Zentral-Moschee in Köln; Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.
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Zentral-Moschee in Köln; Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Kommentar

Rhein-Metropole Köln erlaubt Muezzin-Ruf: Das ist falsche Toleranz für Intoleranz

  • Georg Anastasiadis
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Köln rühmt sich für seine Weltoffenheit, jetzt den Ruf des Muezzins in der Stadt zu erlauben. Das ist jedoch falsche Toleranz für eine Ideologie der Intoleranz. Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis. 

Ab Freitag darf in Köln der Ruf des Muezzins durch die Stadt schallen*. In der Rheinmetropole feiern sie sich dafür als besonders weltoffen und vielfältig. Vielleicht ist die parteilose Oberbürgermeisterin Henriette Reker aber auch nur besonders naiv, wenn sie im multikulturellen Überschwang den Muezzin-Ruf mit dem Läuten der Kirchenglocken gleichsetzt.

Toleranz, für die sich Köln nun selbst rühmt, dient leider allzu oft einer Ideologie der Intoleranz

Das ist es eben nicht. Der Ruf „ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah“ bringt einen Überlegenheits- und Machtanspruch zum Ausdruck, der dem christlichen Glockengeläut nicht innewohnt. Eine „Machtdemonstration“ nennt ihn der Integrationsexperte Ahmad Mansour. Das dürfte ganz nach dem Geschmack des türkischen Machthabers Erdogan sein, der die Minarette mal als „unsere Bajonette“ bezeichnet hat. Erdogans unter Antisemitismus- und Islamismus-Verdacht stehender Religions-Verein Ditib steuert mit seinem schwierigen Islamverständnis die größte Kölner Moschee.

Die Toleranz, für die sich Köln nun selbst so überschwänglich lobt, dient nicht immer, aber leider allzu oft einer Ideologie der Intoleranz, die Frauenrechte ablehnt, Schwule und andere Minderheiten ächtet und Juden bedroht. Was wohl in ihren Köpfen vorgeht, wenn sie den Ruf des Muezzin künftig durch deutsche Städte hallen hören? Nicht sie stellen, wie Frau Reker vorwurfsvoll sagt, mit ihren sorgenvollen Einwänden „unser friedliches Zusammenleben infrage“. Sondern diejenigen, die unsere Toleranz als Zeichen von Schwäche belächeln.

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