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Ilse Aigner stellt sich hinter die Bewegung „Maria 2.0“.

Unterstützung für „Maria 2.0“

Ilse Aigner fordert drastische Neuerung in katholischer Kirche

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CSU-Politikerin Ilse Aigner unterstützt die Protestbewegung „Maria 2.0“ und fordert jetzt das Aus des Zölibats und die Priesterweihe auch für Frauen.

München – Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) stellt sich mit klaren Worten hinter die Protestbewegung „Maria 2.0“ in der katholischen Kirche. In einem Interview mit unserer Zeitung verlangt Aigner schnellere Reformen in der Kirche, ein Ende des Zölibats und die Priesterweihe auch für Frauen. Die Kirche habe jetzt „eine enorme Chance“, sagte sie. 

Frauen protestieren gegen Männerdominanz - Aigner unterstützt Kirchenstreik „Maria 2.0“

Am Wochenende haben tausende katholische Frauen in vielen Gemeinden einen einwöchigen Kirchenstreik begonnen, um gegen die Männerdominanz in ihrer Kirche zu protestieren. Aigner unterstützt die Streiks („legitim“) und die Inhalte. „Ich bin für ein Ende des Zölibats“, sagt die oberbayerische Politikerin. „Wir haben in der Zukunft einen deutlichen Mangel an Geistlichen – das ist absehbar. Bis 2030 werden fast 7000 Seelsorger fehlen. Wir müssen das Potenzial erschließen sowohl der Frauen – als auch der Männer, die nicht zölibatär leben wollen.“ 

Aigner sagt, sie habe sowohl mit aktiven Frauen als auch mit Seelsorgern gesprochen. „Man merkt bei vielen Geistlichen im vertraulichen Gespräch, wie viel Bedürfnis nach Veränderung da ist. Wir haben in Politik und Wirtschaft schon länger gelernt: Es hat noch nie geschadet, wenn es gemischte Teams und Frauen in der Führung gibt.“ Leider habe es aus Rom über Jahrzehnte hinweg keine positive Rückmeldung etwa zumindest zum Diakonat für Frauen gegeben. 

Reaktionen auf „Maria 2.0“: Aigners Ansichten teilen nicht alle

Die Reaktionen auf „Maria 2.0“ sind unterschiedlich. Der Würzburger Bischof Franz Jung kündigte an, eine Mahnwache zu besuchen. Der Regensburger Bischof Voderholzer bekräftigte: „Es führt uns keinen Millimeter weiter, wenn wir uns die Geschichte der Kirche zurechtbasteln, um uns dann am Ende etwa ein Frauenpriestertum zu genehmigen.“ 

Bei den Erdinger Katholiken findet die Protestbewegung „Maria 2.0“ große Unterstützung. In Schongau wurde hingegen die Gegenbewegung „Maria 1.0“ ins Leben gerufen.

Lesen Sie hier das ausführliche Interview mit Ilse Aigner:

Frau Aigner, war die junge Ilse eine Ministrantin?

Nein, das hat es damals bei uns noch nicht gegeben. Ich hätte gerne mitgemacht. Wenn ich mich heute in der Kirche umschaue, sehe ich oft mehr Mädel beim Ministrieren als Buben. Auch meine Nichten waren sehr aktiv.

Beim Dienen eben – mehr ist nicht erlaubt. Wie stehen Sie zur Protestbewegung „Maria 2.0“, die Reformen in der männerdominierten Kirche verlangt?

Ich habe sehr großes Verständnis dafür. Im Leben der Pfarrgemeinde haben wir unglaublich viele engagierte Frauen, sie sind oft die tragenden Kräfte: beim Messdienst, im Kommunion- und Firmunterricht, beim Besuchsdienst für Kranke und Arme. Wer sich so stark einbringt, soll auch vollen Zugriff auf alle Funktionen und Ämter in der Kirche erhalten.

Auf alle?

Ja.

