Der emeritierte Papst Benedikt XVI.
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Der emeritierte Papst Benedikt XVI.

Kommentar zu Ex-Papst Benedikt XVI.

Benedikts Artikel ist wirklich unglaublich

  • Claudia Möllers
    vonClaudia Möllers
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Ex-Papst Benedikt XVI. hat mit seinem umstrittenen Schreiben für Empörung gesorgt. Ein Kommentar.

Si tacuisses, philosophus mansisses – wenn du geschwiegen hättest, wärst du ein Philosoph geblieben. Hätte Benedikt XVI. nur diesen Spruch des spätrömischen Gelehrten Boëthius beherzigt, statt aus seinem selbst gewählten Eremitendasein einen verstörenden Beitrag zu verfassen! Der fast 92-Jährige sieht in seinem Versuch einer Analyse die sexuelle Revolution der 68er als Auslöser für den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche an. Sein Rezept für die heutige Zeit gegen diese teuflische Säkularisierung: eine neue Hinwendung zu Gott.

Seit fast 20 Jahren muss sich die katholische Kirche mit sexuellem Missbrauch auseinandersetzen, den es schon lange vor den 68ern gab. Studien belegen, dass es sich bei diesen Verbrechen auch um Folgen eines völlig verfehlten Machtverständnisses handelt. 

Klerikalismus, verdrängte Sexualität, krankhafte Männerbünde und Machtbesessenheit haben dazu geführt, dass „Seel-Sorger“ sich an wehrlosen Kindern und abhängigen Nonnen vergangen haben. Und Bischöfe meinten, diese Verbrechen vertuschen zu dürfen. Das alles soll durch die Gottlosigkeit einer unmoralischen Gesellschaft ausgelöst worden sein?

Kirche: Benedikts Artikel zum Missbrauchsskandal ist unglaublich

Als Ratzinger Erzbischof in München war, begann dort einer der schlimmsten Missbrauchsfälle in einer deutschen Diözese. Über viele Jahre konnte sich ein Priester an Kindern vergreifen. Dazu brauchte es Vorgesetzte, die diese Taten deckten. Denjenigen, die jetzt endlich bereit sind, Konsequenzen zu ziehen, zu unterstellen, sie würden der „heiligen Kirche“ schaden, ist unglaublich. Es ist dieser Artikel des zurückgetretenen Papstes, wenn er denn wirklich allein vom betagten Benedikt geschrieben wurde, welcher großen Schaden anrichtet – in der Kirche und vor allem an seinem eigenen Ansehen.

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