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Nicht nur materieller Schaden: Ein Einbruch verletzt auch die Privatsphäre und das Sicherheitsgefühl der Opfer – nicht selten bleibt ein Trauma.

Zahl der Wohnungseinbrüche seit 2010 stark gestiegen

Koalition will härter gegen Einbrecher durchgreifen - Polizei fordert noch mehr

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München/Berlin - Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist seit 2010 stark gestiegen, die Aufklärungsquoten sind gering. Nun will die Große Koalition härter durchgreifen. Die Polizei hält das für lange nötig – und fordert weitere Schritte.

Mehr als 50 Mal soll die zweiköpfige Einbrecherbande aus Serbien zugeschlagen haben, bevor sie der bayerisch/baden-württembergischen Ermittlungsgruppe „Feuersee“ kürzlich ins Netz ging. 160 000 Euro Schaden gehen auf ihr Konto, lautet der Verdacht der Staatsanwaltschaft Memmingen. Ein großer Erfolg, zwei dicke Fische. Doch auch nur zwei von vielen.

Innerhalb von nur vier Jahren hat sich die Zahl der Wohnungseinbrüche in Bayern enorm erhöht – von 4470 (2010) auf 8210 (2014). Zuletzt gingen die Fallzahlen zwar leicht zurück – die Größenordnung aber blieb. 2015 waren es 7480, 2016 mit 7470 ähnlich viele. Kein allein bayerisches Problem. Umgerechnet auf die Bevölkerung, gab es in NRW sogar fünfmal so viele Wohnungseinbrüche.

Die Bundesregierung will nun handeln. Die Koalition hat beschlossen, härter vorzugehen. Künftig soll die Mindeststrafe für Einbrecher ein Jahr Haft betragen. So soll unter anderem verhindert werden, dass Verfahren rasch eingestellt werden. Zudem soll die Überwachung von Telekommunikation möglich werden. „Künftig können Polizei und Justiz noch konsequenter gegen Wohnungseinbrecher vorgehen“, sagt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) unserer Zeitung.

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Auch Praktiker loben den Vorstoß. Die Sicherheitsbehörden haben die Ausweitung des Strafmaßes schon lange gefordert, sagt der Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, André Schulz, unserer Zeitung. Die jetzigen Maßnahmen seien „wesentliche Bausteine“ bei der Bekämpfung von Wohnungseinbrüchen. „Das ist ein deutliches Signal, dass es sich um eine schwere Straftat handelt, bei der Opfer traumatisiert werden.“ Vor drei Jahren sei man mit dieser Forderung selbst bei der Union noch „abgeblitzt“.

Schärfere Strafen dienten zum einen der Prävention, sagt Schulz. So etwas spreche sich im Milieu durchaus herum. Zum anderen zwingt es aber auch die Justiz, härter durchzugreifen. Wer früher vielleicht noch mit Bewährung davongekommen wäre, werde nun eher zu einer Haftstrafe verurteilt.

Vor allem aber ermöglicht das neue Strafmaß effektivere Ermittlungen. Einbrüche gelten nun nicht mehr nur als Vergehen, sondern als Verbrechen. Ermittler sollen künftig Telekommunikation im Zusammenhang mit Einbrüchen überwachen und Mobilfunkdaten aus Funkzellen am Tatort abfragen können. Und das nicht nur, wenn bereits der Verdacht besteht, dass organisierte Banden dahinterstecken, sondern bei jedem Wohnungseinbruch.

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Die neuen Maßnahmen sind den Sicherheitsbehörden auch deshalb so wichtig, weil gerade professionelle Banden oft kaum Spuren hinterlassen. Die Aufklärungsquote ist noch immer niedrig. 2016 lag sie in Bayern bei 18,9 Prozent, 2015 bei nur 15, 9 Prozent der Fälle. Mehr als vier von fünf Fällen blieben also ungeklärt.

Angesichts dessen könnte sich die Polizei durchaus noch weitere Maßnahmen vorstellen. Noch stärker müsse in die Qualifikation der Beamten investiert werden, meint Schulz. „Wir brauchen ausgebildete und erfahrene Experten für diese Straftaten.“ Mehr Wert müsse auf internationale Zusammenarbeit gelegt werden.

Und der Staat müsse beim Selbstschutz unterstützen, fordert die Gewerkschaft der Polizei. Die Materialkosten für Sicherheitstechnik müssten steuerlich absetzbar sein, es brauche möglichst zinslose Kredite dafür. Zudem sollten Bauherren verpflichtet werden, von Anfang an mehr in die Sicherung zu investieren.

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