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Offensive auf Kiew in wenigen Tagen? Briten teilen Einschätzung - Ukraine-Militär warnt vor Blockade

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Von: Cindy Boden

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Russische Militäraktionen könnten in den kommenden Tagen gezielt gegen Kiew gerichtet werden, so eine britische Einschätzung. Auch das ukrainische Militär warnt.

Kiew - Seit Kriegsbeginn steht die ukrainische Hauptstadt Kiew im Fokus. Das Leid in anderen Städten und Gebieten der Ukraine ist groß, unzählige Menschen fliehen, immer wieder ist von Angriffen zu lesen. Doch eine mögliche russische Einnahme von Kiew hätte noch einmal einen ganz anderen symbolischen Charakter. „Es geht um die Schlacht um Kiew“*, sagte auch John Spencer, ehemaliger Major der U.S. Army und Experte für Kriegsführung in Städten, in einem Interview mit dem Spiegel zum eskalierte Ukraine-Konflikt*.

Ukraine-Krieg: Angriffe auf Kiew laut britischen Experten innerhalb von Tagen wahrscheinlich

Seit vielen Tagen gibt es Spekulationen darüber, ob Kiew den russischen Truppen in die Hände fällt - und vor allem darüber, wann das passieren könnte. Experten der britischen Regierung halten Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt nun in den kommenden Tagen für wahrscheinlich. Das geht aus einer Einschätzung des Verteidigungsministeriums in London hervor, die am Freitag (11. März) veröffentlicht wurde. „Russland wird wohl versuchen, seine Kräfte neu aufzustellen für erneute Offensiven in den kommenden Tagen. Das wird wahrscheinlich auch Militäraktionen gegen die Hauptstadt Kiew einschließen“, hieß es darin.

Gleichzeitig gehen die britischen Militärexperten davon aus, dass Russlands Armee „mit großer Wahrscheinlichkeit“ hinter ihren Plänen für die Invasion zurückliegt. Russland mache nur eingeschränkte Fortschritte. Logistische Probleme, die den Vormarsch aufgehalten hätten, bestünden weiterhin. Hinzu komme der weiterhin starke Widerstand ukrainischer Kräfte. Manche Beobachter sahen daher auch das Treffen russischen Außenministers mit seinem ukrainischen Kollegen am Donnerstag als Hinhaltetaktik. Substanzieller Ergebnisse gab es nach dem kurzen Gespräch jedenfalls nicht.

Sicherheitskontrollpunkt im östlichen Teil von Kiew am 10. März 2022.
Sicherheitskontrollpunkt im östlichen Teil von Kiew am 10. März 2022. © Andrà Luis Alves/GlobalImagens/Imago

Russland will Kiew wohl weiter einkesseln - Ukraine warnt in Erklärung

Militärs warnten bereits, Russland treibe die Einkesselung Kiews weiter voran. Die Kämpfe in der Ukraine gingen in der Nacht zum Freitag weiter. Das ukrainische Militär warnte in einer Erklärung, dass „der Feind versucht, die Verteidigungsanlagen der ukrainischen Streitkräfte in den Regionen westlich und nordwestlich der Hauptstadt auszuschalten, um Kiew zu blockieren“. Eine „Bewegung des Feindes nach Osten in Richtung Browary“ könne „nicht ausgeschlossen“ werden. Neue Satellitenbilder sollen außerdem zeigen, dass der Konvoi vor Kiew sich aufgelöst und neu formiert habe

Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk kündigte derweil neue Fluchtrouten zur Evakuierung von Zivilisten aus den umkämpften Gebieten an. Nördlich von Kiew etwa sei geplant, Menschen aus vier Orten Richtung Hauptstadt zu bringen. Aus drei Ortschaften im nordwestlichen Kiewer Gebiet sollen Busse Flüchtlinge nach Westen in die Großstadt Schytomyr bringen. Wladimir Putin kündigte indes die Verlegung russischer Truppen auch an die Nato-Grenzen an.

Kiew: Hilfe aus Deutschland für Ukrainer

Hilfe kommt auch aus Deutschland: Ein erster Containerzug mit 350 Tonnen Hilfsgütern ist auf der sogenannten Schienenbrücke der Deutschen Bahn in die Ukraine gestartet. Der Zug mit den 15 Containern fuhr in der Nacht zum Freitag vom Rangierbahnhof Seddin bei Berlin Richtung Kiew ab, wie die Bahn mitteilte. Zur Hilfslieferung gehören unter anderem Schlafsäcke, Isomatten, Windeln, Konserven mit Lebensmitteln, Trinkwasser, warme Kleidung und Babynahrung sowie medizinische Produkte wie Spritzen. (cibo/dpa/AFP) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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