughafen gekommen“, sagte der Manager einer Fluggesellschaft, die Flüge von Srinagar in die indische Hauptstadt Neu Delhi anbietet. „Es ist chaotisch und nicht viele werden Sitze ergattern, wenn es keine zusätzlichen Flüge gibt.“ Auch vor Tankstellen, Supermärkten und Geldautomaten in Kaschmir bildeten sich lange Schlangen.

Zeitgleich reisen seit Samstag tausende indische Soldaten ein - zur Unterstützung des bereits bestehenden Militäraufgebots im Grenzgebiet. 

Kaschmir-Konflikt treibt Touristen in die Flucht: Nach Angriff mit Streumunition - Kind getötet

Pakistan hat am Samstag Indien beschuldigt Streumunition gegen Zivilisten einzusetzen. Bei einem Einsatz in der Nacht zum Mittwoch seien im pakistanischen Teil Kaschmirs zwei Menschen, darunter ein vierjähriger Junge getötet worden. Elf weitere Menschen seien bei dem Angriff durch die indische Armee schwer verletzt worden. 

Die Truppen im indischen Teil von Kaschmir werden verstärkt.

Streumunition verteilt beim Einsatz viele kleinere Sprengsätze über größere Flächen. Was nicht explodiert, bleibt als Blindgänger liegen und kann noch Jahre später Menschen in Fetzen reißen, wenn es längst keine Kampfhandlungen mehr in dem Gebiet gibt.

Kaschmir-Konflikt: Indien, Pakistan und China erheben Ansprüche 

Das Neelum-Tal liegt entlang der sogenannten Kontrolllinie, der faktischen Grenze zwischen Indien und Pakistan. Der Konflikt besteht, seitdem die indische Kolonie Großbritanniens im Jahr 1947 unabhängig wurde. Im Zuge dieser Unabhängigkeit wurde die Kolonie in Indien und Pakistan geteilt. Seitdem besteht der Konflikt um die Herrschaft über das Himalaya-Gebiet. Auch die Volksrepublik China erhebt Anspruch auf Teile des Gebiets. 

Indien verdächtigt Pakistan, islamistische Kämpfer im indischen Teil Kaschmirs zu unterstützen. Die pakistanische Regierung in Islambad bestreitet dies. 

Kaschmir-Konflikt: Die jüngste Eskalation

Im Februar ist in Kaschmir beben Bussen mit 2500 indischen Sicherheitskräften ein mit Hunderten Kilogramm Sprengstoff beladener Wagen explodiert. Der Bombenanschlag forderte mindestens 40 Menschenleben. Ende Februar attackierte die indische Luftwaffe Islamistenlager in Pakistan, nachdem Pakistan zwei indische Kampfflugzeuge abgeschossen hatte. Pakistan argumentierte, die Flugzeuge hätten sich im pakistanischen Luftraum bewegt. Indien behauptete, Pakistan habe mit dem Angriff den indischen Luftraum verletzt. 

nai/dpa

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