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Söders neuer Zupacker: Gesundheitsminister Klaus Holetschek rückt in den Vordergrund - er erbt die Corona-Baustellen

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Von: Sebastian Horsch, Christian Deutschländer

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Holetschek trägt eine FFP2-Maske
Der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek. © Frank Hoermann/SVEN SIMON via www.imago-images.de

Selten schiebt Markus Söder jemand anderen ins Rampenlicht als sich. Die nächste große Regierungserklärung zu Corona aber delegiert der neue Gesundheitsminister Klaus Holetschek.

München – Klaus Holetschek (CSU) war gerade sieben Wochen als Staatssekretär im Gesundheitsministerium, da zog er einen Vergleich aus der Luftfahrt. Um die in die Kritik geratene Ministerin Melanie Huml (CSU) zu unterstützen, hatte ihn Markus Söder gerade vom Bauministerium in ihr Haus versetzt. Holetschek saß also in seinem neuen Büro und erklärte wortreich, dass er sich als Humls „Co-Pilot“ verstehe. Ein Bild, das er sich vielleicht verkniffen hätte, wenn er damals schon gewusst hätte, dass der Ministerpräsident bald dazu übergehen würde, die Corona-Totenzahlen in Flugzeugabstürze umzurechnen. Doch das konnte Holetschek im Oktober noch nicht ahnen. Und erst recht nicht, dass Söder ihm schon drei Monate später das Steuer in die Hand drücken würde.

Anfang Januar, am Dreikönigstag, verkündete Söder beinahe beiläufig, dass Holetschek ab sofort das Ministerium leitet und Huml sich künftig in der Staatskanzlei um Europafragen kümmert. Heute, nur drei Wochen später, soll der neue Minister sogar seine erste Regierungserklärung halten. Eine öffentlichkeitswirksame Aufgabe, die Söder in Corona-Zeiten bisher stets selbst wahrgenommen hatte.

Söders neuer Gesundheitsminister: Klaus Holetschek ersetzte in Kritik geratene Melanie Huml

Für Holetschek, der noch vor einem Jahr nur ausgewählten Bayern bekannt war, ist das ein steiler Aufstieg. Ganz aus dem Nichts kommt er aber auch nicht. Gerade in der Gesundheitspolitik – in der er sich zuhause sieht – ist der 56-Jährige kein Unbekannter. Zudem ist der Landtagsabgeordnete Holetschek in seiner Fraktion ungewöhnlich gut verdrahtet. Als er ins Kabinett berufen wurde, brandete unter den CSU-Abgeordneten ehrlicher Applaus auf, berichten Teilnehmer. In einem Gremium, in dem sich mindestens 80 Leute selbst für einen besseren Staatssekretär halten – Eigen- und Fremdeinschätzung differieren da –, ist das ungewöhnlich. Mit Fleiß und ohne Allüren baute Holetschek sein Netz auf. „Macht mehr, labert weniger“, heißt es über ihn.

Ein Wesenszug, den auch Söder zu schätzen scheint. Man kennt sich gut aus der Jungen Union. In den 80ern, als sich Söder Strauß-Poster übers Bett hängte, war Holetschek JU-Funktionär in Schwaben, eine Ewigkeit lang bis 2001. Der Kontakt hielt, als Holetschek kurze Zeit Hinterbänkler im Bundestag wurde und dann Bürgermeister in Bad Wörishofen, auch keine Weltstadt. Jetzt im Kabinett schätzt Söder ihn, weil der Neu-Minister ohne Gemaule Aufträge abarbeitet. Nicht, dass man Söder offen Wünsche abschlägt, mancher Minister sitzt sie aber nach etlichen Runden mit Bedenkenträgern aus. Und, was im Machtbetrieb Politik halt auch zählt: So charismatisch, dass er Söder mal gefährlich werden könnte, ist Holetschek auch wieder nicht. Auch wenn’s reicht, um in einem mittelgrauen Kabinett etwas hervorzuscheinen.

Klaus Holetschek: Erster Eindruck scheint positiv - Er und Markus Söder kennen sich aus der Jungen Union

Im Gesundheitswesen wollen viele zwar noch ein bisschen abwarten, was der neue Minister so bringt, doch der erste Eindruck scheint auch hier überwiegend positiv. „Pragmatisch“, „lösungsorientiert“, „hohe Schlagzahl“ –das sind Attribute, die ihm diejenigen zuschrieben, die bereits mit ihm zu tun hatten. Bei den bayerischen Krankenkassen hat man zudem schon im Herbst anerkennend wahrgenommen, dass der damalige Staatssekretär Holetschek bereits in seinen ersten Wochen Gespräche führte, um die man die Ministerin Huml lange vergeblich gebeten hatte.

Doch in der Branche gibt es auch Skepsis. Spuren von Aktionismus seien hier und da zu erkennen, heißt es. Gespannt wird zudem erwartet, wie fundiert Holetschek systemische Probleme wie den Fachkräftemangel in der Pflege anpackt. Manche haben da ihre Zweifel. Auch aus der Opposition kommen abwartende Töne. „Schauen wir mal, wie er sich im neuen Amt entwickelt“, sagt Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze. „Die Gesundheitsämter, den Schutz vulnerabler Gruppen und eine bessere Impfstrategie“ – diese Baustellen müsse Holetschek in den Griff bekommen. Gelingt es ihm nicht, drohen in diesen Zeiten schnell Turbulenzen. (Christian Deutschländer und Sebastian Horsch)

Geschäfte, Restaurants und Schulen bleiben bis mindestens Mitte Februar geschlossen. Wie geht es danach weiter? Die Forderung eines Virologen ist eindeutig: ein rasches Ende des Corona-Lockdowns.

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