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Bayer berichtet aus der Metropole

Kippt die Stimmung in Hongkong?

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München/Hongkong - Marc Huff aus Bayern lebt in der Millionenmetropole und erzählt, wie er die Demonstrationen erlebt. Derweil gibt es erste ernste Auseinandersetzungen.

Der Nürnberger Marc Huff lebt seit knapp acht Jahren in Hongkong – die Firma seiner Familie stellt dort Werbeartikel her. Doch Proteste, wie es sie seit einer Woche in der Sieben-Millionen-Metropole gibt, hat er dort noch nicht erlebt.

Der 28-Jährige wohnt nicht weit weg von den Bereichen, die die prodemokratische Occupy-Central-Bewegung blockiert. Er umfährt sie, so gut es geht – doch als er neulich einen neuen Pass beantragen wollte, musste er mittendurch. Das ist zwar nicht gefährlich, sagt er am Telefon. Und doch ist Marc Huff langsam genervt: „Die Botschaft ist raus, es reicht jetzt dann.“

Marc Huff aus Bayern lebt in der Millionenmetropole Hongkong.

Wie der Mittelfranke denken inzwischen viele in Hongkong. Die Insel wird dominiert von Handel, sie ist einer der wichtigsten Finanzplätze der Welt und ein Einkaufsparadies. Viele Geschäftsleute sind darauf angewiesen, dass reiche Chinesen vom Festland hier Umsatz machen. Doch weil die Demonstranten wichtige Verkehrsadern und Plätze blockieren, bleiben die Kunden fern. Der Absatz von Luxusprodukten sei um 30 bis 80 Prozent zurückgegangen, berichtete der amtliche Radiosender RTHK. Aus Sicherheitsgründen mussten viele Geschäfte schließen – mit der Solidarität mit den Studenten war es für einige spätestens dann vorbei. Der Nürnberger Huff kennt Anwohner, die genervt sind vom Lärm, weil sie nachts nicht schlafen können. Am Freitag machte die Regierung zudem Schulen dicht. Und so eskaliert die Lage vor dem Wochenende: 30 Männer, die mit Atemschutzmasken ihre Gesichter verhüllt hatten, gehen auf die prodemokratischen Demonstranten los, es kommt zu handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen den Maskierten, Studenten und Polizisten. Mehrere Menschen werden verletzt. In einem anderen Stadtteil spielen sich chaotische Szenen ab. „Geht nach Hause!“, rufen wütende Gegner der Proteste. Andere zerstören Zelte, schlagen Demonstranten mit den Worten: „Warum tut ihr das? Warum bereitet ihr Hongkong so viele Unannehmlichkeiten?“ Prodemokratische Aktivisten verdächtigen pekingfreundliche Kräfte, hinter den Attacken zu stehen. Die Studentenvereinigung spricht von „organisierten Angriffen auf friedliche Demonstranten“.

Unter ihnen sind nicht nur Studenten, sondern auch Menschen wie Emily Tse. Die 40 Jahre alte Chemikerin ist von Anfang an dabei und betont, dass die Demonstranten keine Auseinandersetzung provozieren. „Wir haben keine Waffen, nur unsere Regenschirme“, sagt Emily Tse am Telefon, sie steht mitten im Pulk. Auch sie hofft, dass die „Regenschirm-Revolution“ bald vorbei ist. Dass Regierungschef Leung Chun-ying zurücktritt, dass die Aktivisten einen Dialog mit der Regierung führen können – und bei der ersten direkten Wahl 2017 in Hongkong auch eine freie Nominierung der Kandidaten zugelassen wird.

Carina Lechner

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