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Kalte Schulter nach Affäre: Alexander König (r.) mit Horst Seehofer.

Abgeordneten-Affäre

"Kamera-König" will sich rächen

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München – Der Moment, als Alexander König seine Karriere ruinierte, gehört zu den unterhaltsamsten Schilderungen der Landespolitik überhaupt. Und sie krönen die Abgeordneten-Affäre 2013. Nun schlägt er zurück.

Er sei in einen Laden marschiert, teilte der Abgeordnete mit, habe „ohne lange zu überlegen oder auszuprobieren“ einen Fotoapparat gekauft. Für über 6000 Euro Steuergeld, wahllos. Zuhause erst habe er gemerkt, dass die Leica „schwer, unhandlich und (...) unpraktisch“ war.

König, seine Kamera und die umwerfende Erklärung dafür waren der Höhepunkt der Abgeordneten-Affäre 2013. Er hatte „das Ding“ und weitere Kameras zunächst über die Technik-Pauschale für Abgeordnete abgerechnet, das Geld später diskret erstattet, als Medien und Rechnungsprüfer zu recherchieren begannen. Seinen Fehlkauf versuchte er im Landtag bis zuletzt zu verschweigen. Es misslang. Der Vize-Fraktionschef, Parlamentarischer Geschäftsführer seiner CSU-Fraktion, verlor in der Folge seine Ämter und den Respekt vieler Kollegen. Die Vorgeschichte muss man kennen, um die neueste Finte des Herrn König zu verstehen.

Mit einer schriftlichen Anfrage an die Staatsregierung versucht der Oberfranke zu ermitteln, welche „Privilegien für Journalisten“ eingeräumt würden. In sieben präzisen Fragen erkundet König, welche Gründe es für Privilegien gebe, ob im Einzelfall überprüft werde, was davon der journalistischen Arbeit diene. Ob Journalisten ihnen „nahestehende Personen“ profitieren lassen. Was von den Privilegien als geldwerter Vorteil versteuert werden müsse.

Kollegen vermuten hinter Königs ungewöhnlicher Anfrage tief sitzenden Groll. Unsere Zeitung hatte im August 2013 seinen Kamera-Kauf öffentlich gemacht. Der Spott „Balla-balla Leica“ schaffte es bis in die FAZ. Recherchen mehrerer Medien hatten zuvor Königs Rolle in der Verwandtenaffäre aufgedeckt: Er zählt zu jenen Abgeordneten, die in 2000 noch schnell die Ehefrau als Mitarbeiterin einstellten, um unter eine Altfall-Regel zu schlüpfen. Das wog besonders schwer, weil König später im Ältestenrat saß und die interfraktionelle Gruppe zum Abgeordnetenrecht leitete – Posten, die mehr Sensibilität bei den legalen, aber moralisch fragwürdigen Familien-Jobs erfordert hätten.

Ende März beendete eine BR-Recherche auch noch die Praxis, dass Abgeordnete kostenlose Theaterkarten erhalten. Von genau jenem Tag stammt Königs schriftliche Anfrage. Sie ist noch nicht veröffentlicht, aber kursiert auf den Landtagsfluren.

Die Staatsregierung hat nun keine Wahl und muss die Fragen in allen Ministerien recherchieren und beantworten. Königs Reaktion dürfte unterhaltsam werden. Er zählt zu den impulsiveren und wortgewaltigeren Abgeordneten. Per Interview beschimpfte der 52-Jährige zum Beispiel im Oktober Parteifreunde, die immer schön brav machten, „was die Obrigkeit will“. Während er sich „über Jahre für den Laden den Hintern aufgerissen“ habe. Im Streit zwischen oberfränkischen Politikern zürnte er CSU-Ministerin Melanie Huml, sie lasse Kollegen „ins Verderben laufen“. Verdorben hat er es sich auch mit dem Rechnungshof. Als die Prüfer nervten, drohte König ihnen die Zwangsverlegung nach Wunsiedel an.

Mit Transparenz in eigenen Fragen überstürzt es König indes nicht mehr. Auf seiner Internet-Seite posiert er noch als Fraktionsvize und mit allen Ämtern, die er wegen seiner Affären verlor.

Christian Deutschländer

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