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Jeder Zehnte in Bayern gilt als armutsgefährdet: Gerade Rentner sind immer häufiger auf kostenlose Lebensmittel angewiesen.

Sozialbericht

Kinder als Armutsrisiko

München - Seit Wochen herrschte höchste Geheimhaltung im Sozialministerium. Mit aller Macht wollte Ministerin Christine Haderthauer (CSU) verhindern, dass der lang erwartete Sozialbericht vor ihrer heutigen Regierungserklärung durchsickert.

Doch die SPD machte Haderthauer einen Strich durch die Rechnung - und stellte den 800-seitigen Bericht ins Internet. Seitdem streiten Regierung und Opposition über die Interpretation der Zahlen. "Bayern steht gut da", betont Haderthauer und verweist auf die geringe Arbeitslosigkeit und die hohe Lebenserwartung. Die Opposition warnt dagegen vor einer wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich. Ein Überblick über die wichtigsten Ergebnisse:

Altersarmut

Fast jeder sechste Rentner (16,2 Prozent) in Bayern ist von Armut bedroht. Das Armutsrisiko liegt damit höher als im Schnitt der alten Länder (13,7 Prozent). Die Ruheständler mussten in den letzten Jahren deutliche Einbußen verkraften. So sanken die Renten durch steigende Kassen- und Pflegebeiträge und die hohe Inflationsrate zwischen 2003 und 2006 real um 6,3 Prozent. Innerhalb Bayerns bestehen deutliche Unterschiede bei den Altersbezügen: Während die Rente in Oberbayern für Männer bei durchschnittlich 1002 Euro liegt (Frauen 532 Euro), sind es in Niederbayern gerade mal 899 Euro (Frauen 403 Euro). Allerdings wohnen viele Ältere in Bayern in den eigenen vier Wänden. Nur 2,3 Prozent der über 65-Jährigen sind auf staatliche Hilfe angewiesen.

Familien und Kinder

Kinder sind zunehmend ein Armutsrisiko. Zwischen 2003 und 2006 stieg für Alleinerziehende das Risiko um acht Prozentpunkte, für Paare immerhin um sechs Punkte. Jede vierte Alleinerziehende ist inzwischen von Armut bedroht. Zugleich sinkt mit jedem Kind der Wohlstand. Erreichen Paare mit einem Kind noch ein Wohlstandsniveau von 10 Prozent über dem Durchschnitt, liegen Paare mit drei oder mehr Kindern 25 Prozent unter dem Durchschnitt.

Bildung

Die soziale Herkunft spielt auch in Bayern eine entscheidende Rolle für die Bildungschancen: Nur gut 12 Prozent der Studierenden stammen aus Familien mit niedrigem Einkommen, 41 Prozent dagegen aus wohlhabendem Elternhaus. Bayern liegt damit unter dem Bundesschnitt (13 Prozent aus armen Familien, 37 Prozent mit gutverdienenden Eltern).

Einwanderer

Vergleichsweise schlecht geht es auch den 2,3 Millionen Einwanderern in Bayern. Jeder Vierte gilt als armutsgefährdet, in den alten Ländern ist es sogar jeder Dritte. Das Einkommen der Einwanderer ist im Schnitt um ein Fünftel niedriger, die Arbeitslosenquote ist dagegen mehr als doppelt so hoch. Mit verstärkten Deutschkursen - möglichst bereits im Kindergarten - will Haderthauer die Defizite bei der Integration abbauen.

Ärger um Bericht

Schon seit Jahren sorgt der Sozialbericht für Ärger. Die Opposition warf der Regierung gezielte Verzögerung vor. Ursprünglich sollte der Bericht bereits in der letzten Legislaturperiode erscheinen. Der Termin wurde mehrfach verschoben. Die Regierung begründete dies mit dem Start der Arbeitsmarktreform Hartz IV Anfang 2005. Der letzte Sozialbericht erschien 1999. Künftig will die Regierung jedes Jahr in abgespeckter Form über die soziale Lage in Bayern berichten. Der neue
Sozialbericht kostete rund 550 000 Euro.

Steffen Habit

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