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Plenarsitzung im Bayerischen Landtag

Grüne in Bayern

Katharina Schulze: Mit Sicherheit in die erste Reihe

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Die Grünen ringen um ein Profil bei der inneren Sicherheit. In Bayern hat das Thema längst ein Gesicht: Katharina Schulze. Die junge Münchnerin steht kurz vor dem nächsten Karriereschritt: Im Februar wird sie im Landtag Fraktionschefin.

München– Übernächstes Wochenende stürzt sich Katharina Schulze wieder ins Getümmel. Nachtschicht der Augsburger Polizei. Zum vierten Mal schon geht die Innenpolitische Sprecherin der Landtagsgrünen nächtens auf Streife. „Es war sehr beeindruckend zu sehen, mit wie viel unterschiedlichen Themen ein Polizist in einer einzigen Nacht konfrontiert wird“, sagt die Münchnerin. Und wer sie nach den Flügelkämpfen in der eigenen Partei rund um das Thema fragt, erntet erst einmal einen tiefen Stoßseufzer. „Da einen künstlichen Gegensatz zu konstruieren, halte ich nicht für zielführend.“

Katharina Schulze. Plötzlich seht die erst 31-Jährige mitten im Fokus. Inhaltlich. Aber mehr noch politisch. Am 15. Februar kandidiert sie – konkurrenzlos – für die Nachfolge von Margarete Bause als Fraktionschefin im Landtag, in einem Alter, in dem sich andere noch in den Jugendorganisationen ihrer Parteien die Hörner abstoßen. Schulze hat das alles schon hinter sich: Vorsitzende der Grünen-Jugend in München, Vorsitzende des grünen Stadtverbands, zwei erfolgreiche Bürgerbegehren gegen Olympia und die dritte Startbahn am Münchner Flughafen. „Das war schon eine gute Schule“, sagt ihr künftiger Kollege als Fraktionschef Ludwig Hartmann.

Schon als Schulze vor drei Jahren in den Landtag einzog, war klar, wohin die Reise führt – wo sonst wird ein Neuling sofort Fraktionsvize. Dennoch gab es Rückschläge: Ihre Hoffnung, die Klimapolitik übernehmen zu können, realisierte sich nicht. Doch rasch begriff sie, welche Chance in dem bei den Grünen weitgehend brach- liegenden Feld Innenpolitik liegt. „Ich dachte: Wow, eigentlich passt das gut zu mir und den Dingen, die mich interessieren“, erinnert sie sich: der Kampf gegen Rechts und gegen Rassismus, mehr Mitbestimmung für die Bürger. Mit ihrer frischen, offenen Art ging sie auch auf jene zu, die mit den Grünen wenig am Hut haben. In der CSU staunte man nicht schlecht, als ausgerechnet die Ökos zum Polizeiempfang in den Landtag luden.

Doch wie das so ist: Wer rasch nach oben strebt, hat nicht nur Freunde. Nicht in der Politik und erst recht nicht bei den Grünen. Nach außen schafft es der Landesverband zwar mit erstaunlicher Disziplin, geschlossen zu wirken. Intern aber geht es mit harten Bandagen zur Sache. Mit ihrem fröhlichen Lächeln, das den ein oder anderen Parteifreund inzwischen nervt, kommt Schulze da nicht immer durch. Sie weiß durchaus, wie Machtpolitik funktioniert.

Im Münchner Stadtverband gibt es einige, die mit Groll an die Koalitionsverhandlungen nach der letzten Kommunalwahl zurückdenken. Schulze wollte eine Fortsetzung von Rot-Grün und schob am Ende der Bürgermeisterkandidatin Sabine Nallinger die Schuld am Scheitern in die Schuhe. An der Münchner Basis sorgte das im Juni 2014 für Unmut – einige traten aus der Partei aus. Schulze beotnt, ihr Vorgehen sei mmer abgestimmt gewesen. Doch auch das Verhältnis zu ihrem ehemaligen Mit-Vorsitzenden Nikolaus Hoenning ist nicht frei von Spannungen. „Man weiß nicht genau, für welche Inhalte sie steht“, sagt er. „Für sie stand immer das persönliche Weiterkommen im Mittelpunkt.“

Auch in der Fraktion gibt es noch den ein oder anderen, der meint, die neue Aufgabe käme etwas früh. Thematisch müsse sich Schulze noch breiter aufstellen. Doch immensen Fleiß spricht ihr niemand ab. Kreuz und quer reist sie im Kampf gegen Rechtsextremismus durch den Freistaat – die Kamera für ein gutes Foto für die sozialen Netzwerke immer im Gepäck. „Sie hat eine enorme Lernkurve hinter sich“, lobt Ludwig Hartmann, der künftig ohne die Erfahrung einer Margarete Bause die Fraktion führen wird.

Schulze aber bringt das Megathema dieser Tage mit ein: Innere Sicherheit. Erst vergangene Woche schaffte sie es mit einem grünen Kernthema in die Schlagzeilen: rechte Übergriffe auf Ausländer in Bayern. Der Rechtsstaat, die Polizei und die Grünen: Schulze findet: „Das passt zusammen.“

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