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Ein Werbeplakat einer pro-serbischen Bewegung mit den Porträts vom russischen Präsidenten Wladimir Putin (r) und dem zukünftigen Präsidenten der USA, Donald Trump. Wie nahe stehen sich die beiden wirklich?

Der kommende US-Präsident und Putin

Neues Glück oder Enttäuschung? - Russland wartet auf Trump

Moskau - Trump mag Putin, Putin mag Trump - also sollte ein Neustart zwischen den USA und Russland möglich sein. Doch es häufen sich beunruhigende Fragen nach Moskaus Einfluss auf den künftigen US-Präsidenten.

Als der Wahlsieg von Donald Trump in den USA im November feststand, applaudierten die Abgeordneten im russischen Parlament in Moskau. Goldene Zeiten schienen anzubrechen mit dem Milliardär, der das zerrüttete Verhältnis zu Russland verbessern will und nur lobende Worte für Präsident Wladimir Putin hat. Der Kremlchef gratulierte von allen Weltpolitikern am schnellsten. „Niemand hat an seinen Sieg geglaubt außer uns hier“, sagte Putin später vor Journalisten. Das ließ auf schillernde Weise offen, ob und wieviel Russland mit dem Erfolg des Republikaners zu tun gehabt haben könnte.

Denn das Verhältnis Trumps zu Moskau hat schon vor Amtsantritt viele Fragen aufgeworfen und weltweit negative Schlagzeilen gemacht. Das wiederum lässt auch die Erwartungen in Russland vorsichtiger werden. „Es ist immerhin ein US-Präsident gewählt worden, der in seinen Reden Russland nicht eine Bedrohung oder ein Übel nennt“, sagt Nikolai Patruschew, Leiter des russischen Sicherheitsrates, der Zeitung „Rossijskaja Gaseta“. Russische Außenpolitiker betonen, dass der neue Präsident natürlich zuerst die Interessen der USA vertreten müsse. Doch wie es mit dem unberechenbaren Trump laufen wird, weiß niemand.

Moskau weint Obama keine Träne nach

Klar ist, das Moskau Barack Obama keine Träne nachweint. Gut war das Verhältnis nie. Doch in den letzten Amtswochen belegte Obama Russland fast täglich mit neuen Sanktionen - wegen angeblicher Hackerangriffe, wegen Menschenrechtsverstößen, wegen der Halbinsel Krim. „Gott hat die Welt in sieben Tagen erschaffen. Die Obama-Administration hat zwei Tage mehr, um sie zu zerstören“, ätzte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa.

Der altgediente kremltreue Außenpolitik-Experte Sergej Karaganow hoffte, Obama werde der letzte US-Präsident gewesen sein, „der ganze Subkontinente wie den Nahen Osten zerstört“. Trump werde sich auf Amerika konzentrieren. „Deshalb ist er die beste Wahl für die Welt und für Russland“, sagte er dem Radiosender Echo Moskwy. Für sich selbst nutzte Moskau die Zeit zwischen den Herren im Weißen Haus, um in Syrien Fakten zu schaffen. Die Stadt Aleppo wurde für die syrische Regierung zurückerobert. Ein neuer Gesprächsprozess beginnt, in dem Russland, die Türkei, der Iran das Sagen haben, nicht die USA.

Obamas Wut erklärte sich aus den Hackerangriffen auf Computer der Demokratischen Partei im Wahlkampf, hinter denen die US-Geheimdienste Russland sehen. Auch wenn die veröffentlichten Beweise dünn sind, geht es um einen beispiellosen Eingriff. Wollte Moskau nur allgemein Unfrieden stiften, das Vertrauen der Amerikaner in ihr Wahlsystem untergraben? Oder wollte Putin gezielt Trump zum Sieg über Hillary Clinton verhelfen, wie die CIA und andere Behörden folgern?

Hat Russland  belastendes Material gegen Trump?

Noch schriller wurde die Debatte durch die Nachricht, dass Russlandbelastendes Material gegen Trump gesammelt haben könnte. In dem sogenannten Kompromat geht es um angebliche sexuelle Eskapaden, aber auch um verdächtige politische Absprachen. Der US-Präsident erpressbar? Bewiesen ist nichts. Trump hat dementiert, der Kreml auch. Und doch ist es ein Faktor, dem beide Seiten bei der Annäherung Rechnung tragen müssen. Jeder Schritt wird genau beobachtet werden.

Die Russen mussten sich auch anhören, dass ihr guter Freund Rex Tillerson im US-Senat Russland als Gefahr bezeichnete. Das habe der Ex-Ölmanager so sagen müssen, um als Außenminister bestätigt zu werden, tröstete sich der Duma-Außenpolitiker Leonid Sluzki.

Doch es gibt in Russland die Furcht, die republikanische Partei-Elite in den USA könnte Trumps Russlandkurs blockieren. „Das macht es auch für uns nicht leicht, selbst wenn Trump ein richtiges Herzchen sein will“, sagte Karaganow. „Man lässt ihn einfach kein Herzchen sein.“ Trump sagte bei seiner Pressekonferenz, Russland sei für die Hackerangriffe verantwortlich. Aber er sagte auch, sein gutes Verhältnis zu Putin sei keine Belastung, sondern ein Gewinn.

USA und Russland: Es gibt viel zu reparieren

So stehen die Zeichen auf ein Treffen bald nach Trumps Amtsantritt am 20. Januar. Es gibt am amerikanisch-russischen Verhältnis viel zu reparieren. Das muss nicht in erster Linie der Streit über Syrien sein oder über die Ukraine, die einen Wechsel der US-Loyalität von Kiew zu Moskau fürchtet. Der Russische Rat für Außenpolitik zählte auf, wie viele Verträge zur nuklearen Abrüstung schon gescheitert oder vom Scheitern bedroht sind. „Die strategische Stabilität geht verloren“, warnen die Experten.

Nur einfach wird dieser Neubeginn nicht. „Das wichtigste Ereignis der russischen Politik 2017 wird die Enttäuschung über Trump sein“, prophezeite der Außenpolitikexperte Gennadi Kusnezow.

dpa

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