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Volker Kauder bei „Maybrit Illner“

FDP-Chef als TV-Zuschauer

Während Illner-Talk: Twitter-Attacke von Lindner gegen Merkel und Schulz

Vielleicht wird es Zeit für die Sommerpause: Bei „Maybrit Illner“ seufzt sogar die Moderatorin über den „bleiernen Wahlkampf“ der GroKo-Parteien. Für Aufsehen sorgt ein Tweet von FDP-Chef Lindner.

Berlin - Ja, tatsächlich. In gut vier Monaten ist Bundestagswahl. So richtig will das Wahlkampfduell Angela Merkel gegen Martin Schulz aber noch nicht in Schwung kommen. Oder: Nicht mehr in Schwung kommen. Oder: Noch nicht wieder in Schwung kommen. Den Umfragewerten zufolge ist der „Schulz-Zug“ der SPD jedenfalls längst nicht mehr mit Höchstgeschwindigkeit unterwegs.

Wer einen Beweis für die laue Wahlkampf-Stimmung brauchte, war beim donnerstäglichen Polit-Talk des ZDF bestens aufgehoben. Bei „Maybrit Illner“ saßen sich - umringt von einigen Experten - die Bundestags-Fraktionschefs Volker Kauder (CDU) und Thomas Oppermann (SPD) gegenüber. Außer altbekannten Floskeln - „Gerechtigkeit“ hier, „Wirtschaftskraft“ da - gepflegter Gesprächsatmosphäre und einigen programmatischen Überschneidungen wollten die beiden Großkoalitionäre aber nicht viel anbieten.

SPD und CDU: Gleiche Themen, schmale Pläne?

Ein paar Beispiele: Erst am Donnerstagnachmittag hatte Martin Schulz in Berlin einen neuen Wahlkampf-Schwerpunkt präsentiert: Bildung. Und schon lange versucht sich der SPD-Kanzlerkandidat am Thema „Respekt für die arbeitende Bevölkerung“. Kauder unternahm bei Illner eine Art heimliches Fern-Schattenboxen mit Schulz - er nannte als zentrales Thema der CDU unter anderem... Bildung. Und betonte: "Entlastung brauchen diejenigen, die jeden Tag zur Arbeit gehen." Klang nach der überwunden geglaubten Strategie der „Demobilisierung des Gegners“. Dabei hatte Illner eingangs noch nach „Wechselstimmung“ im Lande gefragt... 

Große Pläne brachte gleichwohl keiner der beiden Politiker in der Wahlkampf-Sendung rüber. Oppermann meinte, die SPD wolle Deutschland „gerechter und sicherer“ machen, es gebe „viele Punkte, wo die Menschen das Gefühl haben, es läuft nicht alles gut in diesem Land“. Kauder gab sich noch bescheidener: "Die zentrale Aufgabe in der nächsten Legislaturperiode besteht darin, den guten Zustand unserer Wirtschaftskraft zu erhalten", erklärte er. Übersetzen ließe sich dieser Satz durchaus als ein „weiter so.“

Droht der „bleierne Wahlkampf“?

Einig waren sich Kauder und Oppermann schließlich auch beim Ausblick auf die nächsten Monate. Trotz drei gewonnener Landtagswahlen gebe es noch „viel Arbeit“ zu tun, sagte Kauder. „Wir werden hart arbeiten und kämpfen“, versprach Oppermann. 

Illner fragte sich zwischendrin schon seufzend, ob ein „bleierner Wahlkampf“ bevorstehe. Dem einen oder anderen Zuschauer mag jedenfalls gedämmert sein: Dieser Wahlkampf wird ein hartes Stück Arbeit. Nicht nur für die Parteien.

Als lachender Dritter brachte sich unter dem Hashtag „#illner“ auf Twitter übrigens ein dynamischer Jungpolitiker in Stellung: Ein gewisser Christian Lindner - der in NRW mit alten FDP-Konzepten gerade erst einen Wahlerfolg eingesackt hatte.

fn

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