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Ukraine-Krieg: Russische Raketen auf Kiew und Co. bereits das Werk von „General Armageddon“?

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Von: Patrick Freiwah

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General Sergej Surowikin besetzte für Russlands Militär und Präsident Wladimir Putin bereits in Syrien einen wichtigen strategischen Posten
General Sergej Surowikin besetzte für Russlands Militär und Präsident Wladimir Putin bereits in Syrien einen wichtigen strategischen Posten. © Alexei Nikolsky/Imago

Nach der Explosion auf einer wichtigen Krim-Brücke reagiert Russland mit massivem Raketenbeschuss auf die Ukraine: Resultat einer neuen Strategie unter Wladimir Putin?

Moskau/München - Macht Russland im Ukraine-Krieg ernst? Sowohl Montag als auch Dienstag (11. Oktober) nahm das Militär der Truppen von Präsident Wladimir Putin Ziele in der Ukraine ins Visier, um Raketen auf das Nachbarland abzufeuern.

Über die Folgen der Einschläge gibt es unterschiedliche Aussagen, die Landesregierung um Präsident Wolodimir Selenskij spricht von mehreren Toten und Verletzten, aus den Gebieten gibt es Bilder von Rauchschwaden und zerstörter Infrastruktur. Es stellt sich die Frage über die genauen Absichten und Hintergründe der angeblich „strategischen Gegenoffensive“, die laut Kreml nach dem ukrainischen Angriff auf die für Russland wichtige Brücke in Richtung Krim vollzogen wurde.

Ukraine: Strategischer Wechsel kurz nach der Benennung von „General Armaggedon“?

Warum diese Steigerung der Eskalationsstufe und in welchem Zusammenhang steht der militärische Schlag mit der Benennung von Sergej Surowikin zum Truppenkommandeur der russischen Streitkräfte in der Ukraine? Kurz vor Beginn der Offensive wurde die neue Mission des als Hardliner geltenden Mannes bekannt, der angeblich den Spitznamen „General Armaggedon“ trägt. Der ranghohe russische Soldat (56) sei kampferprobt durch Einsätze in Tschetschenien, Syrien und der Ukraine, soll die Streitkräfte seiner Heimat nach jüngst erlittenen Niederlagen und den Problemen innerhalb des russischen Militärs zurück in die Erfolgsspur bringen:

Während Surovikin im Jahr 2017 aufgrund seiner Verdienste von Putin persönlich den Ehrentitel „Held der Russischen Föderation“ verliehen bekam, heben westliche Informationsquellen wie das britische Verteidigungsministerium dessen Korruptionsverbindungen und Hang zur Brutalität hervor.

Auf der anderen Seite zeigt sich Russland Berichten zufolge bereit für neue Verhandlungen mit der Ukraine. Außenminister Sergej Lawrow ließ im russischen Staatsfernsehen wissen, wenn Washington ein solches Treffen beim G20-Gipfel anbiete, würde Moskau dies prüfen. Ex-Schach-Weltmeister Garri Kasparow glaubt gar, dass dies das Hauptziel von Putin darstellt. Jedoch: Der Kreml pocht auf Russlands Kriegsziele, während die Ukraine kaum die unfreiwillig verlorenen Separatistengebiete endgültig abtreten dürfte - betont zumindest die staatliche Führung in Kiew unentwegt. Wie realistisch ist eine Einigung?

Ukraine-Krieg: Terroranschläge auf russischem Gebiet? Putin kündigt „harte Antwort“ an

Im Zuge der Luftoffensive auf ukrainische Gebiete (News-Ticker) kündigte Kreml-Chef Wladimir Putin an, bei möglichen Angriffen der Ukraine künftig im gleichen Maße zu antworten - und falls erforderlich eine proportionale Eskalation in Kauf zu nehmen. „Sollte die Ukraine weiterhin Terroranschläge gegen unser Territorium durchführen, wird die russische Antwort hart sein“, verspricht Putin und bezieht sich auf die Bedrohung für die Russische Föderation.

Was sind die Absichten von Russland und Putin? Das „Institute for the Study of War“ (ISW) aus Washington schätzt, dass der jüngst 70 Jahre alt gewordene Staatschef keinen „dramatischen“ atomaren Schlag plane. Stattdessen könne die „Eskalationsleiter“ im Ukraine-Konflikt Stufe um Stufe nach oben führen. Beides jedoch letztlich kaum wünschenswerte Szenarien in der Auseinandersetzung, bei der die Nato nun auch Atomwaffen-Übungen beginnt.

Derweil dürfte Wladimir Putin nicht nur die Ukraine-Front Sorge bereiten. Auch die Probleme im eigenen Land sind angeblich gravierend, analysiert Russland-Experte Gerhard Mangott. Berichten zufolge könnten die Raketen auf die Ukraine jedoch Hardliner im Land besänftigt haben, die dem Moskauer Kreml zu viel Toleranz im Umgang mit dem Westen attestieren. Das gleiche Ziel könnte dem Vernehmen nach die Benennung von „General Armaggedon“ zum Ukraine-Beauftragten der „militärischen Spezialoperation“ gehabt haben.

Ukraine-Krieg: Russische Raketen als Vorgeschmack? Reaktion auf Krim-Explosion

Putin hatte die russischen Raketenangriffe in der Ukraine offenbar am Montag befohlen und bezeichnete sie als Reaktion auf Explosionen auf die für Russland strategisch bedeutsame Brücke zwischen Russland und der annektierten Halbinsel Krim. Medien aus der Ukraine berichteten von 20 Raketen am Dienstag, im Vergleich zu über 80 am Vortag. Das Verteidigungsministerium Russlands bestätigte Schläge gegen Objekte der Militärverwaltung und des Energiesystems in der Ukraine.

Derweil spricht ein russischer Top-Ökonom vom Verfall der heimischen Wirtschaft: Geht Präsident Putin das Geld aus, um Soldaten zu bezahlen? (PF)

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