1. Startseite
  2. Politik

Klimawandel: Grüner oder schmutziger Stahl? Die „Sekt- oder Selters-Frage“

Erstellt:

Von: Leonie Zimmermann, Jens Kiffmeier

Kommentare

Der Klimawandel soll gestoppt werden. Dafür muss die Stahlindustrie grün werden. Ohne Staatshilfen ist das unmöglich, warnt Stephan Weil. Richten soll es: Habeck.

Hannover – Vom einstigen Luftverpester zur grünen Vorzeigeindustrie: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil* (SPD) sieht für die deutsche Stahlindustrie durchaus noch eine Zukunft. Für den Umbau der Schlüsselbranche auf eine grüne Produktionsweise forderte der Landesvater aber ein starkes Engagement der Bundesregierung ein. Die grundsätzliche Veränderung sei nur dann möglich, wenn „der Staat die Unternehmen aktiv unterstützt“, mahnte Weil im Exklusiv-Interview mit kreiszeitung.de*. Klimaschutzminister Robert Habeck* (Grüne) sei nun gefordert, für die vielen Vorhaben beim Klimaschutz ein „schlüssiges Finanzierungskonzept“ vorzulegen.

Deutscher Politiker:Stephan Weil
Partei:SPD
Geboren:15. Dezember 1958 (Alter 63 Jahre), Hamburg
Aktuelles Amt:Ministerpräsident von Niedersachsen

Klimaschutz: Was tun? Stephan Weil will Stahlindustrie mit Wasserstoff umbauen

Weil reagierte damit auch auf die Zielsetzung der neuen Bundesregierung. Die Ampel-Koalition von Bundeskanzler Olaf Scholz* (SPD) hat den Klimaschutz zum Schwerpunkt des Koalitionsvertrages gemacht. Bereits vorletzte Woche legte Habeck ein Sofortprogramm vor, das im April im Kabinett beschlossen und dessen Maßnahmen dann ab 2023 wirken sollen. Unter anderem plädiert der Klimaschutzminister für einen enormen Windkraftausbau und eine bundesweite Solardachpflicht*.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) trägt einen weißen Bauarbeiterhelm und besichtigt den Stahlproduzenten Salzgitter AG.
Fordert einen Umbau der Stahlindustrie: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). © Moritz Frankenberg/dpa

Laut Weil bedeutet der angestrebte Klimaschutz für die meisten Branchen der deutschen Wirtschaft eine enorme Herausforderung und Belastung. „Für viele stellt sich jetzt die Sekt- oder Selters-Frage“, sagte der niedersächsische Ministerpräsident. Als Beispiel nannte er auch die Stahlindustrie, die als einer der größten CO₂-Emittenten hierzulande zählt und die in Niedersachsen mit der Salzgitter AG groß vertreten ist.

Stephan Weil (SPD): Die Maßnahmen für Klimaschutz zahlen sich aus – Preise für Strom und Gas werden langfristig sinken

„Die Verantwortlichen wissen, wie man die Stahlbranche nachhaltiger gestalten kann und das ist technisch auch möglich: mit einer Umstellung auf grünen Wasserstoff*“, stellte Weil klar. Das koste jedoch „ungeheuer viel Geld“. Dennoch nannte er die Umstellung alternativlos. Dies gelte nicht nur aus wirtschaftlichen Erwägungen, sondern auch aus klimapolitischen Gesichtsgründen. „Wenn wir in Deutschland selbst keinen Stahl mehr produzieren würden, dann passiert das anderswo – und dieser Stahl würde dann mit Sicherheit noch unter sehr viel schlechteren Bedingungen produziert als bei uns“, argumentierte der SPD-Landesvorsitzende.

Mit unserem Newsletter verpassen Sie nichts mehr aus ihrer Umgebung, Deutschland und der Welt – jetzt kostenlos anmelden!

Die nationale Kraftanstrengung wird sich aus der Sicht von Weil langfristig aber auszahlen. Zwar räumte der Ministerpräsident ein, dass derzeit hohe Preise für Gas und Strom viele Haushalte belasten* und ausgeglichen werden müssen. Aber am Ende werde die Gesellschaft durch die Umstellung auf erneuerbare Energie enorm profitieren. Denn dadurch könnte einerseits nicht nur die Lebensgrundlage erhalten bleiben, sondern es würde andererseits auch die Wirtschaft durch einen Innovationsschub angekurbelt werden. „Das heißt: Langfristig werden wir meiner Einschätzung nach nicht nur besser, sondern auch preiswerter leben, als wir es jetzt tun“, stellte Weil klar. Bis dahin rechne er aber mit einer „schwierigen Übergangszeit“, so Weil, die bestimmt zehn bis zwanzig Jahre dauern könnte. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare