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„Fehler, sie abzuschalten“: Thunberg hält AKW-Weiterbetrieb im Moment für sinnvoller

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Aktivistin Greta Thunberg spricht bei einem globalen Klimastreik in Berlin (Archivbild, 24. September 2021). © IMAGO / Emmanuele Contini

Wenn die Atomkraftwerke schon laufen, wäre es eine schlechte Idee, sie abzuschalten und auf Kohle zu setzen, sagt Klimaaktivistin Greta Thunberg. Eine Klatsche für die Grünen in Deutschland?

Berlin - Während die Ampel-Koalition im Streit um die Atomkraftwerke in Deutschland noch keine Einigkeit erzielen konnte, erhalten Atomkraft-Befürworter Unterstützung von unerwarteter Seite. Die Klimaaktivistin Greta Thunberg sagte in einem am Dienstag auf Twitter geteilten Interviewausschnitt mit Sandra Maischberger, dass es ein Fehler wäre, die Atomkraftwerke „abzuschalten und sich der Kohle zuzuwenden.“

Debatte um Atomkraftwerke in Ampel-Koalition: „Die Zeit drängt“

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat die FDP aufgefordert, bei der geplanten Atomkraft-Reserve mitzuziehen. „Die Zeit drängt“, sagte Habeck dem Spiegel laut einer Meldung vom Dienstag. „Wenn man will, dass die Atomkraftwerke nach dem 31. Dezember noch Strom produzieren können, muss man jetzt den Weg dafür frei machen.“ Die FDP wies ihrerseits zurück, dass der Zeitplan für den geplanten Weiterbetrieb von zwei Atomkraftwerken in Gefahr gerate.

Habeck hatte vorgeschlagen, die Nutzung der Atomkraftwerke Isar 2 in Bayern und Neckarwestheim 2 in Baden-Württemberg als Reserve in der Energiekrise bis maximal Mitte April 2023 zu ermöglichen. Dazu müssen das Atom- und das Energiewirtschaftsgesetz geändert werden. Nach jetziger Rechtslage gehen zum Jahresende alle drei noch laufenden deutschen Atomkraftwerke - das dritte ist das Akw Emsland in Niedersachsen - vom Netz. Nach dem endgültigen Abschalten aller AKWs sollen dann stattdessen Kohlekraftwerke aus der Reserve geholt werden.

Der nötige Kabinettsbeschluss war zunächst für vergangenen Mittwoch geplant gewesen, jedoch nicht erfolgt. Daraufhin wurde ein Beschluss für Montag vorbereitet - auch dieser Termin wurde jedoch gerissen. Hintergrund ist offenbar, dass die FDP alle drei Atomkraftwerke deutlich länger laufen lassen und dafür auch neue Brennstäbe kaufen will. Das FDP-Präsidium hatte sich im Dezember für einen Weiterbetrieb aller drei Kraftwerke bis maximal 2024 ausgesprochen.

Greta Thunberg spricht sich im Interview für einen Weiterbetrieb der AKWs aus

In der Debatte um Atomkraft als Alternative für die fehlenden Gas-Lieferungen aus Russland schaltet sich nun auch die Klimaaktivistin Greta Thunberg ein. In einem Interview mit der Journalistin Sandra Maischberger auf das Thema angesprochen, reagierte sie pragmatisch. „Ich persönlich denke, dass es eine schlechte Idee ist, auf Kohle zu setzen, solange die AKWs noch laufen“, so Thunberg. „Aber das ist natürlich eine sehr aufgeheizte Debatte“, ergänzte die Aktivistin. Auf die Frage, ob die AKW nach der aktuellen Krisenphase überhaupt abgeschaltet werden sollten, sagte Thunberg: „Kommt drauf an, was passiert.“

„Für das Klima wären die Atomkraftwerke die bessere Wahl, zumindest für diesen Moment?“, will Maischberger wissen. „Es kommt darauf an. Wenn sie schon laufen, glaube ich, dass es ein Fehler wäre, sie abzuschalten und sich der Kohle zuzuwenden“, meinte Thunberg. Eine Klatsche für die Grünen? Die FDP jedenfalls fühlt sich in ihrer Ansicht bestätigt: „Selbst Greta Thunberg spricht sich für den Weiterbetrieb der deutschen Atomkraftwerke aus“, schrieb Justizminister Marco Buschmann am Dienstag auf Twitter. „Ein weiterer Beleg dafür, dass das physikalisch (Netzstabilität), ökonomisch (Preisreduktion) und klimapolitisch (Klimaneutralität) richtig ist“, so der FDP-Politiker weiter.

Thunberg schlug auch Alternativen zum Wiedereinsatz von Kohlekraft vor: „Ich glaube, dass es andere Wege nach vorne gibt. Mit Erneuerbaren Energien.“ Sie warnte davor, weiterhin in fossile Energie zu investieren - auch wenn sie die Notwendigkeit verstehe, die Bürger vor zu hohen Energiekosten zu schützen, sagte Thunberg. Die Menschen hätten sich aber auch „selbst abhängig gemacht und eine Gesellschaft geschaffen, in der wir nicht in der Lage sind, mehr als ein Jahr in die Zukunft zu schauen. Das ist nicht nachhaltig!“, sagte die 19-Jährige Aktivistin.

Thunberg kritisierte, dass die Klimakrise immer noch nicht wie eine globale Notlage behandelt werde. Auch in Kriegszeiten dürften die Folgen der Klimakrise aus ihrer Sicht nicht aus dem Blick geraten. „Jeder Krieg ist ein Desaster. Auf ganz vielen Ebenen. Aber wir müssen in der Lage sein, uns mit verschiedenen Dingen zur selben Zeit zu beschäftigen.“(dpa/bme)

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