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Bundeswehrsoldaten steigen im Oktober 2013 auf dem Flughafen von Kundus in eine Transall. Muss die Armee ihren Einsatz in Afghanistan verlängern?

Wird der Rückzug gestoppt?

Koalition erwägt längeren Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr

Berlin - Nach der Eroberung der Stadt Kundus diskutiert die Koalition in Berlin, ob der Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan gestoppt werden muss.

So sprach sich der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold am Dienstag klar für eine Verlängerung des Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan aus. Der stellvertretende Unionsfraktionschef Franz Josef Jung forderte zumindest eine Überprüfung des Abzugsdatums. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sagte, die Nato solle ihre Beschlüsse über die weitere Truppenstationierung nicht nach „starren Zeitlinien“, sondern nach der aktuellen Sicherheitslage treffen.

Die radikalislamischen Taliban hatten am Montag Kundus eingenommen. Am Dienstag starteten die afghanischen Streitkräfte eine Gegenoffensive. Von der Leyen nannte die Sicherheitslage „besorgniserregend“.

Die Bundeswehr hatte sich vor zwei Jahren aus Kundus zurückgezogen, ist aber noch im 150 Kilometer entfernten Masar-i-Scharif stationiert - allerdings nur zur Ausbildung und Beratung der afghanischen Armee. Der Kampfeinsatz der Nato war Ende 2014 nach 13 Jahren ausgelaufen. Bisher ist geplant, ab Anfang des Jahres 2016 alle Nato-Truppen aus der Fläche nach Kabul zurückzuziehen.

Ein weiteres Jahr bis Ende 2016 in voller Stärke?

SPD-Politiker Arnold hält das für zu früh. Die rund 700 deutschen Soldaten im Norden Afghanistans sollten ein weiteres Jahr bis Ende 2016 in voller Stärke dort bleiben. „Angesichts der Situation in Afghanistan wäre es falsch, die Afghanen völlig alleine zu lassen“, sagte er. „Eines kann es nicht geben: Dass wir zuschauen, wie die Taliban das Land überrennen.“ Die Entscheidung liege aber letztlich bei US-Präsident Barack Obama, weil sein Land die meisten Soldaten der Nato-Truppe stelle.

"Wir müssen ein stabiles Afghanistan hinterlassen"

Volker Kauder: Ein früher Abzug könnte „katastrophale Folgen“ haben.

Das betonte auch Unions-Fraktionschef Volker Kauder. „Deutschland kann ohne die Amerikaner allein in Afghanistan nicht bleiben“, sagte er. Der frühere Verteidigungsminister Jung wurde im Interview mit dem „Tagesspiegel“ deutlicher: „Wir müssen prüfen, ob wir das Abzugsdatum halten können, denn wir müssen ein stabiles Afghanistan hinterlassen.“ Das Beispiel Irak zeige, dass ein zu früher Abzug „katastrophale Folgen“ haben könne.

Derzeit sind noch 830 Bundeswehrsoldaten in Masar-i-Scharif und Kabul stationiert. Ein kleines Team der Bundeswehr flog am Dienstag nach Kundus. Die Soldaten hätten sich vorübergehend „zu Abstimmungsgesprächen“ am Flughafen von Kundus aufgehalten, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Dabei sei es darum gegangen, „zu verstehen, wie die afghanische Armee gedenkt, die Hoheit über die Stadt zurückzugewinnen“.

dpa

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