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Polizisten umringen am 31.12.2016 vor dem Hauptbahnhof in Köln eine Gruppe südländisch aussehender Männer.

Silvesternacht

Kölner Polizei korrigiert sich: Vor allem Iraker und Syrer am Bahnhof

Köln - Nach der diesjährigen Silvesternacht in Köln hieß es, dass sich wieder hunderte Nordafrikaner am Bahnhof versammelt hatten. Jetzt korrigiert die Polizei diese Aussage. 

„Am HBF werden derzeit mehrere Hundert Nafris überprüft. Infos folgen.“ Das twitterte die Kölner Polizei in der Silvesternacht. Die Abkürzung „Nafri“ für Nordafrikaner wurde schon am nächsten Tag als abwertend kritisiert. Zwei Wochen später stellt sich nun die Frage: Waren die aggressiven jungen Männer mehrheitlich gar keine Nordafrikaner?

Polizeipräsident Jürgen Mathies hatte sich von der öffentlichen Verwendung des Begriffs „Nafris“ noch am Neujahrstag distanziert. Zugleich sagte er, die jungen Männer, die die Polizei am Hauptbahnhof überprüft habe, seien ganz überwiegend Nordafrikaner gewesen.

Die Kölner Polizei hat nach eigenen Angaben noch keine endgültigen Erkenntnisse über die Nationalitäten der fast 700 in der diesjährigen Silvesternacht am Hauptbahnhof von Köln überprüften Männer mit Migrationshintergrund. "Viele dieser Personen haben sich mit Dokumenten und Bescheinigungen ausgewiesen, die nicht als sichere Dokumente im Sinne einer zweifelsfreien Bestimmung der Staatsangehörigkeit gelten", teilten die Beamten am Freitag mit.

Zuvor hatte die von der Polizei eingerichtete Arbeitsgruppe erste Zwischenergebnisse zu den Abläufen und Zusammenhänge der Ereignisse vom Jahreswechsel bekanntgegeben. In Medienberichten hieß es in diesem Zusammenhang unter Berufung auf die Polizei auch, dass sich unter den Überprüften zahlreiche Syrer, Iraker und Afghanen befunden hätten - dafür allerdings vergleichsweise wenige Menschen aus Nordafrika.

„Vorläufig Nationalitäten“ zugeordnet

In früheren Äußerungen zu dem Silvestereinsatz hatten Vertreter der Kölner Polizei davon gesprochen, dass sie größere Gruppen von aggressiv auftretenden Männern aus Nordafrika gestoppt hätten, um etwaige Übergriffe wie in der Silvesternacht des vorigen Jahres zu verhindern. Insgesamt überprüften die Beamten dabei die Personalien von 674 Menschen.

Wegen des Einsatzes und der Verwendung desBegriffs "Nafri" für Nordafrikaner in einer einsatzbegleitenden Twitter-Botschaft hatte es tagelang Diskussionen gegeben. Einige Beobachter kritisierten die Polizei und warfen den Beamten "Racial Profiling" vor. Darunter wird eine Methode verstanden, sich bei Kontrollen und Ermittlungen von der Hautfarbe oder anderen äußeren Merkmalen leiten zu lassen. Dies ist aber verboten.

Die aktuellen Berichte vom Freitag bezeichnete die Kölner Polizei als "zum Teil irreführend". 425 kontrollierten Männern seien durch die "Arbeitsgruppe Silvester 2016" inzwischen lediglich "vorläufig" Nationalitäten zugeordnet worden. Von diesen 425 waren 99 Iraker, 94 Syrer, 48 Afghanen und 46 Deutsche. Nur 17 waren Marokkaner und 13 Algerier. Die restlichen Nationalitäten wollte die Polizei nicht nennen. Es sei aber aus aktuellen Ermittlungsverfahren bekannt, dass sich "insbesondere junge Männer" als "Kriegsflüchtlinge aus Syrien" ausgäben, um als Asylsuchende anerkannt zu werden.

"Es ist daher nicht auszuschließen, dass sich unter den 425 Personen noch eine größere Anzahl nordafrikanischer Männer befindet", erklärten die Ermittler weiter. Genauere Aussagen dazu ließen sich aber erst nach weiteren polizeilichen Ermittlungen treffen.

Polizei geht von 2.000 nordafrikanisch und arabisch aussehenden Männern aus

Kölns Polizeipräsident Jürgen Mathies erklärte am Freitag, dass die Bundespolizei in der Silvesternacht von etwa 2000 "nordafrikanisch beziehungsweise arabisch aussehenden jungen Männern" im Bereich des Hauptbahnhofs und des Deutzer Bahnhofs besprochen habe. Diese Zahl habe sich dabei mit den eigenen Feststellungen der Kölner Polizei gedeckt.

Seinen Angaben zufolge befand sich nach bisherigen Auswertungen unter den in diesem Jahr Kontrollierten kein Verdächtiger aus dem vergangenen Jahr und keiner derjenigen, denen vorab ein Besuch des Bereichs verboten worden war. Dabei handelte es sich um 75 Männer. Silvester 2015 hatte es dort zahlreiche sexuelle Übergriffe, Diebstähle und andere Delikte gegeben. Diese waren aus einer größeren Menge heraus verübt worden.

Doch auch wenn dem so sein sollte, in jedem Fall lässt sich wohl sagen: Der Anteil der Nordafrikaner war kleiner als angenommen. Es ging nicht ausschließlich um die berüchtigten „Nafris“. Mit diesem Begriff bezeichnet die Kölner Polizei intern Nordafrikaner, die schon mehrfach durch Straftaten aufgefallen sind. Rund um den Kölner Hauptbahnhof und Dom stellen solche jungen Männer aus Marokko, Algerien oder Tunesien seit Jahren ein großes Problem dar. Viele von ihnen haben sich darauf spezialisiert, Touristen zu bestehlen. Auch die Verdächtigen der katastrophalen Silvesternacht 2015/16 mit zahlreichen sexuellen Übergriffen auf Frauen und massenhaften Handy-Diebstählen waren überwiegend Nordafrikaner.

Dass die Polizei auch nach der jüngsten Silvesternacht schon sehr schnell von Nordafrikanern sprach, hatte möglicherweise auch damit zu tun, dass sie die Fehler des Vorjahres nicht wiederholen wollte. Damals hatte sich die Polizei bei der Nationalität der Verdächtigen erst einmal bedeckt gehalten - und war gerade dafür massiv kritisiert worden.

Letztlich sei die Nationalität aber doch gar nicht entscheidend, argumentierte am Freitag Polizeisprecher Wolfgang Baldes. Für die Polizei sei etwas anderes wichtig gewesen: Die Männer, die vor Mitternacht in großen Gruppen am Hauptbahnhof eingetroffen seien, seien „jung, aggressiv und alkoholisiert“ gewesen. Nach diesem Kriterium habe man sie überprüft. Das Ergebnis sei ein sehr erfolgreicher Einsatz gewesen - es gab nur wenige Anzeigen in dieser Nacht.

AFP/dpa

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