Aigner zur Kirchen-Debatte „Maria 2.0“: Zölibat ist ein großes Hindernis

Was konkret muss sich in der Kirche ändern?

Wir brauchen dringend mehr Entschlossenheit bei der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle. Wir brauchen mehr Offenheit gegenüber Frauen in Führungsämtern, beginnend im Diakonat. Darüber wird seit über 50 Jahren gesprochen, ohne dass je eine positive Rückmeldung aus Rom gekommen wäre. Wir brauchen mehr Ökumene. Und nicht zuletzt müssen wir intensiv über den Zölibat reden.

Sagen Sie klar: Sie sind gegen die erzwungene Ehelosigkeit der Geistlichen?

Ich bin für ein Ende des Zölibats. Wir haben in der Zukunft einen deutlichen Mangel an Geistlichen – das ist absehbar. Bis 2030 werden fast 7000 Seelsorger fehlen. Wir müssen das Potenzial erschließen sowohl der Frauen – als auch der Männer, die nicht zölibatär leben wollen.

Der Zölibat schreckt ab?

Es ist eine Entscheidung, die man früh im Leben auf Dauer treffen muss – in einer Zeit, in der man das vielleicht noch gar nicht final abschätzen kann. Ja: Das ist für viele ein großes Hindernis, sich für den Priesterberuf zu entscheiden. Es gibt, soweit ich weiß, auch keine Begründung dafür in der Bibel.

Achtung – der Regensburger Bischof Voderholzer sagt: Jesus habe ganz klar nur Männer im priesterlichen Dienst gewollt.

Ich weiß nicht, woher er das ableitet. Das Ebenbild unseres Herrgotts ist nicht der Mann, sondern der Mensch. Ich kann nicht erkennen, dass eine in der Kirche vorgelebte Gleichstellung das Fundament unseres katholischen Glaubens erschüttern soll. Das gilt auch für den Zölibat. Nirgendwo in der Bibel ist die Anweisung zu lesen, zölibatär zu leben.

Aigner: „Ich finde die Kirchen-Streiks richtig“

Hier im Erzbistum München-Freising ist es noch recht still bei der „Maria 2.0“-Debatte. Warum?

Das kommt jetzt in Bewegung. Immer mehr Frauen sprechen darüber.

Halten Sie Kirchenstreiks für ein legitimes Mittel, oder geht das zu weit?

Ich finde, auch Streiks sind wichtig, um Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Es geht ja auch nur um eine Woche, nicht um das Lahmlegen des gesamten kirchlichen Lebens. Das ist legitim.

Treffen wir Sie mal streikend vor einer Kirche an?

Wer weiß – ja, kann sein.

Würden Sie sich etwas mehr Mut bei unserem Kardinal Marx wünschen?

Ich vermute, wir werden darüber reden – spätestens nach diesem Interview... Man merkt bei vielen Geistlichen im vertraulichen Gespräch, wie viel Bedürfnis nach Veränderung da ist. Wir haben in Politik und Wirtschaft schon länger gelernt: Es hat noch nie geschadet, wenn es gemischte Teams und Frauen in der Führung gibt.

Kirche: Bewegt sich Papst Franziskus?

Viele Bischöfe verweisen auf den synodalen Weg, der im Herbst solche Fragen abwägen soll. Fühlen Sie sich Jahr um Jahr vertröstet?

Ich fürchte, genau das ist das Problem – über Jahrzehnte hat sich nicht wirklich etwas getan. Ich weiß – auch in der Politik geht es nicht immer schnell. Aber jetzt haben wir in der Kirche eine enorme Chance mit dieser Bewegung der selbstbewussten Frauen. Das sollte die Kirche dringend ernst nehmen.

Trauen Sie diesem Papst zu, sich in solchen Fragen zu bewegen?

Bei Papst Franziskus kann ich es mir vorstellen. Ob Rom, wenn ich das so pauschal sagen darf, schon so weit ist, muss ich leider bezweifeln.

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