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Kerstin Andreae: Die Grüne wird Cheflobbyistin

Vom Bundestag zum Energieverband

„Enttäuschend“: Grünen-Politikerin wechselt die Seiten und erntet heftige Kritik 

Die Grünen-Wirtschaftsexpertin Kerstin Andreae wird neue Chefin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft. Dafür verlässt sie den Bundestag.

Berlin - „Lobbyarbeit für Energiewende, Klimaschutz und gute Wasserversorgung zu machen ist nichts Anrüchiges, sondern sehr sinnvoll und wichtig", verteidigte sie den Wechsel am Mittwoch im Bayerischen Rundfunk. Zu den Unternehmen und Wirtschaftsverbänden der Branche sagte sie, diese seien keine "Gegner", sondern dort seien "Menschen, die die Energiewende umsetzen wollen". Daran wolle sie mitwirken.

Andreae wechselt zum 1. November an die Spitze des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Der Vorstand des Energieverbands hatte sie am Dienstag zur neuen Hauptgeschäftsführerin berufen. Ihr Bundestagsmandat will die Grünen-Politikerin Ende Oktober niederlegen. Zuletzt war sie wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion.

Kerstin Andreae: Verein Lobbycontrol kritisiert Wechsel 

Unter anderem der Verein Lobbycontrol hatte den nahtlosen Wechsel von Andreae kritisiert. Dies sei "enttäuschend", gerade, weil die Grünen sich für mehr Distanz zwischen Politik und Wirtschaft einsetzten, sagte eine Sprecherin der "Rheinischen Post". Bundestagsabgeordnete sollten ihr Mandat nicht als "Sprungbrett für Lobbykarrieren" nutzen. 

Andreae sagte dazu im Bayerischen Rundfunk, ihre Partei sehe zwar einen Wechsel zwischen Regierungsamt und Wirtschaft kritisch, nicht aber einen Wechsel von Parlamentariern in die Wirtschaft. "Wir haben nie eine Karenz für Abgeordnete gefordert", sagte sie. Andernfalls gebe es ein Parlament von Berufspolitikern.

Kerstin Andreae: Kritik auch auf Twitter

Auch auf Twitter erntet die Politikerin Kritik: „Und gar kein schlechtes Gewissen, gegenüber den Wählerinnen und Wählern? Die Ihnen bisher vertraut haben?“, fragt einer. „Und ihr wundert euch auch noch, dass Bürger keinen Respekt mehr vor euch haben? Deswegen ...“, kommentiert ein anderer. „Glückwunsch und gutes Gelingen. Ich erwarte Neutralität, wo beide Seiten Realität und Ideologie nicht weiter vermischen. Das Ergebnis sollte wichtiger erscheinen als die Person. Das aber ist eher seltner . Deshalb gutes Gelingen ohne Beeinflussung der Politik“, bemerkt ein weiterer. 

dpa

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