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Unterschiedliche Regierungsbilanz: Markus Söder und Hubert Aiwanger.

Bayerntrend

Söder im Hoch, Aiwanger in der Krise: Koalition in Bayern drohen unruhige Zeiten

  • Mike Schier
    vonMike Schier
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Markus Söder surft weiter auf einer Welle der Beliebtheit durch Bayern. Die Mehrheit der Bürger will deshalb, dass er als Ministerpräsident im Freistaat bleibt. Ganz anders die Stimmung bei den Freien Wählern: Der Koalition drohen unruhige Zeiten.

München – Es ist erst ein paar Tage her, da prägte Hubert Aiwanger in der Diskussion um Billigfleisch ein besonders schönes Bild. Der Büromensch auf dem Vegan-Trip könne ja mit Gemüse über die Runden kommen. Nicht aber der Bauarbeiter. „Wenn der nur einmal die Woche Fleisch kriegt und nur Salat, fällt er am dritten Tag vom Gerüst runter“, sinnierte der Wirtschaftsminister. Kurz darauf forderte ein veganer Kraftsportler den FW-Chef zum Armdrücken heraus.

Es ist nicht verbürgt, wie sich Aiwanger* in den vergangenen Tagen ernährt hat. Aber für einen veritablen Absturz hat es gereicht. In der jüngsten „Bayerntrend“-Umfrage von Infratest dimap für das BR-Magazin „Kontrovers“ kommen die Freien Wähler in der Sonntagsfrage nur noch auf fünf Prozent – drei Prozentpunkte weniger als Ende Mai und sogar 6,6 Punkte weniger als bei der Landtagswahl 2018. Damit kämpft der kleine Regierungspartner plötzlich um die Zukunft im Parlament. Innerhalb der Partei dürfte das zu nervösen Debatten über den richtigen Kurs führen. Und auch in der Koalition könnte es ungemütlich werden. „Jetzt drohen unruhige Zeiten“, sagt ein hochrangiger CSU-Minister.

„Die Freien Wähler sind im Dilemma“, sagt auch Andreas Bachmann, der als Redaktionsleiter von „Kontrovers“ Auftraggeber der Studie ist. „Sie müssen sich von der CSU abgrenzen, ohne dass es nach Zwist aussieht. Dass der den Freien Wählern nichts nützt, haben die vergangenen Wochen gezeigt.“ Mehrfach hatte Aiwanger versucht, Söder zu rascheren Corona-Lockerungen zu drängen. „Bürgerliche Wähler mögen keinen Parteienstreit“, sagt Bachmann.

Söder haben die Differenzen wenig anhaben können. Noch immer erfreut sich der Ministerpräsident außerordentlich großer Beliebtheit: 87 Prozent sind mit ihm zufrieden – drei Prozentpunkte weniger als im Mai. Interessant ist die Frage nach der Kanzlerkandidatur: Hier überrascht weniger, dass 77 Prozent der Befragten Söder für einen guten Kandidaten halten. Interessant ist eher, wie schlecht die CDU-Bewerber in Bayern abschneiden: Friedrich Merz kommt immerhin auf 27 Prozent Zustimmung. Aber Armin Laschet halten nur elf Prozent für einen guten Kandidaten, damit liegt er hinter Außenseiter Norbert Röttgen (18).

Bemerkenswert ist auch, dass die Bayern ihren Ministerpräsidenten in der Mehrheit eher ungern in Berlin sähen. 56 Prozent wollen ihn lieber in München, nur 34 Prozent als Kanzlerkandidat. Unter den CSU-Anhängern ist der Verhältnis 52 zu 43, bei den Grünen sogar 63 zu 26.

Insgesamt profitiert die CSU weiterhin massiv vom Krisenmanagement der Staatsregierung. Bei der Sonntagsfrage kommt sie auf 49 Prozent (+1) – das wäre eine absolute Mehrheit. Auch die Grünen legen einen Punkt auf 20 Prozent zu. „Die Grünen haben sich früh um das Thema Kinderbetreuung und Familie gekümmert, während andere Parteien vor allem Lockerungen für die Gastronomie oder die Wirtschaft im Blick hatten. Das macht sich bezahlt“, sagt Bachmann. Auch die Grünen-Vorsitzende Eva Lettenbauer fühlt sich bestätigt: „Damit die Corona-Krise nicht zu einer verlorenen Zeit für junge Menschen wird, muss sich noch einiges tun.“

Bei den anderen Parteien gab es recht große Bewegungen: Die im Landtag völlig zerstrittene AfD kann in der Umfrage zwei Prozentpunkte auf sieben Prozent zulegen. Die SPD rutschte dagegen wieder auf ihr historisches Tief (7, -2). Kurios: Bei der Frage nach der Coronapolitik der Staatsregierung antworteten 100 Prozent der SPD-Anhänger, sie seien zufrieden. Unter CSU-Anhängern waren es „nur“ 95 Prozent.

Nicht in den Landtag kämen heute FDP und Linke mit je drei Prozent.

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