Claudia Möllers, Leiterin der Bayern-Redaktion 

Sexskandale im Vatikan

Kein Ende in Sicht?

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Erstmals wird gegen einen vatikanischen Kardinal wegen sexuellen Missbrauchs ermittelt. Das könnte auch den Papst in einer unangenehme Situation bringen. Denn er hat trotz lange bekannter Vorwürfe an Kardinal Pell festgehalten. 

Ein schwarzer Tag für die katholische Kirche: Im Vatikan beurlaubt der Papst seinen „Finanzminister“ Kardinal George Pell, weil gegen ihn wegen Kindesmissbrauchs ermittelt wird. Ein Kurienpriester soll mit männlichen Prostituierten Orgien gefeiert haben. Und in Deggendorf wird gegen einen Ex-Priester Anklage wegen Kindesmissbrauchs erhoben. Es nimmt kein Ende.

Auch wenn im Fall von Kardinal Pell zunächst die Unschuldsvermutung gilt, beschädigt diese Nachricht die Kirche insgesamt und Papst Franziskus im Speziellen. Denn er hielt hartnäckig an seinem Finanzminister fest, obwohl die Vorwürfe schon im Herbst aufkamen. Zudem wird Pell, der auch Mitglied im wichtigen Kardinalsrat ist, seit Jahren vorgehalten, er habe als Erzbischof von Melbourne an der Vertuschung von Missbrauchsfällen mitgewirkt. Was gilt dann die Ankündigung des Papstes, kompromisslos gegen Missbrauch vorzugehen?

Die Kirche kann noch so viel Geld in die Aufklärung oder aufrichtig gemeinte Präventionsprojekte stecken – diese neuerlichen Vorwürfe bringen alles zu Fall. Im September 2018 wird die Deutsche Bischofskonferenz die Ergebnisse eines Forschungsprojekts vorlegen, in dem der sexuelle Missbrauch aufgearbeitet wird. Es werden – so viel sickerte durch – bittere Ergebnisse sein. Aber die selbstkritischste Aufarbeitung und Reue verpuffen, wenn immer neue, noch dazu prominente Fälle ans Licht kommen. Die Kirche verspielt ihre Rolle als ernst zu nehmende Mahnerin.

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Claudia.Moellers@merkur.de

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