1. Startseite
  2. Politik

„Schlacht um Kiew“: Experte schildert möglichen Häuserkampf

Erstellt:

Von: Linus Prien

Kommentare

Ein ehemaliger Major der U.S. Army bespricht in einem Interview das militärische Vorgehen Russlands. Er stellt fest: Im Ukraine-Krieg geht es jetzt nur um die Hauptstadt Kiew.

Hamburg - Der Ukraine-Konflikt könnte sich auf einen einzigen Kampf zuspitzen - und der wurde noch nicht geschlagen: „Es geht um die Schlacht um Kiew.“ Das sagt John Spencer in einem Interview mit dem Spiegel. Spencer ist ehemaliger Major der U.S. Army und Experte für Kriegsführung in Städten. Sollte der Krieg sich in die Hauptstadt der Ukraine verlagern, werde sich der Charakter des Krieges grundlegend verändern, davon ist Spencer überzeugt.

Ukraine-Krieg: Die russischen Fehler in der Kriegsführung

Die russische Arme habe darauf gesetzt, im Land schnell vorzudringen. Das war laut dem Experten kein schlechter Plan. Er sei jedoch am Unvermögen der russischen Truppen gescheitert. Russland habe den ersten Schritt jeder Invasion versäumt: Kontrolle über den Luftraum zu erlangen. Zudem habe es eklatante logistische Fehler gegeben.

Die Ukraine ist das zweitgrößte Land Europas. Die Versorgungswege sind entsprechend lang. Auch hier sei die russische Planung gescheitert. Das Ergebnis sei die Versorgungsknappheit der russischen Truppen in der Ukraine.

Ein Sieg für Russland bedeutet laut Spencer, die Regierung von Wolodymyr Selenskyj zu stürzen und einen Vasallenstaat zu erreichten, der von Moskau aus gelenkt wird. Der Experte hält es für unwahrscheinlich, dass Russland dieses Ziel erreichen wird. Er betonte, im Krieg gebe es keine Sicherheiten - die Sanktionen des Westens beurteilte er aber als wirkungsvoll. Zudem gehe Putin das politische Kapital in seinem Land aus.

Russland im Ukraine-Konflikt: „In diesem Krieg geht es um eine einzige Schlacht“

Schwer bewaffnete ukrainische Soldaten in Trümmern vor Kiew
Ukrainische Soldaten vor Kiew © IMAGO/Pavel Nemecek

Um die Regierung Wolodymyr Selenskyjs zu stürzen müsse Putin aber die Hauptstadt Kiew einnehmen: „In diesem Krieg geht es um eine einzige Schlacht, die noch bevorsteht: die Schlacht um Kiew.“ Der Experte für Kriegsführung in Städten hält es für gut möglich, dass es zu Häuserkämpfen in der ukrainischen Hauptstadt kommen wird. Kiew werde von zu vielen Soldaten verteidigt und biete auch zu viele Zufluchtsorte, wie das U-Bahnnetz, als dass die Schlacht um die Hauptstadt mit einer Bombardierung ebenjener gewonnen werden könnte.

Krieg in der Stadt: „Kann man nicht im Training simulieren“

Krieg in der Stadt neutralisiere die Vorteile militärischer Großmächte. Die Aufklärungsfähigkeiten durch Drohnen und Satelliten, aber auch ihre Feuerkraft seien in der Stadt nicht auf die gleiche Art gegeben wie im Feld. Es sei ein „Alptraum“ als Angreifer in eine Stadt zu kommen. Viele Waffen werden wirkungslos und ballistische Angriffe und Bombardements werden schwieriger, da man nicht weiß, wo sich der Gegner aufhält. In der militärischen Planung heiße es, dass „auf einen Verteidiger drei Angreifer kommen müssen. In Stadt beträgt das Verhältnis eins zu fünf.“

Die Stadt biete viele Verschanzung-Möglichkeiten für den Verteidiger. Jedes Fenster könne als Schießscharte verwendet werden. Die konstante Angst, von einem Scharfschützen ins Visier genommen zu werden, habe eine enorme Auswirkung auf die Moral. Zudem, so Spencer im Spiegel, fühlen sich Soldaten in Häuserkämpfen ohnehin häufig komplett hilflos. Anders als im Feld sei man weitestgehend von seiner Truppe getrennt. Man könne sich zwar auf Krieg vorbereiten, „aber für den Krieg in der Stadt ist das nicht möglich, weil man den nicht im Training simulieren kann.“ (lp)

Auch interessant

Kommentare