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Der ehemalige Bundesaußenminister Klaus Kinkel (FDP) ist tot.

Früherer FDP-Vorsitzender 

Ex-Außenminister Klaus Kinkel ist tot - Reaktionen aus der Politik

Der ehemalige Bundesaußenminister Klaus Kinkel ist tot. Der frühere FDP-Vorsitzende ist im Alter von 82 Jahren gestorben.

Ex-Außenminister Klaus Kinkel gestorben - Maas würdigt seinen Vorgänger

14.16 Uhr: Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat die Verdienste seines verstorbenen Vorgängers Klaus Kinkel um Deutschland gewürdigt. Kinkel habe "sehr viel dazu beigetragen, dass dieses wiedervereinigte Deutschland seinen Platz in der Welt gefunden hat und in Frieden und Respekt mit seinen Nachbarn lebt", erklärte Maas am Dienstag." Kinkel habe die deutsche Außenpolitik "in einer Zeit weltpolitischer Umbrüche" geprägt.

"Wir verlieren mit ihm einen väterlichen Freund", erklärte FDP-Chef Lindner. "Er war uns bis in diese Tage ein weiser und bisweilen leidenschaftlicher Ratgeber - dabei war er immer loyal und diskret." Kinkel habe "für unser Land und unsere Partei mehr bewirkt, als öffentlich mitunter wahrgenommen wurde", fügte Lindner hinzu.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) lobte Kinkel als "besonnenen Außenpolitiker". Er schrieb in einem Kondolenzbrief an Kinkels Witwe: "Als nach dem Fall des Eisernen Vorhangs die Beziehungen zwischen West und Ost auf dem Kontinent neu geknüpft wurden, hat Ihr Mann als Außenminister und Vizekanzler in besonderer Weise dazu beigetragen, international Vertrauen aufzubauen."

Die Grünen-Chefs Annalena Baerbock und Robert Habeck erklärten, mit Kinkel verliere Deutschland "einen versierten Außenpolitiker und aufrechten Verteidiger von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit". Nach der Wiedervereinigung habe er Deutschlands Rolle in Europa und der Welt entscheidend mitgestaltet.

Ex-Außenminister Klaus Kinkel ist tot - Merkel trauert

11.52 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel trauert um den gestorbenen ehemaligen Außenminister und FDP-Vorsitzenden Klaus Kinkel. „Ich trauere um einen treuen Weggefährten aus der Zeit nach der deutschen Wiedervereinigung. Klaus Kinkel war ein großer Liberaler und ein kompromissloser Streiter für Freiheit und Demokratie“, ließ die Kanzlerin die stellvertretende Regierungssprecherinn Ulrike Demmer am Dienstag via Twitter mitteilen.

11.18 Uhr: Jean-Claude Juncker hat sich auf Twitter zum Tod von Kinkel geäußert: Mit Klaus Kinkel verliere ich einen guten Freund und einen Wegbegleiter in europäischen Fragen, mit dem ich in den essentiellen Fragen unseres europäischen Wirkens immer wieder zusammenfand. Uns verlässt ein deutscher Patriot und ein großer Europäer.  

Ex-Außenminister Klaus Kinkel ist tot

Berlin - Der ehemalige Bundesaußenminister Klaus Kinkel ist tot. Der frühere FDP-Vorsitzende starb am Montag im Alter von 82 Jahren, wie der heutige Parteichef Christian Lindner unter Berufung auf die Familie am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Kinkel war von 1992 bis 1998 Bundesaußenminister und zwischen 1993 und 1995 FDP-Vorsitzender. Die Beisetzung findet auf Kinkels Wunsch im engsten Kreis statt. 

Video: Die wichtigsten Stationen im Leben des Klaus Kinkel

Klaus Kinkel wollte eigentlich Arzt werden 

Bevor er Minister wurde, gehörte Kinkel bereits lange Zeit zu den Spitzenbeamten der Republik. Den Regierungsapparat kannte er wie kaum jemand sonst. Trotzdem legte er großen Wert darauf, kein typischer Berufspolitiker zu sein. Auf Kritik an seinem Stil entgegnete er: „Ich habe nie verborgen, dass ich eine offene und manchmal auch schwäbisch-rabauzige Art habe.“

Eigentlich wollte Kinkel - geboren 1936 in Metzingen, in der schwäbischen Provinz - Arzt werden. Genau wie der Vater. Nach den ersten beiden Semestern an der Universität wechselte er aber zur Juristerei. 1964 machte er seinen Doktor, ging zum Staat, ins „Bundesamt für zivilen Bevölkerungsschutz“, wie das damals hieß, einer Unterbehörde des Innenministeriums. 1970 wurde er vom seinerzeitigen Ressortchef Hans-Dietrich Genscher (FDP) entdeckt.

