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Politik und Kirchen rufen zu Protesten gegen Pegida auf.

Demonstrationen

Kirchen und Bürger rufen zu Protest gegen „Pegida“

Dresden/München - Vor einer Woche mobilisierte „Pegida“ in Dresden 15.000 Anhänger. Bürger in vielen Städten wollen dagegen ein Zeichen setzen.

Kirchen, Gewerkschaften und Bürgergruppen haben zu Kundgebungen gegen die islamfeindliche „Pegida“-Bewegung aufgerufen. Kurz vor dem Weihnachtsfest wollen sie am Montag in München, Kassel, Dresden und anderen Städten für Toleranz und Respekt gegenüber Flüchtlingen demonstrieren. Auch Anhänger des Bündnisses „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) wollen auf die Straße gehen. In Dresden haben sie zu einem „gemeinsamen Weihnachtsliedersingen“ vor der Semperoper aufgerufen.

In den vergangenen Wochen hatten sich in Sachsens Landeshauptstadt jeweils Tausende Bürger an den „Pegida“-Kundgebungen beteiligt, zuletzt rund 15.000 Menschen. Sie demonstrieren für eine strengere Asylpolitik und gegen eine vermeintliche Islamisierung der Gesellschaft. In anderen Städten gab es ähnliche Aufrufe, denen aber deutlich weniger Bürger folgten.

"DDR hat sich nie als multikulturell verstanden"

Der Sozialpsychologe Andreas Zick sieht darin Zeichen für ein Auseinanderdriften der alten und neuen Bundesländer. „Die eigene Abstiegsangst macht einem Probleme, also redet man lieber über die Überfremdungsangst durch Andere“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Dieser psychologische Mechanismus sei im Osten stärker verbreitet als im Westen, „weil die Leute tatsächlich etwas verloren haben, nach der Wende“.

Die Menschen dort hätten einen drastischen gesellschaftlichen Wandel hautnah erlebt, sagte Zick. Die DDR selbst habe sich nie als multikulturell verstanden. Im Westen dagegen habe man dieses Selbstverständnis langsam und mühsam entwickelt. „Und gegen diese Idee, dass eine vielfältige Gesellschaft zu uns gehört, wendet sich die Bewegung ja am allermeisten.“

In Dresden haben 8,2 Prozent der Bewohner einen Migrationshintergrund, in Kassel sind es laut Statistik 35,1 Prozent. Die Menschen in Ostdeutschland könnten deshalb weniger eigene Erfahrungen mit Ausländern oder Menschen mit Migrationshintergrund machen, sagte Zick. So sei es möglich, den Islam trotz seiner vielfältigen Ausprägungen zu verallgemeinern.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich erinnerte die Bürger daran, dass ihnen seit 25 Jahren die Welt offen stehe. „Und genauso ist und muss uns die Welt auch in Sachsen willkommen sein, ohne Mauer in den Köpfen und mit Neugier, wie wir Bereicherung erfahren können“, mahnte der CDU-Politiker in der „Leipziger Volkszeitung“ (Montag).

Nach Einschätzung seines Innenministers Markus Ulbig (CDU) sind die „Pegida“-Organisatoren nicht an Gesprächen über ihre Forderungen interessiert. Womöglich solle sogar ein Mythos aufgebaut werden, wonach die Politik das Gespräch verweigere, sagte er der dpa.

Fahimi (SPD): "Geistige Brandstifter"

In der Debatte um die islamfeindlichen Pegida-Demonstrationen hat SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi deren Organisatoren als "geistige Brandstifter" bezeichnet. Die Warnung vor vermeintlicher Islamisierung sei purer Populismus, sagte Fahimi der "Welt am Sonntag". Fahimi warf den Pegida-Veranstaltern vor, den Boden für fremdenfeindliche Gewalt zu bereiten. "Durch eine solche Atmosphäre fühlen sich manche Wahnsinnige zu Anschlägen auf Flüchtlingsheime ermuntert wie zuletzt in Franken", sagte die SPD-Generalsekretärin mit Blick auf die jüngsten Brandanschläge auf geplante Flüchtlingsunterkünfte bei Nürnberg.

"Wir brauchen keine Pegida"

Der Zentralrat der Muslime rief dazu auf, sich intensiver mit den „Pegida“-Anhängern auseinanderzusetzen. „Die Ängste, die sie umtreiben, ist die Schere zwischen arm und reich, die größer wird“, sagte der Vorsitzende Aiman Mazyek am Samstag im rbb-Inforadio. Die Muslime in Deutschland verurteilten selbst seit Jahren die radikalen Auswüchse des Islams. „Wir brauchen keine „Pegida“, um gegen diese Formen zu protestieren. Die Muslime selber demonstrieren dagegen.“

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sagte der „Welt“ (Samstag), „Pegida“ instrumentalisiere die Angst vor islamistischem Terror, um eine ganze Religion zu verunglimpfen. „Das ist absolut inakzeptabel.“

Der evangelische Landesbischof Ralf Meister aus Hannover warnte in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, man dürfe die Demonstranten nicht grundsätzlich unter den Vorwurf des Rechtsradikalismus stellen. Vielmehr müssten ihre Sorgen und Ängste ernst genommen werden.

"Keine arglosen Bürger"

SPD-Bundesvize Ralf Stegner sagte der dpa, er wolle zwar keinesfalls Tausende Demonstranten als Nazis bezeichnen. „Aber arglose Bürger, die nicht wissen, was dort geschieht, sind das nicht. Das müssten solche sein, die Augen, Ohren und Nase zuhalten. Das stinkt nämlich, das ist inhaltlich rechts, und das kann man hören und sehen.“

dpa/afp

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