+
Mit Spannung wird erwartet, ob der Start der Terminservicestellen klappt. Es gibt Befürchtungen, dass die 17 Kassenärztlichen Vereinigungen den Service vollkommen unterschiedlich handhaben. Foto: Michael Reichel/Archiv

Patientenschutz-Stiftung: 

Kassenärzte setzen Terminservice nur halbherzig um

Berlin - Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hat den Kassenärztlichen Vereinigungen vorgeworfen, die Vergabestellen für Facharzttermine mehr schlecht als recht umgesetzt zu haben.

"In den Terminservicestellen der Kassenärzte geht es bundesweit drunter und drüber", sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur. Das hätten aktuelle Recherchen der Stiftung in allen Bundesländern wenige Tage vor dem Start der Servicestellen an diesem Montag ergeben.

Ganz offensichtlich kommt die Kassenärztliche Bundesvereinigung ihrer Steuerungsfunktion für die regionalen Ärzteverbände nicht nach. Sie müsse nun aber "Ordnung in das Wirrwarr bringen. Wir brauchen für die Kassen-Patienten ein bundesweit einheitliches System bei der Terminvermittlung für Fachärzte", sagte Brysch.

Die Terminservicestellen sollen bei den regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen eingerichtet werden und gesetzlich Versicherten mit einer Überweisung auf Wunsch binnen vier Wochen einen Termin bei einem Facharzt vermitteln. Falls dies nicht möglich ist, können Patienten die Ambulanz eines Krankenhauses aufsuchen.

Laut Brysch sind etwa in Niedersachsen die Servicestellen täglich zehn Stunden erreichbar, in Brandenburg nur zwei. Auch werde in den Bundesländern die zumutbare Entfernung zum Facharzt unterschiedlich ausgelegt. So ist Patienten in Baden-Württemberg eine Fahrt von 30 Minuten vom Wohnort zumutbar - in den meisten anderen Ländern gelten die 30 Minuten erst ab der nächsten Facharztpraxis.

Auch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hatte die Ärzteschaft aufgerufen, am Montag für einen reibungslosen Start der neuen Vermittlungsstellen zu sorgen. Die zuständigen Kassenärztlichen Vereinigungen hätten einen fristgerechten Aufbau der Terminservicestellen für Kassenpatienten zugesichert. "Es gibt also keinen Grund, warum die Ärzte das nicht hinbekommen sollten", sagte der CDU-Politiker der dpa (Freitag) Es gehe hier um die Stärkung der Patientenrechte.

Eine bessere Steuerung der Arztbesuche macht nach Ansicht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Terminvergabestellen überflüssig. Die Wartezeiten entstünden, weil es zu viele Patienten gebe, die wegen derselben Beschwerden zu zwei, drei oder sogar noch mehr Fachärzten gingen, sagte Verbandschef Andreas Gassen. Brysch sagte dazu der dpa: "Es ist frech, nun die Patienten für das Chaos bei den Kassenärzten verantwortlich zu machen."

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

US-Vizepräsident Pence trifft erstmals EU-Spitzenvertreter
Brüssel (dpa) - Zum Abschluss seiner ersten Europareise trifft US-Vizepräsident Mike Pence heute in Brüssel Spitzenvertreter der EU und der Nato. Der Stellvertreter von …
US-Vizepräsident Pence trifft erstmals EU-Spitzenvertreter
Prozess gegen 16-jährigen Terrorverdächtigen beginnt
Im September nahm eine Spezialeinheit der Polizei in Köln einen 16 Jahre alten Syrer fest. Der Vorwurf: Vorbereitung eines Terroranschlags. Nun kommt er vor Gericht.
Prozess gegen 16-jährigen Terrorverdächtigen beginnt
Sipri-Friedensforscher: Rüstungsexporte steigen ständig
Die Zeit der politischen Entspannung ist definitiv vorbei. In den vergangenen zehn Jahren hat der Waffenhandel stetig zugelegt. Dabei kommen 56 Prozent der weltweiten …
Sipri-Friedensforscher: Rüstungsexporte steigen ständig
Demo, Trump und Syrien: Hier gibt‘s den Siko-Ticker zum Nachlesen
München - Tag drei der Siko: Am Sonntag standen als Hauptthemen der Syrien-Konflikt, das Atomabkommen mit dem Iran und die US-Außenpolitik auf der Agenda. In unserem …
Demo, Trump und Syrien: Hier gibt‘s den Siko-Ticker zum Nachlesen

Kommentare