Die nächsten Jahre war seine Karriere aufs Engste mit Genscher verknüpft. Der Innenminister machte ihn zum persönlichen Referenten und Büroleiter. Zu Kinkels heikelsten Aufgaben gehörte es, dem SPD-Kanzler Willy Brandt ein Dossier zu übergeben, das die Nachrichtendienste über dessen Privatleben angelegt hatten. Der Inhalt trug 1974 dazu bei, dass Brandt seinen Rücktritt einreichte.

Mit Genscher wechselte Kinkel ins Auswärtige Amt 

Kurz darauf wechselte Kinkel zusammen mit Genscher ins Auswärtige Amt, zunächst als Chef des Leitungs-, dann des Planungsstabs. Über die Jahre wurde er, was die beiden FDP-Aufsteiger Guido Westerwelle und Jürgen Möllemann bei allen Ambitionen nie schafften: Genschers „politischer Ziehsohn“. Trotzdem blieben Kinkel und Genscher bis zum Schluss beim Sie.

1979 sorgte Genscher dafür, dass Kinkel als erster Zivilist Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND) wurde. Fast vier Jahre lang leitete er den Geheimdienst ohne größere Skandale. Kinkel bewies, dass er auch schweigen konnte. Dann zog es ihn zurück in den Politbetrieb, ins FDP-geführte Justizministerium. Zur gleichen Zeit traf ihn eine private Tragödie: Seine älteste Tochter - eines von vier Kindern - starb mit 20 Jahren bei einem Verkehrsunfall.

Als Staatssekretär und schließlich als Justizminister saß Kinkel an einer der Schaltstellen der schwarz-gelben Koalition von Kanzler Helmut Kohl (CDU). 1992, nach Genschers überraschendem Rücktritt, beerbte er dann seinen Förderer im Auswärtigen Amt. Nicht ohne Drama: Erst in einer FDP-internen Kampfabstimmung setzte er sich gegen Irmgard Adam-Schwaetzer durch, die sich schon als erste deutsche Außenministerin gefühlt hatte. Das Klima bei den Freidemokraten war danach ziemlich vergiftet.

Kinkel führte das Auswärtige Amt über sechs Jahre lang. Es waren die Jahre nach dem Zusammenbruch des Ostblocks, die Jahre vor dem 11. September. Verglichen mit heute einigermaßen ruhige Zeiten. Später sagte er einmal: „Die Welt war damals nicht in Ordnung. Aber sie schien es zu sein.“ In seine Amtsjahre fielen zum Beispiel der Völkermord in Ruanda und das Massaker an 8000 Bosniern in Srebrenica.

Zwei Jahre lang stand Klaus Kinkel er an der Spitze der FDP 

Zwei Jahre lang stand Kinkel auch an der Spitze der FDP, zwischen 1993 und 1995. Nach einer Serie von Wahlniederlagen ließ er es nach einer einzigen Amtszeit aber sein. Kinkel - durchaus von einiger körperlicher Stärke und auch stolz darauf - wurde aufgerieben zwischen dem Stressjob im Auswärtigen Amt und den Machtspielen in der Partei.

Nach der Abwahl von Schwarz-Gelb saß er noch bis 2002 im Bundestag. Später arbeitete er als Anwalt. Ein paar Jahre lang war Kinkel auch Vorsitzender der Stiftung der Deutschen Telekom. Bis ins hohe Alter spielte er Tennis, ging Laufen oder fuhr Ski. Zuletzt lebte er in Sankt Augustin bei Bonn.

Nur selten noch gab er Interviews, noch seltener sagte er etwas zur tagesaktuellen Weltpolitik. In einem seiner letzten Interviews, mit der deutschen Ausgabe der „Huffington Post“, klagte er vergangenes Jahr: „Die ordnende Weltmacht Amerika ist unter Trump zu einem gigantischen Unruhefaktor geworden. Es ist zum Fürchten und Lachen, wenn es nicht so traurig wäre.“

Meist ging es in solchen Gesprächen aber eher um die grundsätzlicheren Dinge. Wie die Erkenntnis: „Man hat selbst als Außenminister eines großen Landes nur beschränkte Möglichkeiten gegenüber den Problemen der Welt. Ich jedenfalls bin als Außenminister eher demütig geworden.“

dpa

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