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Kita-Streiks werden fortgesetzt.

Bürger in der Bredouille

Kita, Flughafen und Krankenhaus: Nach den Osterferien droht der nächste Streik

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Kurz vor einer neuen Tarifrunde im öffentlichen Dienst müssen sich die Bürger wieder auf bundesweite Warnstreiks einstellen.

München - Kaum ist für viele Eltern der erste Schreck vorbei, folgt schon der zweite: Am Dienstag, 10. April, wird in zahlreichen städtischen Kindertageseinrichtungen wieder gestreikt. In vielen Kitas hängen bereits Zettel, auf denen die Eltern informiert werden, dass ihre Einrichtung an diesem Tag geschlossen bleibt. Im öffentlichen Dienst verhandeln die Gewerkschaft Verdi und die kommunalen Arbeitgeberverbände weiterhin hart über neue Tarife.

Dorothee Katzer (Name geändert) aus Sendling, deren einjähriger Sohn eine städtische Krippe besucht, bringt der nächste Streik erneut in die Bredouille. „Unser Leben ist eh schon angespannt, weil mein Mann und ich beide fast Vollzeit arbeiten“, sagt die Therapeutin. Die Großeltern leben weit entfernt, die Babysitterin hat tagsüber keine Zeit, und von der Nachbarin lässt sich der Kleine nicht stundenlang fremdbetreuen. „Wahrscheinlich arbeiten wir dann beide zähneknirschend nur halbtags“, so Katzer.

Ihre Freundin Berta Laroche (Name geändert) dagegen hat Verständnis für den Streik. „Die Erzieher werden viel zu wenig gewürdigt“, sagt die Mutter dreier Kinder, die selbst als Betreuerin in einer Kita aushilft. „25 Kinder in einer Gruppe den ganzen Tag zu beschäftigen, und zwar pädagogisch sinnvoll und individuell – das ist eine unglaubliche Arbeit. Dafür haben sie mehr Geld verdient.“ Der Weg dahin „führt eben nur über Streik“: indem über die Eltern indirekt Druck auf die Arbeitgeber ausgeübt werde.

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Zeichen für Verhandlungsrunde am 15. und 16. April

Laut dem Münchner Verdi-Geschäftsführer Heinrich Birner ist bisher nur das Kita-Personal entschieden, am 10. April erneut in den Ausstand zu treten. Wie viele Kitas betroffen sind, lässt sich laut Bildungsreferat erst kurzfristig absehen (aktuelle Informationen auf muenchen.de/kita). Beim ersten Warnstreik am 22. März hatten 209 der 430 städtischen Kitas geschlossen. Welche anderen Einrichtungen des öffentlichen Diensts ebenfalls am Streik teilnehmen, wird Birner zufolge am 6. April entschieden. Beim Streik am 22. März waren in München mehr als 3000 Angestellte auf die Straße gegangen (wir berichteten).

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Erst kürzlich hatte Verdi-Chef Frank Bsirske erneut bundesweite Warnstreiks zwischen dem 9. und 13. April angekündigt. Im Tarifstreit für die 2,3 Millionen Beschäftigten bei Bund und Kommunen seien die beiden bisherigen Verhandlungsrunden „komplett ergebnislos“ geblieben, so Bsirske. Jetzt sei es Zeit, vor der nächsten Verhandlungsrunde am 15. und 16. April ein deutliches Zeichen zu setzen.

Verdi fordert unter anderem sechs Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 200 Euro mehr im Monat. Zudem sollen Auszubildende und Praktikanten 100 Euro mehr im Monat bekommen.

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