+
Hubert Aiwanger, Parteivorsitzender Freie Wähler, rechtfertigt sich.

Aiwanger rechtfertigt sich

Katerstimmung bei den Freien Wählern

Greding - Es hat gedauert, bis die Freien Wähler nach Landtags- und Bundestagswahl die unerfreuliche Realität eingestehen: Alle Ziele verpasst. Parteichef Aiwanger tritt beim ersten Parteitag nach der Wahl sehr gedämpft auf.

Nach dem doppelten Misserfolg bei Landtags- und Bundestagswahl ist bei den Freien Wählern Katerstimmung ausgebrochen. Der Landesvorsitzende Hubert Aiwanger gab am Samstag bei einem Landesparteitag in Greding SPD und Grünen Mitschuld am verpassten Wahlsieg eines Dreierbündnisses: Der CSU sei „das Spiel leicht gemacht worden, indem Rot-Grün eine Steuererhöhungsdebatte begonnen hat“, monierte Aiwanger. Das habe sich auch auf die Freien Wähler ausgewirkt. Die Partei hatte sowohl bei der Landtags- als auch bei der Bundestagswahl ihre Ziele verpasst. „Ich meine, dass wir uns mit der jetzigen Situation arrangieren müssen“, sagte Aiwanger dazu.

Der Parteitag war schon vor der Landtagswahl angesetzt worden - das Treffen war ursprünglich dazu gedacht, über die erhofften Sondierungsgespräche mit der CSU oder SPD und Grünen zu diskutieren. „Dann hätten wir heute entscheiden können, mit wem wir in Koalitionsverhandlungen gehen“, sagte Aiwanger in einer defensiven Rede. „Wahrscheinlich hätten uns sowohl die SPD als auch die CSU zappeln lassen.“

Die Freien Wähler wollten eigentlich in Bayern 15 Prozent holen, um sich dann einen Koalitionspartner aussuchen zu können. Stattdessen hatte die Partei leicht verloren und war im Vergleich zur Landtagswahl 2008 von 10,2 auf 9 Prozent gesunken.

Ihren Ex-Koalitionspartner FDP habe die CSU durch das Ausgeben von Steuergeld klein bekommen, sagte Aiwanger. „Damit zeigt sich, wie dieses Haifischbecken aufgestellt ist.“ Aiwanger rechtfertigte seinen Kurs, keine Koalitionsaussage zu machen: „Wir haben ein paar Stimmen verloren, weil wir keine getroffen haben. Hätten wir eine getroffen, hätten wir noch mehr verloren.“

Auch Aiwangers Vorredner räumten ein, dass die Freien Wähler im Wahlkampf kein Rezept gegen die CSU gefunden hatten: Die Freien Wähler seien das Herz der Gesellschaft, erklärte Hermann Kratzer, FW-Kreisvorsitzender in Roth. „Aber die mit dem C im Namen sind ein bissl das Herz und der Mund.“ Der mittelfränkische Bezirkschef Walter Schnell mahnte an, die Freien Wähler müssten in den Großstädten besser werden und ließ Kritik an Aiwanger anklingen. „Ich möchte nicht, dass wir zu einer Partei der Handwerker, Fischer, Bauern und Jäger werden.“ Das bezog sich auf eine Pressekonferenz, in der Aiwanger diese vier Berufsgruppen als Zielgruppe eigens erwähnt hatte.

Fraktionsvize Thorsten Glaube forderte, die Freien Wähler müssten frischer und für junge Wähler attraktiver werden. „Viele sind im Internet an uns gescheitert“, kritisierte er.

Nächste Herausforderung für die Freien Wähler sind die Kommunalwahlen im März 2014. Manche Delegierten äußerten am Rande des Treffens bereits die Sorge, dass der Negativtrend der Landtagswahl auf die Kommunalwahl durchschlagen könnte. „Wir müssen damit rechnen, dass (CSU-Chef Horst) Seehofer wieder durchs Land zieht und erzählt, Bayern ist die Vorstufe zum Paradies“, sagte Aiwanger. Generalsekretär Michael Piazolo argumentierte, die Vorstufe zum Paradies sei eigentlich eine eher unerfreuliche Örtlichkeit: „Für einen Katholiken ist die Vorstufe zum Paradies das Fegefeuer.“

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nach Wahlerfolg der AfD: Hunderte Gegner demonstrieren in Deutschlands Großstädten
Der Einzug der AfD in den Bundestag hat hunderte Menschen auf die Straße gebracht. In Berlin, Frankfurt und Köln demonstrierten sie auf Kundgebungen weitgehend friedlich …
Nach Wahlerfolg der AfD: Hunderte Gegner demonstrieren in Deutschlands Großstädten
„Das Land rückt nach rechts“: Pressestimmen zur Bundestagswahl
Mit Spannung ist das Ergebnis der Bundestagswahl erwartet worden. Die Pressestimmen aus Deutschland und dem Ausland zeigen nun vor allem Besorgnis.
„Das Land rückt nach rechts“: Pressestimmen zur Bundestagswahl
Gauland sorgt bei „Anne Will“ für Gelächter - Unmut in Union über Merkel
Zäsur in der deutschen Politik: Mit der AfD zieht wieder eine Partei rechts der Union in den Bundestag ein. Die SPD stürzt völlig ab. Und Merkel bleibt Kanzlerin - doch …
Gauland sorgt bei „Anne Will“ für Gelächter - Unmut in Union über Merkel
Twitter-Aktion gegen die AfD: „Ich bin #87Prozent“
Rund 13 Prozent hat die AfD bei der Bundestagswahl geholt. Die Partei hatte immer wieder angeprangert die Sorgen und Ängste der Bürger würden kein Gehör finden. Nun …
Twitter-Aktion gegen die AfD: „Ich bin #87Prozent“

Kommentare