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„Zu hektisch, zu impulsiv“: Horst Seehofer und sein Mitarbeiter Alexander Dobrindt (r.).

CSU heizt Streit über Homo-Ehe an

Klare Kante und schrille Töne

München - Es ist C-Woche für die CSU. Bei zwei Treffen mit den großen Kirchen hebt die Regierungspartei ihre christlichen Fundamente hervor. Einer langt dabei sehr kräftig hin: Generalsekretär Dobrindt klagt über „schrille“ Schwule.

„Ach, wissen Sie“, holt Horst Seehofer gedehnt aus und bittet dann um Gelassenheit. Wenn er so anfängt, bedeutet das oft: Er ist unzufrieden, will sich’s aber nicht anmerken lassen. Er habe sich „dieses Ritual“ längst abgewöhnt, sagt er, am Montag die Interviews des Wochenendes zu kommentieren.

Dabei war das Interview-Wochenende recht kernig. Der wichtigste Mitarbeiter des Parteichefs, Generalsekretär Alexander Dobrindt, sagte der „Welt am Sonntag“ aufsehenerregende Sätze zur Debatte über die Homo-Ehe . „Schrille Minderheit“ nannte Dobrindt die Homosexuellen. 17 Millionen Ehen und 30.000 eingetragene Lebenspartnerschaften gebe es. „So sind die Gewichte verteilt. Und das muss sich auch in der politischen Debatte abbilden. Einzelgruppen dürfen nicht den Ton angeben.“ Es gebe ein „Zerrbild“ von „Zeitgeistgetriebenen“.

Auf der politischen Bühne sorgen Dobrindts Worte für Wirbel, vor allem das Adjektiv „schrill“. Als das verstehen sich nämlich die meisten Homosexuellen mitnichten. Manche eher als bürgerlich, viele wählen CDU und CSU, der ein oder andere arbeitet sogar in Dobrindts Landesleitung, manche sitzen für die Union im Parlament. Jens Spahn etwa, für die CDU im Bundestag. „Das Gerede von einer schrillen Minderheit, die für sich eine besondere Lebensphilosophie angenommen habe, ist eine intellektuelle Beleidigung“, sagt Spahn. Er erwägt, im Bundestag parteiübergreifend ein Ehegattensplitting für Homosexuelle durchzuboxen. Auch die FDP distanziert sich scharf. „Ein Weltbild und Gesellschaftsbild aus dem Mittelalter“ rügt Landtagsfraktionschef Thomas Hacker die „diskriminierenden Äußerungen“.

"Mittelalter", grollt der Partner FDP 

Mal wieder ein Hauskrach in den Koalitionen, das dürfte Dobrindt einkalkuliert haben. Er formuliert gern mal klar („Falschmünzer“, „Gurkentruppe“). Sein Kalkül: Durch eine scharfe Abgrenzungsrhetorik will er in der Debatte um die Homo-Ehe, die viele CSU-Wähler irritiert hat, einen hart konservativen Kurs fahren. Wenn die Union die Stammwähler gut mobilisiere, ohne sich zu sehr auf Wechselwähler einzulassen, könne sie damit im Herbst in Bund und Bayern gewinnen. Noch dazu ist konservativ-christliche Woche in der CSU. Gestern tagte das Präsidium demonstrativ mit dem Zentralkomitee der Katholiken um Alois Glück, heute folgen hochrangige Gespräche der Staatsregierung mit der evangelischen Kirche.

Ganz so klar ist das in der Partei allerdings nicht. Dobrindt hämmert auf einen sensiblen Punkt. Die Union verliert seit Jahren in Großstädten, wo sich die Lebensrealität schneller als anderswo weg vom klassischen Familienbild wandelt, eine Wahl nach der anderen. CSU-Politiker aus München und Nürnberg, Leute wie Josef Schmid und Markus Söder, raten eher zu einem liberaleren Kurs.

Partei diskutiert lebhaft: Dobrindt habe "absolut Recht"

In der Partei wird nun lebhaft diskutiert. Dobrindt habe „absolut Recht“, sagt der frühere Parteichef Erwin Huber. „Die Union sollte sich vorrangig um Verbesserungen für die Familie kümmern, sonst verliert sie bei konservativen Stammwählern noch den Rest an Vertrauen.“ Mehr um die stillen Anhänger kümmern als den schrillen Stimmen nachzulaufen, verlangt er. Der junge Münchner Abgeordnete Markus Blume hingegen mahnt, es gebe heute „verschiedene Formen des Zusammenlebens, bei denen Partner Verantwortung füreinander übernehmen“. Politik müsse das anerkennen, „gerade in Metropolen wie München, wo es sich nicht um ein Nischenthema handelt“.

Und der Chef? In der Präsidiumssitzung sei er, so heißt es, nicht scharf auf Distanz zu Dobrindt gegangen. Seehofer habe aber für sich und seine Familie jegliche Vorbehalte gegen Homosexuelle zurückgewiesen. Er sei nicht glücklich mit dem Wort „schrill“, wolle weniger Konfrontation. „Ach, wissen Sie“, sagt Seehofer also vor der Tür zu den Journalisten. Die CSU wolle besonderen Schutz von Ehe und Familie – ohne gleichgeschlechtliche Partnerschaften „zu diskriminieren oder gar auszugrenzen“. Er habe Respekt „auch vor diesen Lebensgemeinschaften, soweit dort Verantwortung und Sorge füreinander gelebt werden“.

Seehofer bleibt bei seinem Plan, auch in Steuer- und Adoptionsfragen bei der Homo-Ehe nicht anzuschieben, sondern weitere Urteile des Verfassungsgerichts im Sommer abzuwarten. Derzeit laufe ihm da manches „zu hektisch und zu impulsiv“.

Christian Deutschländer / Christoph Trost

 

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