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Vitali Klitschko kommt nach München

Sicherheitskonferenz

Klitschkos Empfang in München empört Russland

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München - Der ukrainische Oppositionsführer Vitali Klitschko soll am Samstag der Siko-Stargast in München sein. Treffen mit Kerry, Steinmeier und Seehofer sind geplant.

Die Sondermaschine war für Freitagabend gegen 23 Uhr nach Kiew bestellt. Ein Privatjet stand bereit, um Oppositionsführer Vitali Klitschko nach München zu fliegen. Bei der Sicherheitskonferenz der wichtigsten Präsidenten und Außenpolitiker wird der Ukrainer, obwohl als einer der wenigen Gäste ohne Staatsamt, am heutigen Samstag im Mittelpunkt stehen. Es soll ein Klitschko-Tag werden.

Den prominenten Oppositionsführer kurz mitten aus dem Aufruhr in Kiew nach München zu holen, ist einer der Coups der 50. Siko. Für Klitschko könnte die Bühne im Bayerischen Hof freilich auch nicht größer sein. US-Außenminister John Kerry will den früheren Boxweltmeister und Chef der Udar-Partei treffen und über, so lässt er ausrichten, „einen Prozess zurück zur Demokratie“ reden. Mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton sind vertrauliche Treffen geplant – und sogar am frühen Samstagabend ein Gespräch mit Bayerns Regierungschef Horst Seehofer. „Klitschko hat eine Mission, seine Landsleute in ein besseres Leben zu führen“, sagt er, „ein Hoffnungsträger – eindeutig“.

Die ganz große Bühne für den 42-jährigen Klitschko ist natürlich ein Signal an die amtierende ukrainische Führung und an die sie stützenden Regenten in Russland. In Moskau sorgt das für wütenden Spott. „In München wird sich Außenminister Kerry über die Situation in der Ukraine mit dem Boxer Klitschko und der Sängerin Ruslana unterhalten. Das ist Zirkus“, schrieb der russische Vize-Ministerpräsident Dmitri Rogosin im Nachrichtendienst Twitter. In der Tat trifft sich Kerry auch mit der Popsängerin, die in den vergangenen Wochen bei den seit November andauernden Protesten in Kiew kostenlose Konzerte gegeben hatte.

Offizielle Gäste der Siko sind aber auch die Vertreter der ukrainischen Regierung – übrigens während gleichzeitig die US-Regierung und der Kongress über die Möglichkeit von Sanktionen gegen die Führung in Kiew beraten. In München wird auf dem Podium der ukrainische Außenminister Leonid Koschara erwartet – gut möglich, dass er direkt auf Klitschko trifft.

Deutschland und die USA appellierten unterdessen an den ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch, weiter auf die Opposition zuzugehen. Zugleich riefen sie die Konfliktparteien in Kiew zu einem politischen Dialog ohne Gewalt auf. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte Janukowitsch zur Unterzeichnung der vom Parlament beschlossenen Rücknahme umstrittener Gesetze auf. Es sei klar, „dass den Worten nun auch Taten folgen müssen“, sagte sie. „Es muss möglich sein, friedlich zu demonstrieren.“ Sie sehe „einen hohen Veränderungsbedarf in der Ukraine“.

Klitschkos Reise ist indes nicht ohne Risiko. Er fürchtet die Verhängung des Ausnahmezustands in seiner Heimat. Dann nicht im Land zu sein, sondern auf einer Konferenz in einem deutschen Luxushotel, könnte ihm negativ ausgelegt werden.

dpa/cd

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